Politik

Sonderfall Albanien Zahl der Balkan-Anträge geht zurück

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In der "Ankunfts- und Rückführungseinrichtung" in Bamberg werden Asylbewerber vom Balkan untergebracht.

(Foto: picture alliance / dpa)

Vom Balkan kommen längst nicht mehr so viele Asylbewerber wie noch im Frühjahr und Sommer. Eine Ausnahme ist Albanien.

In besonderen "Aufnahme-Einrichtungen" sollen Asylbewerber aus sicheren Herkunftsländern künftig einem beschleunigten Asylverfahren unterzogen werden. Ziel ist es, sie schneller abzuschieben – bevor sie sich eingelebt haben, bevor sie sozial integriert sind in Deutschland.

Allerdings sind Asylbewerber aus Balkan-Staaten nur noch eine Minderheit unter den Flüchtlingen, die in die Bundesrepublik einreisen. Im Oktober kam mehr als die Hälfte der Asylanträge von Syrern, wie das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, kurz Bamf, am Donnerstag mitteilte. Nur noch jeder zehnte Asylantrag wurde von Menschen aus den sechs Balkanländern gestellt, die mittlerweile als sichere Herkunftsländer eingestuft sind. Innerhalb der Balkan-Anträge kommen die weitaus meisten von Albanern: 4549 Erstanträge waren es im Oktober. Zum Vergleich: Aus Serbien kamen 861 Antragsteller, aus Mazedonien 703, aus dem Kosovo 619, aus Bosnien und Herzegowina 308 und aus Montenegro 97.

Bemerkenswert ist der Verlauf der Anträge von Kosovaren. Seit August kommen von ihnen monatlich nur noch gut 600 Anträge. Dennoch steht das Land für das laufende Jahr noch immer auf Platz drei der Asylanträge: Bis Oktober wurden mehr als 32.000 Erstanträge von Bürgern des Kosovo eingereicht, die meisten in den ersten vier Monaten dieses Jahres. Höhepunkt war der März mit mehr als 11.000 Anträgen. Bereits im April waren es nur noch 4300, danach fiel die Zahl weiter.

Eine Botschaft für Albanien

Anders verlief die Entwicklung bei Anträgen von Albanern. Hier war der Höhepunkt erst im August mit 8200 Anträgen erreicht. Der nur langsame Rückgang von Anträgen von Albanern dürfte der Hauptgrund sein, warum Bundesinnenminister Thomas de Maizière an diesem Freitag nach Tirana fliegt. Vor ein paar Tagen sagte der CDU-Politiker, er wolle sich in Albanien einen Eindruck verschaffen, wie Abgeschobene dort aufgenommen würden. Tatsächlich dürfte es auch um politische PR gehen: darum, auch in Albanien die Nachricht zu verbreiten, dass Asylanträge in Deutschland sinnlos sind.

Das sind sie wirklich, nicht nur für Albaner, auch für Bürger aus den anderen Balkan-Staaten. Für Flüchtlinge aus dem Kosovo etwa gab es im laufenden Jahr 25.000 Asylentscheidungen. Als asylberechtigt anerkannt wurde – wie im Falle Albaniens – kein einziger Antragsteller. Lediglich sieben bekamen Schutz nach der Genfer Flüchtlingskonvention, 21 bekamen sogenannten subsidiären Schutz.

Kurzum: Dass die Flüchtlingszahlen weiter steigen, liegt nicht an den Balkan-Staaten: Nur noch ein Zehntel der Antragsteller kam im Oktober vom Balkan. Im September war es noch fast ein Viertel, im März kamen sogar sechs von zehn Asylanträgen von Menschen aus Balkan-Staaten.

Neben den Zahlen der Asylanträge gibt es noch die Zahlen des EASY-Systems, mit denen das Bamf die Flüchtlinge erfasst, um sie auf die einzelnen Bundesländer zu verteilen. Nach diesen Zahlen kamen im Oktober 180.000 Flüchtlinge nach Deutschland. Syrien liegt auch hier an der Spitze: Knapp 89.000 Menschen kamen aus dem Bürgerkriegsland. Auf Platz zwei dieses Rankings liegt Afghanistan mit mehr als 31.000 Flüchtlingen, gefolgt vom Irak mit knapp 22.000 Flüchtlingen. Aus Pakistan kamen 5100 Menschen, aus dem Iran 4900.

Insgesamt wurden im laufenden Jahr mit dem EASY-System rund 758.000 Einreisen gezählt. Damit wäre die von de Maizière im Sommer genannte Zahl von 800.000 Flüchtlingen in diesem Jahr vermutlich schon erreicht. Denn einerseits gibt es beim EASY-System zwar Fehl- und Doppelerfassungen, wie das Innenministerium sagt. Andererseits dürften viele Flüchtlinge noch gar nicht registriert sein.

Klar ist allerdings: Auch nach den EASY-Zahlen spielen die Staaten des Balkan als Herkunftsländer keine besonders große Rolle mehr. Viele Menschen von dort dürfte es in den neuen "Aufnahme-Einrichtungen" nicht geben.

Die Monatsberichte des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge finden Sie hier.

Quelle: ntv.de

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