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Möglicher Politikwechsel Beeinflusst Bundestagswahl die Bauzinsen?

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Sollten die Wähler am 26. September für einen Politikwechsel stimmen, könnten das bei dem einen oder anderen Investor durchaus Zweifel daran säen, wie sicher die angelegten Milliarden beim deutschen Staat noch sind.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wähler und Investoren verfolgen nicht immer dieselben Ziele. Erstere wünschen sich oft neue Impulse, letztere schätzen Sicherheit. Entsprechend könnte der Ausgang der Bundestagswahl erhebliche Auswirkungen auf die Zinsen haben. Doch es gibt noch andere Faktoren, die eine Rolle spielen.

Wenn die Deutschen in wenigen Wochen einen neuen Bundestag wählen, geht es nicht nur um Mehrheitsverhältnisse, Klima – und Corona-Politik. Es geht auch um viel Geld. Zum Beispiel für all jene, die planen oder gerade dabei sind, eine Immobilie zu erwerben.

In erster Linie sind das natürlich die Banken, die anhand der Bonität eines Käufers prüfen, ob und zu welchen Konditionen sie ihm Geld leihen möchten (die derzeit günstigsten Anbieter finden Sie hier).

Den Rahmen, in dem sich die Banker bei ihrer Entscheidung bewegen, stecken allerdings andere ab. Besonders wichtig sind die Renditen der Pfandbriefe und die Spareinlagen der Kunden. Sie bilden den Grundstock für die Refinanzierung von Hypothekendarlehen und haben daher erheblichen Einfluss auf die Zinsen.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Die Pfandbriefrenditen sind wiederum indirekt abhängig von jenen der deutschen Bundesanleihe. Anders ausgedrückt: Der Verlauf der Rendite, zu dem sich der Staat mit frischem Geld eindecken kann, ist ziemlich identisch mit dem der Bauzinsen, die Privatleute für eine Baufinanzierung bezahlen müssen.

Sie könnten derzeit kaum besser sein. Aktuell bezahlen die Investoren die Bundesrepublik sogar dafür, dass sie ihr Geld leihen dürfen: Die Rendite der deutschen Bundesanleihe schwankt zwischen minus 0,4 und minus 0,3 Prozent.

(Wann) kommt die Zinswende?

Unklar ist, wie lange diese Spitzenkonditionen noch zu halten sind. Schuld ist die Furcht vor einem weiteren Anstieg der Inflation. Die Tatsache, dass die Teuerungsrate im August stolze 3,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat betrug, hat die Bundesanleihe zwar nur um 0,08 Prozentpunkte verteuert. Diese Gelassenheit könnte aber bald Geschichte sein.

Das belegt ein Blick in die USA. Hier ist die Inflationsrate schon um mehr als fünf Prozent gestiegen. Die Forderungen an die amerikanische Zentralbank FED, sie möge die Zinsen erhöhen, um weitere Preisschübe zu verhindern, werden immer lauter.

Auch im Euroraum scheinen fünf Prozent auf absehbare Zeit denkbar. Daher kommt man bei der Europäischen Zentralbank EZB ebenfalls nicht umhin, sich dieselben Gedanken zu machen wie die amerikanischen Kollegen. Zwar ist das Ergebnis dieser Überlegungen noch offen. Doch schon heute spricht einiges dafür, dass sich die Rendite der deutschen Bundesanleihe auf absehbare Zeit wieder der Nulllinie nähern und damit die Bauzinsen verteuern könnte.

Denn zu welchem Kurs sich ein Staat mit frischem Geld eindecken kann, hängt nicht nur vom allgemeinen Zinsumfeld, sondern ganz maßgeblich auch vom Vertrauen der Anleger ab. In den vergangenen Jahren - und damit während der Ära von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) - war dieses Vertrauen bemerkenswert groß. Man unterstellte der deutschen Regierung offenbar eine solide und langfristige Wirtschaftspolitik. Auch ihre Berechenbarkeit hat klar dazu beigetragen, dass Investoren ihr Geld in Deutschland in Sicherheit wähnten - und deshalb auf Renditen verzichteten oder sogar Verluste in Kauf nahmen.

Veränderungen schüren Misstrauen – zumindest bei Investoren

Sollten die Wähler am 26. September für einen Politikwechsel stimmen, könnte dies bei dem einen oder anderen Investor durchaus Zweifel daran säen, wie sicher die angelegten Milliarden beim deutschen Staat noch sind. Bei weniger Sicherheit will der Investor höhere Renditen - damit verursacht er im Ergebnis höhere Kosten für all jene, die einen Kredit benötigen.

Schon heute beeinflussen die Prognosen zum Wahlausgang die Rendite der Bundesanleihe - und damit auch die Hypothekenzinsen.

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Quelle: FMH

Nach wie vor gute Zeiten für Immobilienkäufer

Für Immobilienkäufer und solche, die es werden wollen, bedeutet das: All jene, die ihr Traumobjekt bereits gefunden haben, können sich freuen, dass sie noch immer sensationell niedrige Zinsen erhalten.

Wer hingegen noch auf der Suche ist, sollte sich nach der Wahl schon wegen der steigenden Inflation auf etwa 0,25 Prozentpunkte höhere Zinsen einstellen. Je nach Ergebnis könnten die Zinsen sogar um bis zu 0,4 Prozent steigen. Bei einem Darlehensbetrag von 400.000 Euro macht dies im Monat 83 Euro Mehrbelastung aus und bei 0,4 Prozent wären es schon 133 Euro.

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Alle Immobilienbesitzer, bei denen in den nächsten zwölf bis 60 Monaten eine Anschlussfinanzierung ansteht, sollten sich in jedem Fall mit dem Abschluss eines Forward-Darlehens beschäftigen, um sich die aktuellen Spitzenwerte auch für die Zukunft zu sichern.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Quelle: ntv.de

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