Pressestimmen

Griechen fordern Reparation "Athen darf nicht als Sieger vom Platz gehen"

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Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras fordert, Deutschland solle ausstehende Reparationszahlungen aus dem Zweiten Weltkrieg begleichen. Andernfalls könnten deutsche Immobilien gepfändet werden. Damit erntet er nicht nur Ablehnung von Seiten der Bundesregierung. Auch die deutsche Tagespresse kritisiert die Forderungen.

Die Kölnische Rundschau stellt dazu trocken fest, dass Griechenland deutlich weiter wäre, wenn seine Regierung "bei der dringend notwendigen Reform ihrer desaströsen Staatsverwaltung so erfinderisch wäre wie bei dem befremdlichen Versuch, ihre EU-Partner abzuzocken". Tsipras ziele nur darauf, einen Sündenbock und "Buhmann" aufzubauen, "um zu kaschieren, dass sich die teuren Wahlversprechen leider "wegen der bösen Deutschen" nicht realisieren lassen. Diese Forderungen seien "dreist" und "schlicht unverschämt". Verbündete schaffe man sich mit solchen Forderungen nicht.

Dass Griechenland sich mit den Reparationsforderungen von seinen europäischen Partnern entfernt, erkennt auch die Rhein-Zeitung aus Koblenz und folgert: "Regierungschef Tsipras trägt mit seiner Forderung dazu bei, dass das Restvertrauen in den Reformwillen seiner Regierung schwindet." Die "absurden Forderungen" würden nur Fronten öffnen, an denen die Griechen nichts zu gewinnen hätten.

Den Griechen stünde das Wasser schon ohnehin "Oberkante Unterlippe", attestiert die Landeszeitung aus Lüneburg. "Es riecht nach einem innenpolitischen Ablenkungsmanöver der Regierung Tsipras. Mit solchen Aktionen schafft man sich in Europa keine Freunde". Griechenland solle sich eher darauf besinnen, der EU den wahren und längst überfälligen Blick auf seine momentane Kassenlage zu gewähren.

Besonders scharfe Worte findet Die Welt: "Athens Regierung verweigert sich lebenswichtigen Reformen. Lieber setzt sie darauf, das Volk mit dem feurigen Fusel einer antideutschen Rhetorik zu berauschen". Die griechischen Regierungsmitglieder seien lärmende "Halbstarke", denen die Euroländer mit entschiedener Härte begegnen müssten. "Athen darf nicht als Sieger vom Platz gehen", fordert die Zeitung.

Die Fragen nach Reparationen seinen "alter Streitpunkt zwischen Athen und Berlin", erinnert hingegen der Münchner Merkur. "Wenn die griechische Regierung das Thema allerdings auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise politisch instrumentalisiert, der Justizminister gar mit Pfändungen deutschen Eigentums droht, dann ist das tollkühne Zündelei". Das Schlimmste an den Forderungen sei jedoch die Pietätlosigkeit gegenüber den Opfern des Zweiten Weltkriegs. "Im Sperrfeuer aus Ausflüchten, Unverschämtheiten und Drohungen, mit dem Athen seit Wochen die Gläubiger Griechenlands überzieht, um dessen vertragliche Verpflichtungen zu umgehen, verkommt das Andenken der Kriegstoten zur würdelosen Manövriermasse im Schuldenstreit."

Zusammengestellt von Katja Belousova.

Quelle: ntv.de

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