Ratgeber

Bargeld wird zum Luxusgut Abzocke an Geldautomaten

Zehn Euro am Automat abheben und 20 Euro dem Konto belastet bekommen - so sieht im schlimmsten Fall die Bargeldbeschaffung eines unbedarften EC-Karten-Einsatzes aus.

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(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Bargeldversorgung ist hierzulande kein Problem. Karte gezückt und wenige Sekunden später flattern die Scheinchen aus dem Automaten – wenn man von der Kartenpanne zum Jahreswechsel mal absieht. Wer allerdings unbedacht mit seiner EC-Karten an jedem beliebigen Automaten "fremd geht", kann schon mal einen mittelgroßen Schock bekommen, wenn er hinterher die Sünde auf dem Kontoauszug präsentiert bekommt.

Viele Banken verlangen von den eigenen Kunden für die Nutzung außerhalb der eigenen Gruppe eine Gebühr von einem Prozent des abgehobenen Betrags. Dieser kommt allerdings nur selten zum Tragen, denn ebenso gängig ist es, eine Mindestgebühr zu erheben – und diese fällt bei vielen Banken happig aus. Eine Reihe von Banken verlangt von den eigenen Kunden zehn Euro pro Geldbeschaffung an bestimmten fremden Automaten. Dazu gehören die DKB, Raiba-Voba Donauwörth eG, Sparda Südwest, Sparda-Bank West eG, Sparkasse Fürstenfeldbruck, Sparkasse Landshut, Sparkasse Fürth, Volksbank Kaserslautern-Nordwestpfalz, VR-Bank Coburg eG und PSD Bank Hessen-Thüringen eG (Quelle: FMH-Finanzberatung).

Preisverzeichnis gibt Auskunft

Das Preisverzeichnis der jeweiligen Bank gibt Auskunft darüber, was an den Automaten welcher Bank zu zahlen ist. Der FMH-Finanzberatung zufolge wissen dies die Mitarbeiter oftmals selbst nicht so genau. Im Internetauftritt der Banken findet man die fälligen Gebühren in der Regel auch nicht. "Die Intransparenz für die Kunden nimmt zu", resümiert FMH-Chef Max Herbst.

Als wahre Kostentreiber identifiziert Herbst allerdings die Banken, deren Geldautomaten benutzt werden. Das zeigt zumindest das Beispiel der ING-DiBa im Interbanken-Geschäft. 500 von 1500 Banken verlangen mehr als 9,90 Euro, wenn ein Kunde der ING-DiBa mit der EC-Karte an ihren Automaten Geld zieht. Spitzenreiter sind dort die Sparkasse Laubach-Hungen, die Raiffeisenbank Biberach, die Volksbank Kinzigtal und die VR Bank im Enzkreis. Hier muss die ING-DiBa für jede Kundenverfügung satte 20 Euro zahlen.

Horror-Gebühr trotz geringer Kosten

Die Bereitstellung von Bargeld kostet laut Herbst etwa 0,60 Euro pro Vorgang: "Die Banken bereichern sich in erheblichen Ausmaß an den Kunden anderer Häuser." Für den Kunden gibt es unterm Strich nur zwei Möglichkeiten, um sich diesen Horror-Gebühren zu entziehen:
1. Sie bleiben bei Bargeldverfügungen im eigenen Verbundsystem, was in der Regel kostenlos ist. Vier große Verbünde existieren. Der Sparkassenverbund, das BankCard ServiceNetz (die meisten Volks- und Raiffeisenbanken, PSD Banken, BBBank und Sparda-Banken), die Cash Group (Deutsche Bank, Commerzbank, HypoVereinsbank, Postbank, Dresdner Bank und die Töchter dieser Banken) und der Cashpool (SEB, Santander, BBBank, Citibank, Wüstenrot, Nationalbank, Südwestbank, Sparda-Banken und netbank).
2. Sie nutzen zur Bargeldbeschaffung Kreditkarten, die die Bargeldbeschaffung kostenlos anbieten (zum Beispiel DKB, ING-Diba, Comdirect).

Dem Geldautomaten-Wucher hat Visa übrigens einen Riegel vorgeschoben. Visa zahlt bei Verfügung am Geldautomaten den Banken hierfür maximal 1,74 Euro.

Quelle: n-tv.de