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Nach Unfall keine Marktforschung nötig Abschleppen darf teuer sein

"600 Euro Abschleppkosten - das wäre auch günstiger gegangen", sagt die Versicherung und weigert sich, einem Unfallopfer die vollen Kosten zu erstatten. Zu Unrecht, sagt das Amtsgericht Stade. Schließlich müsse die Unfallstelle so schnell wie möglich geräumt werden.

Wer unverschuldet in einen Unfall verwickelt wird, muss sich mit der gegnerischen Versicherung herumschlagen. Die stellt sich mitunter nicht nur bei der Werkstattwahl oder bei der Erstattung eines Ersatzfahrzeugs quer, sondern auch bei den Abschleppkosten. Grundsätzlich muss ein Geschädigter aber nicht die Preise der örtlichen Abschleppunternehmen vergleichen, um der gegnerischen Versicherung Kosten zu sparen. Das hat das Amtsgericht Stade entschieden.

In dem Fall geriet der Kläger schuldlos in einen Verkehrsunfall, bei dem sein Auto erheblichen Schaden nahm. Ohne weitere Preisrecherchen zu betreiben, beauftragte der Mann gleich nach dem Unfall ein Abschleppunternehmen. Das stellte dem Kläger insgesamt knapp 600 Euro in Rechnung. Zu viel, fand die gegnerische Versicherung. Nach ihren Recherchen hatte das günstigste Unternehmen nur 370 Euro für das Abschleppen verlangt, und nur so viel wollte sie dem Geschädigten erstatten. Dieser hätte gegen seine Schadensminderungspflicht verstoßen, als er die deutlich teurere Firma engagierte.

Das Amtsgericht folgte dieser Argumentation nicht. Die Unfallstelle hätte so schnell wie möglich geräumt werden müssen. Daher sei dem Geschädigten nicht zuzumuten gewesen, vor dem Abschleppen noch eine "Marktforschung" zu betreiben. Darum müsse die Versicherung die Kosten in voller Höhe ersetzen. Eine Berufung hat das Amtsgericht nicht zugelassen. Offen bleibt, ob der Preis des  Abschleppunternehmens überhöht war. Will der Versicherer doch noch an die – seiner Meinung nach zu viel gezahlten - 130 Euro kommen, kann er noch mal vor Gericht ziehen, diesmal aber gegen die Abschleppfirma. Mögliche Rückzahlungsansprüche müsste der Autobesitzer an  die Versicherung abtreten.

Quelle: n-tv.de, ino

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