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Flexstrom gilt als aggressiver Geschäftspartner, der nichts zu verschenken hat.
Flexstrom gilt als aggressiver Geschäftspartner, der nichts zu verschenken hat.(Foto: dpa)
Freitag, 12. April 2013

Für Kunden sieht es düster aus: Aus für Flexstrom

Von Isabell Noé

Für Verbraucherschützer ist Flexstrom ein rotes Tuch und auch mit einzelnen Netzbetreibern hat es sich der Energieversorger verscherzt. Jetzt meldet Flexstrom Insolvenz an. Schuld daran seien vor allem die Medien mit ihrer negativen Berichterstattung. Rund eine halbe Million Kunden müssen um ihr Geld bangen.

Ganz überraschend kam sie nicht, die Nachricht von der Insolvenz des

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Energieversorgers Flexstrom. In der Vergangenheit führte das Unternehmen einen Kampf an mehreren Fronten: Netzbetreiber klagten über unregelmäßig gezahlte Netzentgelte, Verbraucherschützer über fragwürdige Vertragsklauseln, Kunden über ausbleibende Bonuszahlungen. Und daneben führte die Berliner Firma auch noch eine Fehde mit dem "Handelsblatt", das Flexstrom mit besonders kritischen Berichten bedachte.

So macht das Unternehmen nun auch die "schädigende Berichterstattung einzelner Medien" für eine "dramatisch verschlechterte Zahlungsmoral" verantwortlich. Kunden seien verunsichert, nur noch ein Teil von ihnen zahle seine Rechnungen pünktlich. Auf der anderen Seite hätten Lieferanten plötzlich "rechtswidrige Forderungen" gestellt – ein Seitenhieb auf die Netzanbieter, die in den vergangenen Monaten zum Teil auf Vorkasse umgestellt hatten oder gar damit drohten, den Netzzugang zu kappen. Als Konsequenz aus den Negativschlagzeilen zog Flexstrom im letzten November kurz vor dem geplanten Start einer Mittelstandsanleihe die Reißleine: Die Presseberichterstattung lasse eine "faire Bewertung der Emission"  unmöglich erscheinen.

Kampf um jeden Euro

Immer wieder hatte der Billiganbieter in den letzten Monaten betont, dass er keineswegs hart am Konkurs entlangschlittere und stattdessen profitabel wirtschaftete. Die nunmehrige Insolvenz zeigt jedoch, dass das Discounter-Tarifmodell wohl doch nicht so tragfähig war: Um billige Tarife anbieten zu können, musste sich Flexstrom unbeliebt machen: Bei den Netzbetreibern, mit denen Flexstrom offenbar regelmäßig um Rechnungen feilschte. Und bei den Kunden. Viele fühlten sich betrogen, etwa weil ihnen unter Berufung auf fragwürdige Vertragsklauseln die Auszahlung von Boni verweigert wurde oder weil sie nicht ordnungsgemäß über Preiserhöhungen informiert wurden. Wohl kein Energieversorger wurde öfter von Verbraucherschützern vor den Kadi gebracht. Und auch bei der  Schlichtungsstelle Energie hat man es seit der Einführung im Oktober 2011 überproportional häufig mit Flexstrom zu tun: Rund ein Viertel der 14.000 im ersten Jahr eingegangenen Beschwerden kam von Kunden des Stromdiscounters. In seriösen Vergleichsrechnern findet man Flexstrom-Tarife schon lange nicht mehr – zumindest nicht, wenn man die empfohlenen Voreinstellungen zum Verbraucherschutz trifft.

Wahre Verhältnisse liegen im Dunkeln

Trotz allem haben mehr als 500.000 Kunden einen Strom-Vertrag mit Flexstrom oder deren Ökostrom-Töchtern Löwenzahn Energie und OptimalGrün. Und diesem Vertrag kommt man jetzt nicht so einfach raus, warnt Bernd Ruschinzik von der Verbraucherzentrale Berlin gegenüber n-tv.de. Im Moment lägen die wahren Verhältnisse noch im Dunkeln und zunächst müsse geprüft werden, wer den Strom eigentlich liefert. Es sei nicht völlig ausgeschlossen, dass man schon vor der Insolvenzanmeldung in die Grundversorgung gerutscht sei. Um das herauszufinden, solle man sich am besten direkt beim örtlichen Grundversorger erkundigen.

Flexstrom hat sich bislang noch nicht dazu geäußert, ob Kunden weiter bedient werden sollen. Falls ja, dann laufen die Verträge wie geplant weiter. Eine Kündigung ist dann nur zum regulären Ende der Laufzeit möglich und sofern man keine Vorkasse geleistet hat, muss man die Abschläge weiter entrichten. Die Verbraucherzentrale Sachsen rät dazu, Einzugsermächtigungen zu widerrufen und nur noch die Kosten für die tatsächlich verbrauchte Energiemenge zu überweisen. Wenn man für mehrere Monate im Voraus überweist, sollte man auf monatliche Zahlweise umstellen.

Was Kunden jetzt tun können

Anders sieht es aus, wenn Flexstrom die Lieferung stoppt und Kunden in die Ersatz- bzw. Grundversorgung rutschen. Dann kann man fristlos kündigen und die Zahlungen an Flexstrom einstellen. Wer Vorauskasse geleistet hat, sollte sich allerdings keine großen Illusionen machen: "Bei vielen Verbrauchern wird das Geld wohl verloren sein", sagt Friederike Wagner von der sächsischen Verbraucherzentrale. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt: Solange das eigentliche Insolvenzverfahren nicht eröffnet ist, gehören die geleisteten Vorauszahlungen nicht zur Insolvenzmasse und können zurückgefordert werden. Ob Flexstrom und der Insolvenzverwalter auf solche Forderungen eingehen, darf bezweifelt werden. Gute Karten hat man, wenn die letzte Vorauszahlung noch nicht länger als zwei Monate zurückliegt: Lastschriften können innerhalb dieses Zeitraums widerrufen werden. Für Überweisungen gilt das allerdings nicht.

Egal ob man den Vertrag sofort kündigt oder zum Ende der Laufzeit, in jedem Fall muss ein neuer Stromanbieter her. Die Grundversorgung ist keine Alternative, weil zu teuer. Einen guten Anbieter zu finden, ist nicht schwer, in jedem vernünftigen Tarifrechner lassen sich die nötigen Voreinstellungen treffen: Monatliche Abschlagszahlungen ankreuzen, Tarife mit Kaution außen vor lassen und Pakete mit Mehr- oder Minderverbrauchsaufschlägen meiden. Sinnvoll ist es, möglichst kurze Vertragslaufzeiten zu wählen. Ist ein Tarif nur deshalb günstig, weil ein Bonus versprochen wird, sollte man sich die genauen Auszahlungskonditionen ansehen. Achtet man dann noch auf Tarife mit hoher Kundenzufriedenheit, kann nicht mehr viel falsch machen. 

Neuer Stromanbieter gesucht? Zum Vergleich

Quelle: n-tv.de

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