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Liebe überwindet Grenzen Das gilt für internationale Ehen

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Bei etwa jeder neunten Eheschließung im Jahr 2018 in Deutschland hatte ein Partner nicht die deutsche Staatsangehörigkeit.

(Foto: imago/Photocase)

Ob ein Ehepaar den gleichen Nachnamen trägt, hat auch mit dem Heimatstaat zu tun. Wenn Partner aus unterschiedlichen Ländern heiraten, sind einige Fragen zu klären und besondere Unterlagen zu suchen.

Im Alltag mag es selten eine Rolle spielen, welche Staatsangehörigkeit Partner haben. Wer sich offiziell binden möchte, hat aber mit einigen Besonderheiten zu tun. Denn dann gilt nicht nur das deutsche Eherecht. Im Jahr 2018 wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Deutschland 449.466 Ehen geschlossen. Bei etwa jeder neunten (11,18 Prozent) hatte ein Partner nicht die deutsche Staatsangehörigkeit.

Solche Trauungen vorzubereiten stellt Standesbeamte vor besondere Herausforderungen. "Die materiellen Voraussetzungen der Eheschließung zwischen einem Mann und einer Frau richten sich grundsätzlich nach dem Heimatrecht des jeweiligen Verlobten", erklärt Marianne Andrae, pensionierte Professorin für Bürgerliches Recht an der Universität Potsdam.

Wenn ein Paar mit zwei unterschiedlichen Staatsangehörigkeiten heiratet, muss die Behörde nach diesen beiden Rechtsordnungen prüfen, ob Eheverbote vorliegen und ob der Ausländer in seinem Land überhaupt heiraten dürfte. Wenn dies nach dem Heimatrecht eines Partners nicht erlaubt ist, darf das Paar auch in einem deutschen Rathaus nicht verheiratet werden.

Auch strengere Vorschriften aus Ausland gelten

Das kann der Fall sein, wenn die Verlobten zu nah miteinander verwandt sind. In islamischen Rechtsordnungen wie Irak und Syrien gibt es auch das Eheverbot der Milchverwandtschaft. "Das untersagt Personen die Heirat, die von derselben Amme gestillt wurden", erläutert Frank Müsken, Leiter des Standesamtes der Stadt Kassel. Auch solche religiös oder kulturell bedingten Verbote sind für hiesige Standesbeamte verbindlich, sofern sie nicht gegen das Grundgesetz verstoßen.

Weil deutsche Standesbeamte das fremde Recht nicht unbedingt kennen, muss der Ausländer ein Ehefähigkeitszeugnis beibringen. Darin bescheinigen Beamte des Heimatstaates, dass der Eheschließung nach ausländischem Recht nichts entgegensteht. Wenn das Herkunftsland kein Zeugnis ausstellt, prüft die Landesjustizverwaltung das fremde Recht, so Müsken - meist der Präsident eines Oberlandesgerichts.

Eine Ausnahme gilt für Menschen, die neben dem deutschen auch einen ausländischen Pass haben und gleichgeschlechtliche Paare. Sie brauchen weder Ehefähigkeitszeugnis noch Befreiung. Für sie gilt ohnehin unabhängig von der Staatsangehörigkeit deutsches Eherecht.

Im Extremfall je nach Land anderer Nachname

Neben dem Ehefähigkeitszeugnis benötigt das Standesamt von jedem Partner einen Geburtsnachweis und einen Identitätsnachweis, also Personalausweis oder Reisepass. Wenn ein Ehepartner schon einmal verheiratet war, muss er beweisen, dass die vorherige Ehe nicht mehr besteht. Hat das Paar schon gemeinsame Kinder, muss es außerdem deren Geburtsurkunden vorlegen.

Die Vorgaben für den eigenen Fall können Paare beim zuständigen Standesamt erfragen. Nach der Trauung melden die Partner die Ehe dann beim Generalkonsulat des Heimatlandes an.

Welchen Nachnamen man führt, hängt auch nach der Heirat von der Staatsangehörigkeit ab. In Ländern wie Spanien haben Ehepaare keinen gemeinsamen Ehenamen. Sofern einer der Ehepartner in Deutschland bleibt, könne man aber auch das deutsche Namensrecht wählen, sagt Andrae.

Gerade die Vielschichtigkeit des deutschen Namensrechts führe aber auch zu Rechtskonflikten, warnt Müsken. So könne es vorkommen, dass ein Mann in Deutschland den Namen seiner Frau annimmt, dieser aber nicht in den ausländischen Pass eingetragen wird. Er würde also unterschiedliche Namen tragen, je nach dem, in welchem Land er sich gerade aufhält. "Um so eine hinkende Namensführung zu vermeiden, lassen wir möglichst jeden Ehepartner in seinem Recht", so der Standesbeamte.

Ehevertrag kann bei Scheidung helfen

Doch nicht nur beim Ehenamen lohnt es sich, genauer hinzusehen. Gerade binationalen Ehepaaren empfiehlt Rechtsanwältin Christina Gehrig von der Kanzlei Hasselbach, einen Ehevertrag aufzusetzen, in dem man festlegt, welches Recht bei einer etwaigen Scheidung anwendbar sein soll.

Hier wird nämlich in der Regel nicht an die Staatsangehörigkeit, sondern an den gewöhnlichen Aufenthalt des Paares angeknüpft. "Der kann sich ganz schnell ändern. Wenn man sechs Monate lang seinen Lebensmittelpunkt in einem anderen Land hat, dann ist in der Regel das Recht dieses Landes anwendbar", betont die Kölner Familienrechtlerin.

Wenn die Eheleute also beide mehr als ein halbes Jahr in Frankreich leben, müssten sie sich nach französischem Recht scheiden lassen, wenn sie nichts anderes geregelt haben. Auch für ihren Güterstand, also die Vermögensverhältnisse in der Ehe, für Trennungs- und nachehelichen Unterhalt könnten die Ehegatten eine Rechtsordnung wählen.

Auch wenn eine internationale Heirat komplizierter ist als die eines deutschen Paares - unmöglich ist sie nicht. Für die meisten Paare ist da, wo ein Wille beziehungsweise die Liebe ist, auch ein Weg. So ist beinahe jede dritte Ehe, die bei Frank Müsken im Standesamt der Stadt Kassel vorgenommen wird, eine internationale.

Quelle: ntv.de, Alexander Holzer, dpa