Österreich-Newsletter

Teufel freut sich über die Mess. Kurz schwärzt Söder an

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Es gibt wieder gute Nachrichten in Österreich, und sie klingen so: "Teufel freut sich über Öffnung der Kirchen". Doch, wirklich, so stand es in einer Pressemitteilung geschrieben! Gesendet nicht aus dem Reich der Finsternis, aber ganz aus der Nähe, nämlich aus Niederösterreich, vom FPÖ-Abgeordneten Reinhard Teufel, der seit Mitte April vehement das Recht auf Gottesdienste einfordert. Und damit Freunde des Flachwitzes erfreut.

Jedenfalls hat die Regierung den Teufel Reinhard erhört und lässt ab 15. Mai die Gotteshäuser wieder aufsperren. Die Pläne für die weitere Öffnung des Landes beschäftigen uns in dieser Aufgabe von "Jetzt ist schon wieder was passiert". Außerdem: Die wundersame Verehrung des Sebastian Kurz in deutschen Medien, Folge 176 - und wie David Alaba plötzlich von einem Toten aus den Geschichtsbüchern verdrängt wird.

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Fleischlaberl: Bulette / Frikadelle / Bratklops

Es geht voran in Österreich. Also, eigentlich geht es nicht mehr voran, aber neuerdings ist das ein gutes Zeichen. Vergangene Woche standen die Menschen in Schlangen vor den Baumärkten, an diesem Montag stauten sich die Autos vor den 70 Fleischlaberl-Bratern mit dem goldenen M, die ihre Drive-In-Schalter wieder geöffnet hatten. Die Polizei musste vielerorts eingreifen, um den Verkehr zu regeln, ein ZDF-Reporter im Selbstversuch vermeldete Wartezeiten von 45 Minuten. Aber was ist schon eine Dreiviertelstunde im Auto gegen mittlerweile 40 Tage Ausgangsbeschränkungen?

Am Dienstag präsentierte Bundeskanzler Sebastian Kurz einen "Stufenplan zur Wiedereröffnung des Landes", den man sich allerdings eher wie eine Art Teaser vorstellen muss. Vielleicht hatte der Kanzler Angst, die Österreicher würden bei zu viel Informationen ob der Vorfreude ganz wuschig auf die Straße rennen und wildfremde Menschen abbusseln.

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Jedenfalls laufen die derzeitigen Ausgangsbeschränkungen Ende April aus, danach werde es möglich sein, im engsten Familien- und Freundeskreis zusammenzukommen, sagte Kurz. Wie genau, werde kommende Woche erklärt. Ab 15. Mai dürfen Gastwirte wieder aufsperren. Details dazu: erst nächste Woche.

Schon erklärt hat Kulturamtsministerin Susanne Raab, wie die Öffnung der Gotteshäuser genau ablaufen wird: Nur eine Person pro 20 Quadratmeter Fläche (das erlaubt im riesigen Stephansdom Gottesdienste mit 120 Menschen), Mindestabstand zwei Meter, Maskenpflicht. Bei den Katholiken bleibt das Weihwasserbecken leer. Die Muslime freuen sich zwar, dass die Lockerung noch in den Ramadan fällt, aber wahrscheinlich müssen die Gläubigen eigene Gebetsteppiche mitbringen.

Den Fahrplan für die Schulen präsentierte heute Bildungsminister Heinz Faßmann: Am 4. Mai kehren 100.000 Maturanten (Abiturienten) und Abschluss-Klassler zurück. Zwei Wochen später folgen Grundschüler und Unterstufler, alle anderen dann weitere zwei Wochen später. Die Klassen werden zweigeteilt, eine Gruppe hat von montags bis mittwochs Unterricht, die andere Donnerstags und Freitags, im wöchentlichen Wechsel. Sitzenbleiber wird es nicht geben.

So weit, so Vieles noch offen.

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"Ich tue mich schwer mit diesem Blame Game." Sebastian Kurz am Mittwoch bei "Maischberger"

Der Typ mit dem Plan - das war am Mittwochabend die Rolle von Sebastian Kurz bei "Maischberger. Die Woche". Österreichs Kanzler referierte erst einmal die erfreulich niedrigen Infektionszahlen und betonte dann ein ums andere Mal, wie "behutsam" seine Regierung die Lockerungen anlegen werde. Und dass, falls notwendig, stets der Griff zur "Notbremse" möglich sei.

Weil die Gastgeberin nicht ins Detail gehen wollte, das die Lücken in der österreichischen Planung offenbaren hätte können, durfte sich Kurz im Anschluss über das Lob des unvermeidlichen Robin Alexander (ernsthaft, liebe KollegInnen, ladet doch mal jemand anderen ein!) freuen: Kurz sei "mutiger" als Angela Merkel. Das werden die nächsten Wochen entscheiden, unter Beweis gestellt hat Kurz jedenfalls vor großem Publikum seine Chuzpe.

Angesprochen auf das Versagen in Ischgl, wehrte sich der Kanzler erst dagegen, mit dem Zeigefinger auf Schuldige zu deuten ("Ich tue mich schwer mit diesem Blame Game") - und spreizte dann den Daumen Richtung Bayern. Es gebe Studien, laut denen München der Ursprungsort sei. Eine Provokation, die übrigens noch mutiger gewesen wäre, hätte Markus Söder seine Teilnahme an der Sendung nicht kurzfristig abgesagt.

Mit Bayerns Ministerpräsidenten sollte es sich Kurz eigentlich nicht verscherzen. Das könnte seine Mission gefährden, Österreichs Tourismus durch die große Piefke-Wanderung zu retten. Wien ventiliert ja seit Tagen die Idee, einigen ausgewählten Ländern den Sommerurlaub im Land zu erlauben, allen voran Deutschland. Was logisch ist: Mehr als ein Drittel der Gäste kamen in normalen Zeiten aus dem Nachbarland. Ohne die Deutschen, so drastisch drückte es Tourismusforscher Andreas Reiter in der "Kleinen Zeitung" aus, "ist der Fremdenverkehr tot". Das wäre eine weitere Watschn in der Coronavirus-Krise, rund 15 Prozent des BIP stammen direkt oder indirekt aus dem Tourismus. Die offenen Grenzen zwischen Deutschland und Österreich, die sich Sebastian Kurz bei "Maischberger" zurückwünschte, sie sind eben im beiderseitigen Interesse.


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++ Stand Freitag 8 Uhr verzeichnet Österreich 14.987 bestätigte Coronavirus-Fälle. Bislang sind 522 Menschen an oder mit Covid-19 gestorben. Die Zahl der aktiven Infektionen sinkt seit Wochen, derzeit sind es 2669 Erkrankte. ++ Die wirtschaftlichen Kennzahlen deuten auf eine Rezession hin, das Forschungsinstitut Wifo rechnet mit einem BIP-Jahresminus von 5,25 Prozent, die Arbeitslosigkeit würde demnach auf mindestens 8,7 Prozent steigen. ++ Das Original ist abgesagt, die Wiener Kopie ebenfalls: Die Wiesn im Prater wird 2020 ausfallen, gaben die Veranstalter am Donnerstag bekannt. 2019 hatten rund 400.000 Menschen das Fest besucht. ++ Lange kein "Einzelfall" mehr in der FPÖ, aber siehe da: Ausgerechnet am 20. April postete ein Parteimitglied und Polizist auf Facebook ein Foto von Eiernockerln mit Salat - angeblich das Lieblingsessen Adolf Hitlers. Ein Parteikollege kommentierte: "Nur Blondie fehlt." Beide hätten ihr Parteibuch mittlerweile zurückgegeben, teilte die FPÖ mit. ++ Koa Rekord mehr: David Alaba galt seit dem 14. Oktober 2009 als jüngster Fußball-Nationalspieler Österreichs aller Zeiten, er debütiert im Alter von 17 Jahren und 112 Tagen. Doch der "Standard" grub tief in der Fußball-Historie den Tormann Ernst Walter Joachim aus, der unter dem Namen Walter Jokl am 4. November 1917 gegen Ungarn auflief - mit 16 Jahren und 305 Tagen. ++

Nicht zu nehmen ist David Alaba die berühmte Begegnung mit Tirols Landeshauptmann Günther Platter, der 2012 die Nationalmannschaft im Trainingslager in Seefeld besuchte. Der ÖVP-Politiker begrüßte Alaba nicht etwa mit einem landestypischen "Grias-di", sondern auf Englisch: "How do you do?" Alabas Reaktion: "Danke, gut. Sie können ruhig Deutsch mit mir reden, ich bin Österreicher." Die Wiener Mundart-Popper 5/8erl in Ehr'n haben die Anekdote in dem schönen Lied "Alaba how do you do?" verarbeitet, hören Sie ruhig mal rein.

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Servus und Baba, bis nächsten Freitag

Ihr Christian Bartlau

Quelle: ntv.de