Ratgeber

Altersvorsorge in der Bredouille Bei 13 Lebensversicherern ist es eng

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31 Versicherer schafften es höchstens in einem der Jahre 2016, 2017 und 2018, mit ihren Kapitalerträgen die garantierte Verzinsung zu erwirtschaften.

(Foto: imago/Schöning)

Dass es Lebensversicherer schwer haben, einst gegebene Zinsversprechen zu halten, ist bekannt. Finanztest deckt auf, dass 13 von 31 Versicherern in den letzten Jahren ihre Garantieverpflichtungen nicht mit Kapitalerträgen finanzieren konnten. Das hat Auswirkungen auf die Überschussbeteiligungen der Kunden.

Wer künftig eine Lebens- oder Rentenversicherung abschließen möchte, muss sich wohl auf einen geringeren Garantiezins einstellen. Denn mit ziemlicher Sicherheit wird der für Neuverträge ab dem 1. Januar 2021 auf 0,5 Prozent von derzeit 0,9 Prozent sinken. Einst waren es bis zu 4 Prozent.

Das wird für die Branche zum Problem. Denn Kunden solcher Verträge haben einen Anspruch auf die ihnen zugesicherte Garantieverzinsung. Doch den Versicherern fällt es in der lang anhaltenden Niedrigzinsphase immer schwerer, die versprochene Verzinsung am Kapitalmarkt zu erzielen.

Verfehlte Anlagepolitik

Daran ändert auch die veränderte Anlagepolitik der Lebens- und Rentenversicherer nichts. Die reagierten reichlich spät auf das Zinsumfeld und investieren nun auch verstärkt in Aktien, Immobilien und erneuerbare Energien. Die Versicherer rühmen sich zwar ihres vom Kunden teuer bezahlten Kapitalanlagemanagements. Aber es war auch schon in der Vergangenheit möglich, 35 Prozent in Aktien, Immobilien und Co anzulegen. Doch solange weiterhin hohe Kosten für die Verträge anfallen und die Garantien niedrig sind, macht eine risikobereite Anlagepolitik das Produkt nach wie vor nicht attraktiv, wie Verbraucherschützer bemängeln.

Doch abgesehen davon sieht es bei einigen Versicherern mau aus, wenn es darum geht, den Garantiezins aus Kapitalerträgen zu finanzieren. Finanztest hat sich die Geschäfts­zahlen der Versicherungsunternehmen ­angeschaut und festgestellt, dass 31 Versicherer höchs­tens in einem der Jahre 2016, 2017 und 2018 mit ihren Kapital­erträgen die garan­tierte Verzinsung erwirt­schaften konnten.

Fehlbeträge bis zu 226 Millionen Euro

13 von ihnen schafften dies in keinem der genannten Jahre. Allein für das Jahr 2018 lag laut der Untersuchung der Fehlbetrag je nach Versicherungsunternehmen zwischen 300.000 (Ergo Vorsorge) und 226 Millionen Euro (Debeka). Die Kennzahlen für das Jahr 2019 haben die Versicherer noch nicht vorgelegt.

Um die Garan­tien zu erfüllen, musste Geld aus Reserven oder aus Risiko­-­ und anderen­ Überschüssen zugeschossen werden. Zudem mussten die Unternehmen sogenannte Zinszusatzreserven aufbauen, was sie Milliarden kostete. Auch dies schmälert für Kunden die in Aussicht gestellten Überschussbeteiligungen. Dabei ist ungewiss, ob Kunden später etwas aus diesen Reserven bekommen oder sich nur noch mit der Garantieverzinsung begnügen müssen.

Nach Angaben von Finanztest war es unter anderem für nachfolgend genannte Versicherer nicht möglich, in den Jahren 2016, 2017 und 2018 mit ihren Kapitalerträgen ­die garantierte­ Verzinsung z­u erwirtschaften:

  • Barmenia
  • Debeka
  • Ergo Vorsorge
  • HDI
  • Itzehoer
  • LLH
  • LVM
  • Mecklenburgische
  • Provinzial Nord West

Quelle: ntv.de, awi