Österreich-Newsletter

Österreichs Ostfriesland wählt Die Ski-Nation feiert die Wahnsinnigen

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Servus und herzlich willkommen zur neuen Ausgabe von "Jetzt ist schon wieder was passiert", dem Österreich-Newsletter bei ntv.de!

"Suche: Bewegung. Biete: Führungsfigur." Unter diesem Motto stand das Ja/Nein/Vielleicht-Comeback von Heinz-Christian Strache gestern Abend in den Sofiensälen in Wien. Trotz Ibiza und trotz seiner Demontage bei der FPÖ hält sich der Ex-Vizekanzler für unentbehrlich in Österreichs Politik - ziert sich aber noch, an die Spitze einer neuen "Bewegung" zu treten. Meinen Bericht über die Braut, die dem Braten nicht traut, können Sie hier lesen.

In der aktuellen Ausgabe von "Jetzt ist schon wieder was passieren" stürzen wir uns in die "Mausefalle", zur 80. Ausgabe des "Hahnenkamm"-Rennens auf der "Streif" in Kitzbühel. Außerdem blicken wir voraus auf zwei spannende Wahlen in Regionen, die Spötter als das Ostfriesland und das Nordkorea Österreichs bezeichnen.

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Leiwand: Super, prächtig, prima.

Wer einmal in seinem Leben eine Après-Ski-Party besucht hat, kennt diesen Song: "Schifoan is des Leiwandste, wos ma sich nur vurstelln kann", singt Wolfgang Ambros in "Schifoan", der inoffiziellen Nationalhymne Österreichs. Ihr wichtigstes Hochamt feiert die Ski-Nation in dieser Woche in Kitzbühel: Insgesamt fast 100.000 Zuschauer werden an der "Streif" stehen, wenn sich die Fahrer auf 1665 Metern in den Höllenritt schmeißen, in der "Mausefalle" bei bis zu 85 Prozent Gefälle beschleunigen, 80 Meter durch die Luft springen und am Ende mit über 140 km/h über den Zielhang rasen. Ein Wahnsinn, und ein Risiko: Regelmäßig landen Fahrer nach Stürzen mit schwersten Verletzungen im Krankenhaus, der Olympiasieger Patrick Ortlieb musste 1999 sogar seine Karriere wegen eines Trümmerbruchs beenden, kein Einzelfall.

Die Gefahr ist Teil des Mythos. Was Wimbledon fürs Tennis, ist das Hahnenkamm-Rennen für den Wintersport. Wer dort gewinnt, hat sich unsterblich gemacht (und eine Menge Geld kassiert, allein je 100.000 Euro können die Sieger der Abfahrt und des Slaloms in diesem Jahr einstreichen). Und wer nicht da ist, ist ein Niemand in der Bussi-Bussi-Gesellschaft. Die rund 4000 VIP-Gäste zahlen für das Rennwochenende bis zu 6000 Euro.

In diesem Jahr feiert Kitzbühel das 80. Jubiläum - mit einem Wermutstropfen: Österreich schlittert hinterher. Seit dem Abgang von Slalom-Dominator Marcel Hirscher fehlt dem ÖSV ein Aushängeschild. Und viele Österreicher hören zum ersten Mal vom sogenannten Nationencup, weil er erstmals seit 30 Jahren nicht in Österreichs Trophäenschrank landen könnte. Momentan führt die Schweiz. Für das Highlight in Kitzbühel, die Abfahrt im Samstag, kommt eigentlich nur der Kärntner Matthias Mayer für einen Heimsieg infrage. Sein Ziel: Wenigstens ein "Stockerlplatz" - ein Platz auf dem Siegerpodium.

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"So einen Blödsinn habe ich überhaupt noch nicht gehört", Hans Peter Doskozil (SPÖ), Landeshauptmann Burgenland.

Selbst innerhalb der 100-Tage-Schonfrist tut so ein Fehlstart weh: Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) hat gleich mit seinem ersten Projekt satte 7 von 10 Punkten auf der Andi-Scheuer-Skala eingefahren. "Grenznahe Asylzentren" wollte Nehammer bauen, vergaß aber, sich mit den mächtigen Landesfürsten abzustimmen. Die räumten den Vorstoß gnadenlos ab, am lautesten der SPÖ-Landeshauptmann Hans Peter Doskozil. Der steht am Sonntag im Burgenland zur Wahl und darf sich bei Nehammer für die Hilfe bedanken.

Der Polizist Doskozil hat ein Image als Garant für Law-and-Order aufgebaut, so wird er laut Umfragen auch die Wahlen gewinnen im kleinen Land an der Grenze zu Ungarn, das vom Rest Österreichs gern als Aufhänger für Witzchen genutzt wird. Eine weitere Gemeinsamkeit mit Ostfriesland: Im Burgenland gibt es viel Landschaft und wenig Menschen, nicht einmal 300.000 sind es. Trotzdem könnte die Wahl ein Signal sein: Holt Doskozils SPÖ wie 2015 mehr als 40 Prozent, wächst sein Gewicht in der Partei. Und Doskozil steht über kurz oder lang vor der Frage, ob er den gemütlichen Landesfürstenthron im Burgenland gegen den Schleudersitz SPÖ-Vorsitz eintauschen möchte.

Weichen gestellt werden am Sonntag auch bei der "Mutter aller Wahlen": den Gemeindewahlen in Niederösterreich, dem Kernland der ÖVP, das sie besser im Griff hat als die CSU Bayern. So fest, dass Kritiker gern von "nordkoreanischen Verhältnissen" reden. Seit 1945 stellt die ÖVP die Regierungsspitze und in der überwältigen Mehrheit der Gemeinden den Bürgermeister. In 567 Gemeinden werden 11.640 Mandate vergeben, alles andere als ein gefestigtes Ergebnis für die ÖVP wäre eine Sensation. Dabei helfen der ÖVP einige Eigenarten des Wahlsystems: Die Parteien dürfen eigene Wahlzettel verteilen, die als Stimmzettel gelten - so werden die Wähler gar nicht erst mit lästigen Alternativen behelligt. Und: Bürgermeister, meist ÖVP-Leute, dürfen über das Stimmrecht von Zweitwohnsitzlern entscheiden. Ob der Wiener mit dem "Atomkraft, nein danke"-Sticker auf dem Auto wohl wählen darf?

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++ Ärger um Ibiza-Untersuchungsausschuss: Die Opposition wollte in einem Mammut-Ausschuss alle Vorgänge rund um das Strache-Video aufklären. ÖVP und Grüne stutzten den Auftrag mit der Heckenschere - ob das rechtens ist, klärt nun der Verfassungsgerichtshof. ++ Ein Abgeordneter zählt konzentriert Geldscheine. Im Plenarsaal. Während der Sitzung. Das Video von ÖVP-Mann Peter Haubner sorgt für Aufregung im Netz - seine Erklärung: Er habe ein Geschenk für eine Mitarbeiterin vorbereitet, die in Rente geht. ++ Rechtswalzer in der Wiener Hofburg: Zum jährlichen "Akademikerball" werden heute Abend 2500 Gäste erwartet, viele von ihnen Burschenschafter und andere Rechtsaußen. Hunderte Menschen werden unter dem Motto "FPÖ-Burschiball blockieren" protestieren, die Polizei ist mit 1600 Beamten im Einsatz. ++ Österreich düpiert Olaf Scholz: Finanzminister Gernot Blümel hat den deutschen Vorschlag zur EU-Finanztransaktionssteuer als "nicht akzeptabel" zurückgewiesen. Der ursprüngliche Ansatz, Spekulanten zu treffen, sei ins Gegenteil verkehrt worden. ++ Im Nachbarschaftsduell bei der Handball-EM behielt Favorit Deutschland am Montagabend die Oberhand gegen Österreich - Cordoba liegt eben nicht in Wien. Nach dem 36:36 gegen Weißrussland am Donnerstag beendet der Gastgeber die EM aber versöhnlich auf dem 8. Platz, das beste Ergebnis der Verbandsgeschichte. ++

Freundschaftlich ging es übrigens auf dem diplomatischen Parkett zu: Bundespräsident Alexander Van der Bellen und der deutsche Botschafter Rald Beste reisten gemeinsam in der "Bim" (Straßenbahn) zum Spiel in der Wiener Stadthalle.

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Servus und Baba, bis nächsten Freitag

Ihr Christian Bartlau

Quelle: ntv.de