Österreich-Newsletter

Brief aus Wien belastet Trump Kurz' "burgernaher" Vize sorgt für Aufreger

NEU-Header-LOGO2.jpg

Servus und herzlich willkommen zur neuen Ausgabe von "Jetzt ist schon wieder was passiert", dem Österreich-Newsletter bei ntv.de!

Österreich rückt üblicherweise nur in den Mittelpunkt der Weltpolitik, wenn Diplomaten in Wien heikle Verträge verhandeln - wie 2015 das Atomabkommen zwischen Iran und den USA.

Nun spielt Österreich immerhin eine kleine Nebenrolle im Impeachment-Verfahren gegen Donald Trump, zumindest auf dem Papier. Im wahrsten Sinne des Wortes. Mehr dazu in dieser Ausgabe von "Jetzt ist schon wieder was passiert".

Außerdem: Auch in Österreich wird so manche (Umwelt)-Sau durchs Dorf getrieben - in dieser Woche traf es einen Vizekanzler mit Gusto auf Burger.

ö-anf.neu.5.jpg

Gusto: Appetit

Ganze zehn Tage ist der Grünen-Chef Werner Kogler nun Vizekanzler und schon hat er seine ersten zwei landesweiten Aufreger hinter sich. Zuerst wurde der Steirer für sein Casual-Outfit bei der Vereidigung angegriffen - ein Vizekanzler ohne Krawatte, das geht gar nicht, befanden in seltener Einheit die liberale Wochenzeitung "Falter" und das Krachmacher-Boulevardblatt "Krone". Für den berüchtigten "Krone"-Kolumnisten Michael Jeannée, Österreichs Version des "Bild"-Briefonkels Franz Josef Wagner, war der krawattenlose Auftritt in der Hofburg sogar eine "Provokation".

Bei so viel Aufregung um nichts braucht so mancher gute Nervennahrung - wie auch immer die dann aussieht. Werner Kogler hatte jedenfalls Anfang der Woche Appetit auf einen Burger und kehrte dafür bei der Kette mit dem goldenen M ein. Schwupps, landete ein Bild von Kogler in den sozialen Medien. Ein, nun ja, gefundenes Fressen für die politische Rechte, die das Bild fleißig teilte und dem Grünen unter dem Hashtag #MäciGate Doppelmoral unterstellte.

Grünkernlaibchen predigen und Burger essen? Diesen Vorwurf ließt sich Kogler nicht gefallen: "Ich bin der Letzte, der ein lasterfreies Leben propagiert."

Böse Zungen würden eh behaupten, dass auch im Koalitionsabkommen mit Sebastian Kurz von grüner Haltung nicht viel zu sehen ist - warum sie dann ins Fast-Food-Restaurant mitnehmen?

Wie dem auch sei: Im politischen Wien erfuhr Kogler eine Welle der Solidarität - die grüne Vizebürgermeisterin Birgit Hebein biss für ein Twitter-Foto in einen Burger, Beate Meinl-Reisinger von den NEOs ließ sich mit McMenü in der Hand fotografieren. Und McDonald's nutzte die Aufregung ganz professionell für PR in eigener Sache: "Wir freuen uns über die Burgernähe von Politikern."

fundstück.neu.6.jpg

Das Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump hat begonnen - mit einigen unangenehmen Enthüllungen. Vor allem Lev Parnas, ein Geschäftspartner von Trumps Anwalt Rudy Giuliani, belastet den US-Präsidenten schwer. Parnas hat nach eigener Aussage Druck gemacht auf die ukrainische Führung, damit sie Ermittlungen gegen den Demokraten Joe Biden aufnimmt. "Trump wusste genau, was ablief", sagte Parnas im US-Fernsehen. Einen Beweis für seine Version liefert eine handschriftliche Notiz, geschrieben auf Papier aus dem Ritz Carlton in Wien.

Wien hat in der Ukraine-Affäre offenbar als Drehscheibe gedient. Hier sitzt der ukrainische Oligarch Dmitri Firtasch seit 2014 im Exil. Gegen ihn liegt ein internationaler Haftbefehl wegen Bestechung indischer Politiker vor, die Auslieferung in die USA wurde immer wieder aufgeschoben. Nur dank einer Kautionszahlung von 125 Millionen Euro befindet sich Firtasch auf freiem Fuß, gezahlt wurde sie vom Putin-Vertrauten Wassili Anisimow, Chef des russischen Judoverbandes.

Der Verdacht: Parnas ersuchte Firtasch im Auftrag von Giuliani, über seine Anwälte belastendes Material aus der Ukraine gegen Biden zur Verfügung zu stellen. Parnas wurde im Oktober 2019 festgenommen - er war auf dem Weg nach Wien. Auch Giuliani wollte nach Österreich reisen, ließ den Trip jedoch platzen. Eine verworrene Geschichte - mit viel Potenzial für einen Polit-Thriller.

k-k.neu.jpg

++ 800.000 Euro Strafe muss die ÖVP zahlen - im Wahlkampf 2017 hatte die Partei von Kanzler Sebastian Kurz 12,96 Millionen Euro ausgegeben und damit die gesetzliche Kostengrenze von 7 Millionen Euro massiv überschritten. ++ Der Stellenabbau bei Opel trifft auch das Werk in Wien. Die Motorenfertigung wird komplett eingestellt, nur die Getriebeherstellung verbleibt, rund 270 Arbeitsplätze gehen verloren. ++ Ein 70-Jähriger aus Karlsruhe ist am Mittwoch bei einem Skiunfall in Saalbach-Hinterglemm gestorben. Trauriger Alltag am Berg: 23 Menschen sind 2019 bei Skiunfällen in Österreich gestorben, insgesamt sind 304 Menschen im alpinen Raum tödlich verunglückt. ++ Diplomatisches Corps auf Radwegen: Zum Neujahrsempfang des Bundespräsidenten am Dienstag kamen einige Botschafter nicht mit der Limousine - sondern auf dem Fahrrad. Alexander Van der Bellen bedankte sich und forderte bei seiner Ansprache mehr Zusammenarbeit beim Klimaschutz. ++ Erste Niederlage im vierten Spiel für Österreichs Handballer bei der Heim-EM: Am Donnerstag unterlag das ÖHB-Team Kroatien mit 23:27. In der Gruppe I liegen die Österreicher punktgleich mit Deutschland auf Rang vier. ++

Das Nachbarschaftsduell zwischen Österreich und Deutschland steigt am Montag, 20.30 Uhr, in der Wiener Stadthalle. Zur Vorbereitung empfehle ich Ihnen die EM-Berichterstattung der Kollegen aus der Sportredaktion.

Wenn Sie Lob, Kritik, Wünsche oder Anregungen loswerden möchten, schreiben Sie mir gern eine Mail.

Wenn Sie diesen Newsletter bequem jeden Freitag per Mail erhalten wollen, tragen Sie sich bitte einfach hier in den Verteiler ein.

Servus und Baba, bis nächsten Freitag

Ihr Christian Bartlau

Quelle: ntv.de