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Weniger Garantiezins und mehr Das ändert sich bei Lebensversicherungen

Das Lebensversicherungsreformgesetz ist bereits in Kraft. Mit dem Gesetz soll die Leistungsfähigkeit der Versicherer gesichert und damit die Kunden geschützt werden. Verbraucherschützer sehen das etwas anders. Zum neuen Jahr gibt es weitere Änderungen.

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Verbraucherschützer halten die klassischen Form der kapitalbildenden Lebensversicherung als reine Sparanlage seit jeher für ungeeignet.

(Foto: imago stock&people)

In Zeiten extrem niedriger Zinsen soll das Lieblingsvorsorgeprodukt der Deutschen geschützt werden. Dafür ist seit Mitte dieses Jahres das Lebensversicherungsreformgesetz in Kraft. Zum Leidwesen von vielen Kunden. Denn die Versicherer leiden unter den ehemals getroffenen hohen Zinsversprechen vergangener Jahre und ihrer zurückhaltenden Anlagepolitik.

Denn tatsächlich haben die Versicherungen bei der Anlage von Kundengeldern mehr Spielraum, als sich bei ihrem Wehklagen über das niedrige Zinsumfeld erwarten lässt. So hätten sie laut der gesetzlichen Statuten die Möglichkeit, 35 Prozent ihrer Investitionen in sogenanntes Risikokapital anzulegen. Hierzu gehören neben Aktien auch Anlage am Immobilienmarkt. Bekanntermaßen konnten Anleger besonders mit diesen beiden Anlageformen in den letzten Jahren punkten. Im Schnitt sind allerdings 90 Prozent des Kapitals in festverzinsliche Papiere investiert.

Damit die Leistungsfähigkeit der Lebensversicherungen in Deutschland gesichert bleibt und diese auch ohne allzu große Wagnisse am Kapitalmarkt auskommen, gibt es zum 1. Januar 2015 weitere Änderungen.

Niedrigerer Garantiezins

Der Garantiezins sinkt von bislang 1,75 auf 1,25 Prozent. Er gilt für klassische Lebensversicherungsprodukte wie Kapitallebens- oder Rentenversicherungen. Es handelt sich um den Zinssatz, den Versicherungsunternehmen ihren Kunden maximal auf den Sparanteil im Beitrag zusagen dürfen. Für Bestandskunden gelten weiterhin die garantierten Leistungen ihres bestehenden Vertrages.

Höhere Beteiligung an Risikoüberschüssen

Auch die vorgeschriebene höhere Mindestbeteiligung der Versicherten an den sogenannten Risikoüberschüssen wirkt sich ab dem neuen Jahr aus. Sie steigt von bisher 75 auf 90 Prozent. Dies gilt sowohl für Bestands- als auch für Neukunden. Die Risikoüberschüsse zählen neben den Kostenüberschüssen und den Kapitalerträgen zu den drei Quellen der Überschussbeteiligung. Sie entstehen, wenn weniger Risiken eingetreten sind als ursprünglich kalkuliert wurden.

Einführung einer Rendite-Kennziffer

Lebensversicherungsverträge müssen ab 2015 eine Kennzahl zur effektiven Kostenbelastung enthalten.

Absenkung des Höchstzillmersatzes

Ebenfalls zum neuen Jahr sinkt der Höchstzillmersatz bei Lebensversicherungen von 40 auf 25 Promille. Das bedeutet, dass die Unternehmen in den ersten fünf Jahren der Vertragslaufzeit die Abschlusskosten nur in Höhe von bis zu 25 Promille der Beitragssumme eines Lebensversicherungsvertrages bilanziell anrechnen können. Dadurch entstehen bei Verträgen, die vorzeitig wieder gekündigt werden, höhere Rückkaufswerte.

Bewertungsreserven

Bereits in Kraft ist die Beteiligung ausscheidender Kunden an den Bewertungsreserven auf festverzinsliche Wertpapiere. Die Unternehmen dürfen diese dann nur noch zur Hälfte an ausscheidende Kunden auszahlen, wenn die zugesagten Leistungen aller Versicherten gesichert sind.

Bei den Bewertungsreserven handelt es sich um reine Buchwerte, die entstehen, wenn zum Beispiel aus heutiger Sicht hochverzinste und deshalb begehrte Anleihen starke Kursgewinne ausweisen. Die Versicherer halten diese Papiere jedoch üblicherweise bis zum Laufzeitende, wo sich diese Gewinne wieder verflüchtigen. Um ihren Verpflichtungen nachzukommen, sind bisher einige Gesellschaften gezwungen, die Anleihen zu verkaufen, worunter auch die Verzinsung der in Zukunft fälligen Verträge leidet. Um die Lebensversicherer in der derzeitigen Niedrigzinsphase zu entlasten, müssen die Reserven aus festverzinslichen Anlagen seit Inkrafttreten der Reform nicht berücksichtigt werden.

Kunden, deren Policen nun ausgezahlt werden, bekommen von den Reserven nichts mehr ab. Das kann leicht einige Tausend Euro pro Vertrag ausmachen, denn die Konzerne haben in den letzten Jahren ihre Kundengelder ohne Not vor allem in festverzinsliche Papiere angelegt.

Verbraucherschützer halten die klassischen Form der kapitalbildenden Lebensversicherung als reine Sparanlage seit jeher für ungeeignet. Sparer sollten beachten, dass hier nicht der volle Anteil ihrer Beiträge in die Altersvorsorge fließt, sondern eben auch in den Hinterbliebenenschutz. Hinzu kommen Verwaltungs- und Vertriebskosten sowie Provisionen. Mit den derzeitigen Perspektiven, der Anlagepolitik der Versicherer und dem Inkrafttreten des Lebensversicherungsreformgesetzes dürfte sich daran auch in naher Zukunft nichts ändern. An alten, steuerbegünstigten Verträgen mit hohen Garantiezinsen von bis zu vier Prozent sollten Sparer nichtsdestotrotz festhalten.

Quelle: n-tv.de, awi

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