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Deutschpflicht im Wohnzimmer Die CSU irrlichtert

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CSU-Chef Horst Seehofer

(Foto: dpa)

Die "Partei der Freiheit", die CSU, will den Bürgern vorschreiben, welche Sprache sie in den eigenen vier Wänden benutzen sollen. Damit stehen die Christsozialen der AfD näher als der CDU.

Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert. Das scheint das neue Motto der CSU zu sein. "Wer dauerhaft hier leben will, soll dazu angehalten werden, im öffentlichen Raum und in der Familie deutsch zu sprechen", schreibt die Führung der Christsozialen in ihren Leitantragsentwurf für den Parteitag, der in einer Woche in Nürnberg beginnt.

Die Forderung schreit nach Witzen über die bayerische Mundart. Doch dafür ist die Sache zu ernst: Die CSU, die sich in ihrem Grundsatzprogramm "die Partei der Freiheit" nennt, will den Menschen vorschreiben, wie sie sich in ihren eigenen vier Wänden zu unterhalten haben.

Man wende bitte nicht ein, der CSU gehe es um Integration. Genau darum geht es nicht. Abgesehen von der "Ausländermaut" sind politische Ziele der Seehofer-CSU längst egal. Früher stand die Partei weiter rechts als ihre große Schwester, die CDU. Heute steht sie gar nicht mehr, sie irrlichtert. Denn die Forderung nach einer Deutschpflicht im eigenen Wohnzimmer ist nicht "rechts" oder "konservativ". Die CSU orientiert sich nicht mehr an Grundsätzen oder Werten, sondern an diffusen Ängsten vor der Gegenwart, die sie nicht beruhigen, sondern benutzen will. Damit steht sie der AfD näher als der CDU.

Noch sollen die Menschen nur "dazu angehalten" werden, sich zuhause auf Deutsch zu unterhalten. Aber muss das so bleiben? Kommt in ein paar Jahren - wenn die CSU wieder einmal Angst um ihre absolute Mehrheit haben sollte - die Sprachpolizei? "Wir können nicht dulden, dass sich hartnäckige Integrationsverweigerer unter dem Deckmantel der Multikulti-Gleichmacherei, geschützt von einer angeblichen 'Privatsphäre', in einer Sprache unterhalten, die kein anständiger Bayer versteht!" Dieser Satz ist kein Zitat, er ist frei erfunden. Doch genau bei solchen Sprüchen endet die schiefe Bahn, auf die sich die CSU begeben hat.

Der Vorstoß offenbart eine Hilflosigkeit, die an die FDP erinnert. Vor vier Jahren forderte der damalige FDP-Generalsekretär Christian Lindner eine Deutschpflicht auf Schulhöfen. Der Ruf der FDP war zu diesem Zeitpunkt bereits ruiniert. Man kann daraus etwas lernen: Den Liberalen hat es nicht geholfen, Werte und Inhalte durch aggressiven Populismus zu ersetzen.

Quelle: n-tv.de

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