Ratgeber

Ärger mit Einkommensgrenze Auch Erben kriegen Kindergeld

Hat ein volljähriges Kind in der Ausbildung noch Anspruch auf Kindergeld, wenn es von einem Elternteil ein sechsstelliges Vermögen erbt? Ja, sagt der Bundesfinanzhof und erspart Erben und Familienkasse einen Haufen Bürokratie.

Ein Erbe bekommt unter Umständen viel Geld. Mit der Annahme des Nachlasses sind aber auch Pflichten verbunden. (Bild: Warnecke/dpa/tmn)

Das Urteil bezieht sich nur auf Erbschaften, die Eltern ihren Kindern hinterlassen.

Volljährige Kinder können bis zum 25. Geburtstag weiter Kindergeld bekommen, solange sie in der Berufsausbildung sind. Bislang allerdings unter der Voraussetzung, dass Einkünfte und Bezüge das Kindes die Grenze von 8004 Euro nicht überschreiten. Schenkungen der Eltern werden nicht in diese Bezüge eingerechnet. Doch wie sieht es aus, wenn das Kind durch eine Erbschaft über den Grenzbetrag kommt?

Diese Frage beschäftigt Finanzgerichte seit Jahren, jetzt hat der Bundesfinanzhof endgültig entschieden: Erbschaften nach dem Tod eines Elternteils haben keinen Einfluss auf das Kindergeld (Az.  III R 22/10).

Geklagt hatte ein Vater, der für seine Söhne Kindergeld beantragt hatte, weil sie sich in Ausbildung befanden. Seine geschiedene Frau hatte den beiden bei ihrem Tod ein größeres Vermögen hinterlassen, unter anderem Eigentumswohnungen, Bausparguthaben und Wertpapiere. Die Familienkasse war der Ansicht, mit dem sechsstelligen Vermögen sei die Bezugsgrenze überschritten, und verweigerte das Kindergeld.

Erbschaft wie Schenkung

Zu Unrecht, wie nun der Bundesfinanzhof feststellte. Weder der Unterhalt von Eltern an ihre Kinder noch freiwillige Vermögensübertragungen zu Lebzeiten zählten zu den kindergeldschädlichen Bezügen, das gleiche gelte für Erbschaften, begründen die Richter ihr Urteil. Anzusetzen seien allein "Zuflüsse von außen, sofern sie zur Bestreitung des Unterhalts oder der Berufsausbildung geeignet oder bestimmt sind."

Hätte das Gericht anders geurteilt, wäre das wohl mit zusätzlichem bürokratischen Aufwand verbunden gewesen: Schließlich müssten hinterbliebene Kinder sonst stets auch nachweisen, dass der Nachlass keine oder nur geringe liquide Mittel enthält, die sie für Lebensunterhalt und Ausbildung einsetzen könnten. Die Familienkassen müssten jeweils im Einzelfall entscheiden. Ab kommendem Jahr sind derlei Schwierigkeiten aber ohnehin nicht mehr zu erwarten. Nach der Verabschiedung des Steuervereinfachungsgesetzes fällt nämlich auch die Einkommensgrenze beim Kindergeld volljähriger Sprösslinge.

Quelle: ntv.de, ino

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.