Ratgeber
Wegen der Zinsflaute am Kapitalmarkt fällt es den Unternehmen zunehmend schwer, die hohen Zusagen der Vergangenheit zu erwirtschaften.
Wegen der Zinsflaute am Kapitalmarkt fällt es den Unternehmen zunehmend schwer, die hohen Zusagen der Vergangenheit zu erwirtschaften.(Foto: imago/Martin Bäuml Fotodesign)
Montag, 29. Januar 2018

Laufende Verzinsung 2018: Ein Abgesang auf die Lebensversicherung

Von Axel Witte

Die Zeiten, in denen Verbraucher beim Thema Altersvorsorge reflexartig zur Lebensversicherung gegriffen haben, neigen sich dem Ende zu. Denn auch in diesem Jahr gibt es für Kunden mit den Produkten wenig zu holen. Dafür häufen sich die schlechten Nachrichten.

Schon lange vor Beginn der Niedrigzinsphase konnten Verbraucherschützer wenig Gefallen an der klassischen Kapitallebensversicherung finden. Denn schon immer schmälern hohe Verwaltungs- und Vertriebskosten sowie Provisionen die Rendite der Policen. Zudem fließt nicht der volle Anteil der Beiträge in die Altersvorsorge, sondern ein Teil auch in den Hinterbliebenenschutz. Für jene, die ihre Lieben im Todesfall absichern möchten, sind denn auch Risikolebensversicherungen die günstigere Wahl.

Die Entwicklungen an der Zinsfront der letzten Jahre haben die Vorbehalte von kritischen Stimmen zum Verkaufsschlager vergangener Tage nur noch lauter werden lassen. Und die aktuellen Zahlen zur laufenden Verzinsung (Garantiezins und Überschussbeteiligung) für das Jahr 2018 geben ihnen recht. Denn diese liegt bei den größten Anbietern im Schnitt nur noch bei 2,4 Prozent. Im Vorjahr waren es um die 2,6 Prozent. Im Jahr 2014 konnten hingegen noch 3,4 Prozent ausgerufen werden. Schuld ist natürlich die anhaltende Niedrigzinsphase. Behaupten zumindest die Versicherer. Was sicher nicht ganz falsch ist, aber eben nicht die ganze Wahrheit.

Schlechte Anlagepolitik

Denn die bequeme Anlagepolitik der Branche spielt eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Die Versicherer haben über Jahrzehnte die Kundengelder vor allem in festverzinsliche Papiere gesteckt - ohne Not. Denn es wäre auch möglich gewesen, bis zu 35 Prozent der Investitionen in sogenanntes Risikokapital anzulegen. Hierzu zählen unter anderem Aktien und Immobilien. Zwei Anlageklassen, die in den vergangenen Jahren bekanntlich nicht die schlechteste Entwicklung genommen haben. Leider wurde aber eine geeignete Diversifikation bei der Anlage der Kundengelder versäumt. Ausbaden müssen dies die Kunden. Und es wird wohl nicht besser.

Beschneidung der Bewertungsreserven

Hinzu kommt, dass mit Inkrafttreten des Reformpakets zur Stabilisierung der Lebensversicherer nicht nur die Garantieverzinsung Stück für Stück gesenkt wird (derzeit 0,90 Prozent), sondern auch die Beteiligung an den Bewertungsreserven geändert wurde. Um die Lebensversicherer in der derzeitigen Niedrigzinsphase zu entlasten, müssen die Reserven aus festverzinslichen Anlagen seit Inkrafttreten der Reform nicht berücksichtigt werden. Zum Leidwesen der Sparer kann dies einige Tausend Euro pro Vertrag ausmachen.

Niedriger Realzins

Die Versicher verweisen an dieser Stelle reflexartig auf die vergleichsweise hohen Renditen, die sie in den vergangenen Jahrzehnten für ihre Kunden erwirtschaften konnten. Aber das ist relativ. Erzielten doch schon Anlagen im sicheren festverzinslichen Bereich in den letzten 40 Jahren eine jährliche Wertentwicklung von rund 5,5 Prozent. Die Konzerne konnten durch Anlage in solche Papiere ohne viel Zutun ihren Verpflichtungen nachkommen und nebenbei an den Verträgen prächtig verdienen. Abgesehen davon darf hier auch nicht vergessen werden, dass sich der Realzins (der nominale Zinssatz im Verhältnis zur Inflation) weitaus weniger beeindruckend darstellt, als die 5 bis 6 Prozent Rendite erwarten lassen. Für eine langfristige Geldanlage, die zumeist auch als Altersvorsorge dienen soll, ist dies viel zu wenig. 

Die Branche begegnet solchen Vorbehalten mit neuen Produkten. Bei diesen wird noch nicht einmal mehr der mickrige Garantiezins offeriert, sondern nur noch den Erhalt des eingezahlten Kapitals. Dafür hat der Kunde dann aber die Chance, dass mögliche erzielte Überschüsse in renditestärkere Produkte, sprich Aktien, investiert werden ­oder aber es werden höhere Überschüsse in Aussicht gestellt. Beide Varianten halten Verbraucherschützer für keine gute Idee. Zu teuer, zu intransparent, zu geringe Erfolgsaussichten, so der Tenor.

Belastungen durch Altverträge

Da trifft es sich gut, dass Garantieversprechen aus Alt-Verträgen ihre Gültigkeit behalten. Auch dann, wenn diese über der durchschnittlich laufenden Verzinsung der eigenen Versicherungsgesellschaft liegt. Sparer scheinen also gut beraten, an diesen deutlich steuerbegünstigten Verträgen mit Garantiezinsen von bis zu vier Prozent festzuhalten und sich diese nicht von den Unternehmen abjagen zu lassen. Denn die hohen Zinsversprechen vergangener Jahre belasten die Versicherer. Da eine Kündigung derzeit nicht möglich ist, soll der eine oder andere Kunde selbst zur Kündigung verführt werden. Eine zweifelhafte Praxis.

Doch die Branche ist in Sorge, versuchen doch einzelne Versicherer ihre hochverzinste Altpolicen zu verkaufen. Hierbei werden alte Bestände samt Eigenmitteln und Kapitalanlagen an ein Abwicklungsunternehmen übertragen, welche alle Rechte und Verpflichtungen übernimmt. Verbraucherschützer sehen derlei Bemühungen kritisch, da die Folgen für Kunden noch vollends absehbar sind. Das aber auch dieser Weg für die Unternehmen schwierig ist, zeigt die Ergo Versicherung, die bisher auf ihren Altstlasten sitzen geblieben ist.

Was nicht gerade zur Beruhigung der Lage beiträgt. Und schon warnen Insider vor dem Kollaps der Anbieter. Zwar gibt es die von der Branche finanzierten Auffanggesellschaft "Protektor", doch deren Rücklagen sind begrenzt und dürften wohl bestenfalls ausreichen, um kleine oder mittlere Versicherer zu retten.

Wahrscheinlicher wäre im Falle eines sich andeutenden Crashs wohl eher, dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (Bafin) die Versicherungssummen und Verzinsung herabsetzten. Sprich, auch der Garantiezins ist nicht in Stein gemeißelt. Was an dieser Stelle aber keinesfalls prognostiziert werden soll. Und ungeachtet dessen ist ein isolierter Zusammenbruch der Versicherungsgesellschaften kaum denkbar - denn das Finanzsystem ist untereinander viel zu vernetzt. Also auch Banken würden darüber wohl mehr als nur ins Straucheln kommen. Und mit den entsprechenden Einlagensicherungen dürfte es im Krisenfall ähnlich mau aussehen wie bei "Protektor".

Experten raten denn auch von Panikverkäufen ab. Grundsätzlich sollte aber jeder, der Zweifel an der Überlebensfähigkeit von Lebensversicherungen hat, sich unabhängig beraten lassen und dann entscheiden, was er mit seinem Vertrag macht, rät beispielsweise der Bund der Versicherten (BdV).    

Laufende Verzinsung für das Jahr 2018

GesellschaftLaufende Verzinsung 2018 in ProzentVerzinsung 2017 in ProzentVeränderung in Prozent-Punkten
Allianz2,802,80  0,00
AachenMünchener2,302,60- 0,30 
Alte Leipziger2,502,65- 0,15
Axa2,902,90  0,00
Debeka2,502,75- 0,25
Ergo2,05 2,25- 0,20
HUK-Coburg2,402,70- 0,30
Nürnberger2,502,75- 0,25
Württembergische2,402,40  0,00
R+V2,602,70 -0,10
Zurich Deutscher Herold2,102,10  0,00

 

Quelle: n-tv.de