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Pogo bei der Wien-Wahl Spahn lässt Österreich zittern

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Was für ein Comeback am Wörthersee: Vier Tage lang war sie verschwunden, jetzt steht die Büste von Roy Black wieder an ihrem Platz in Velden. Am 14. September war das Denkmal für die Schlagerlegende enthüllt worden, kurze Zeit später rissen zwei Diebe den Kopf heraus - legten ihre Beute aber in einem Garten ab, wo sie gefunden wurde. "Das schlechte Gewissen", vermutet der Veldener Bürgermeister Ferdinand Fouk, der die Büste nun mit Beton verankern will.

Schlagerfans können also wieder beruhigt schlafen, ganz im Gegensatz zu Österreichs Touristikern. Die Branche leidet unter der Corona-Pandemie, ohne Aussicht auf Besserung. Was das Robert-Koch-Institut und Jens Spahn damit zu tun haben, klären wir in der aktuellen Ausgabe von "Jetzt ist schon wieder was passiert". Außerdem: Kaum Spannung, dafür illustre bis skurrile Kandidaten - die Wahlen in Wien stehen vor der Tür.

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Reparaturseidl: Konterbier (ein Seidl ist ein 0,3-Liter-Bier)

Mit den Wiener Wahlen verhält es sich wie mit der Fußball-Bundesliga: Der Gewinner steht schon fest, die guten Geschichten muss man abseits des Rennens um Platz Eins suchen. In allen 15 Gemeinderatswahlen seit 1945 hat die SPÖ im "Roten Wien" die stärkste Partei gestellt, und an dieser Dominanz wird sich auch am 11. Oktober nichts ändern.

Einer Umfrage von "Unique Research" von Anfang September zufolge kann Bürgermeister Michael Ludwig mit rund 40 Prozent der Stimmen rechnen. Die Kanzlerpartei ÖVP wäre mit den prognostizierten 20 Prozent glücklich, es wären mehr als doppelt so viel wie 2015. Die Grünen dürfen um die 15 Prozent erwarten, die NEOs 7 Prozent.

Wer lange Gesichter sehen will, sollte am Wahlabend vor allem nach Rechtsaußen spähen: Dort duelliert sich Ex-Vizekanzler Heinz Christian Strache mit seinem "Team HC" (kurz: THC) mit der FPÖ, die Strache einst zu einer Macht in der Stadt aufgebaut hat. Satte 31 Prozent holte er als FPÖ-Spitzenkandidat 2015, davon werden laut Umfrage nur noch knapp 10 für die FPÖ und vielleicht 5 für das THC übrig bleiben.

Politisch mag Strache irrelevant sein, in seinem Kopf und für den Boulevard bleibt er VIP. Kein anderer Wiener Politiker liefert so regelmäßig Knaller-Schlagzeilen, allein die Diskussion um seinen Wohnsitz füllte wochenlang die Zeitungen. Strache residierte jahrelang in Korneuburg, das Problem: Das liegt in Niederösterreich, somit wäre Strache nicht in Wien wählbar. Flugs schwor er, er habe die Wiener Wohnung seiner Mutter bezogen, weil Philippa und er getrennt lebten, der "Österreich" beichtete er: "Wir kämpfen um unsere Ehe." Die Wahlbehörde war offenbar gerührt und segnete Straches Kandidatur ab.

Für die ÖVP tritt Kurz-Intimus Gernot Blümel an. Bislang fiel er als Bundesfinanzminister vor allem dadurch auf, dass er in einem Budgetentwurf sechs Nullen vergessen hatte, Multitasking scheint für ihn eh nicht das Richtige zu sein - und Lust auf das Amt spürt man in seinen Interview nicht. Anders ist kaum zu erklären, dass er Wien als "Bremsklotz" der Volkswirtschaft attackierte, obwohl das Land beim Pro-Kopf-BIP an zweiter Stelle und weit über dem Bundesschnitt liegt. Auch sonst stört Blümel offenbar so ziemlich alles an Wien, vor allem Menschen, die kein Deutsch sprechen und trotzdem eine Gemeindebauwohnung bekommen - und, kein Witz, dass in den Kindergärten nicht verpflichtend Nikolaus gefeiert wird. Falls es Ihnen nicht aufgefallen ist: Die ÖVP hätte gern die Stimmen von enttäuschten FPÖ-Wählern.

Ein lupenreiner Spaßkandidat ist Marco Pogo, Sänger der Band Turbobier und Chef der BIER-Partei. Er will Wien radlerfrei machen - "das hätte ja alles gutes, wertvolles Bier werden können". Als die Partei die Zulasssung erhielt, feierte Pogo mit einer Stadttour: "Ein Seidl in allen 23 Bezirken. Ein ordentlicher Rausch, oder wie wir in Simmering sagen - ein kleines Frühstück."

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"Wir haben gesehen, mit dem Winterurlaub - Stichwort Ischgl - und in den Sommerferien, dass mit dem Reisen auch Infektionsrisiken entstehen. Ich denke, man kann auch in Deutschland einen schönen Urlaub verbringen." - Jens Spahn (CDU), Bundesgesundheitsminister

Wenn es nur das wäre: "Tourismus ist Teil der österreichischen Identität", sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz am Donnerstag bei der Pressekonferenz zur kommenden Wintersaison. Vor allem aber, und deswegen war Kurz in Begleitung von Tourismusministerin Elisabeth Köstinger, Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer und Tirols Landeshauptmann Günther Platter aufgelaufen, ist er für 15 Prozent des Bruttoinlandsproduktes verantwortlich, er finanziert ganze Gemeinden, bringt Jobs und Aufträge für lokale Handwerker und Kleinbetriebe.

Der Städtetourismus hat schon in den vergangenen Monaten hart gelitten, Wien verzeichnete im Mai und Juni einen Einbruch bei den Nächtigungen um 93 Prozent. An den Seen und auf den Bergen fingen heimische Gäste den Schwund der ausländischen Touristen ab, aber nun folgt die Wintersaison, in der Österreich zuletzt 80 Millionen Nächtigungen verzeichnete. 20 Prozent minus, das ist das Best-Case-Szenario, Wirtschaftsexperten rechnen mit viel mehr - und damit, das rund ein Viertel der Betriebe pleite gehen. Das liegt auch an Deutschland.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn muss nur den Namen "Ischgl" fallen lassen, und schon ist die Botschaft klar: Bleibt lieber zuhause, als Euch in den Gondeln und Almhütten Österreichs anzustecken. Ski-Gaudi und Corona, das gehört seit Ischgl zusammen wie Ballermann und Kater.

Auftritt Sebastian Kurz: "Ski-Vergnügen ja, aber ohne Après-Ski", verkünde er. Gegessen und getrunken wird nur noch im Sitzen, das soll die Geselligkeit unterbinden - vielleicht sollte der Nordrhein-Westfale Spahn seinem Buddy Kurz mal das Phänomen "schunkeln" erklären.

Ski-Kurse werden auf zehn Teilnehmer begrenzt, in den Seilbahnen herrscht Maskenpflicht. Von ganz harten Maßnahmen wie einem Alkoholverbot nimmt die Regierung Abstand - noch. Bei aller Planung: Die Österreicher haben es nicht in der eigenen Hand. Nach Wien hat das Robert-Koch-Institut am Mittwoch auch Vorarlberg zum Risikogebiet erklärt, ein harter Schlag für die Skiregionen wie St. Anton.

Für die Wintersportorte stimmt der blöde Fußballgesang tatsächlich: "Ohne Deutsche, wär hier gar nix los." Okay, es wäre wenig los, aber bleiben die Holländer und Schweizer auch zuhause, brauchen die meisten Hotels gar nicht erst aufsperren. Das Blog "die substanz" rechnete aus, dass in Tirol 94 Prozent der Wintergäste aus dem Ausland kommen, in Vorarlberg 92 und in Salzburg 80 Prozent. "Jede Reisewarnung schmerzt", sagte Tirols Landeshauptmann Platter am Donnerstag. Wenn es nur das wäre - sie kostet auch Geld und Jobs.

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++ Stand Freitag 11 Uhr verzeichnet Österreich 41.691 bestätigte Coronavirus-Fälle. Bislang sind 765 Menschen an oder mit Covid-19 gestorben. Aktuell vermelden die Gesundheitsbehörden 8.413 aktive Infektionen. ++ Schnellere Corona-Tests für Wiener Schulen: In einem Pilotprojekt sollen in der Hauptstadt Schüler mit Symptomen gleich in der Schule gestestet werden - per Gurgeltest. Das Ergebnis soll innerhalb von 24 Stunden vorliegen. ++ Mörtel trägt Trauer: Der Wiener Opernball, geplant für den 11. Februar 2021, wurde wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Maskottchen und Edelgast Richard "Mörtel" Lugner kann den Schritt laut eigener Aussage nachvollziehen und freut sich auf die nächste Ausgabe, aber: "Ich weiß wirklich nicht, ob ich 2022 noch am Leben bin." ++ Ausnahmsweise gute Nachrichten für Heinz-Christian Strache: Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft hat Ermittlungen wegen verdeckter Parteienspenden eingestellt. Allerdings wird der Ex-FPÖ-Chef im Zuge der Ibiza-Affäre noch in weiteren Verfahren als Beschuldigter geführt. ++

Vergangene Woche habe ich Sie zu "Paymannschen Beschimpfungen" aufgefordert, was mir im Nachhinein, nun ja, peynlich ist: Der Mann heißt immer noch Claus Peymann. Ich gelobe Besserung und freue mich, dass Sie Ihre Hinweise ausnahmslos in freundliche Worte gekleidet haben. Danke!

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Servus und Baba,

Ihr Christian Bartlau

Quelle: ntv.de