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Versteckte Preissteigerung Das ist die "Mogelpackung des Jahres"

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Jedes Jahr erhält die vzhh weit mehr als 1000 Beschwerden zu Mogelpackungen.

(Foto: imago/Eckhard Stengel)

Die Verbraucher haben ihr Urteil gefällt. Auf Initiative der Verbraucherzentrale Hamburg waren sie aufgerufen, über Produkte, mit denen sie besonders getäuscht wurden, abzustimmen und den Herstellern einen Denkzettel zu verpassen. Hier ist der "Sieger".

Die Chipsletten von Lorenz Snack-World sind die "Mogelpackung des Jahres 2018". Sie wurden von Verbrauchern via Online-Abstimmung der Verbraucherzentrale Hamburg (vzhh) gewählt. Das Produkt wurde mit einem Ergebnis von 58,7 Prozent (23.279 Stimmen) unter fünf Kandidaten zum "Sieger" gekürt.

Auf dem zweiten Platz der Abstimmung landete die Truthahnsalami Light 1A von Dulano (Lidl, 17,6 Prozent), Platz drei belegte der Mini Babybel von Bel (10,1 Prozent). Danach folgten auf den Rängen vier und fünf die Smarties von Nestlé (8,7 Prozent) und das Obstwiese Rheinisches Apfelkraut von Grafschafter (4,9 Prozent).

Noch nie war das Votum der Verbraucher so klar wie bei dieser Wahl der Mogelpackung des Jahres. Es ist ein Denkzettel, den Hersteller Lorenz völlig zu Recht bekommen hat, befanden die Verbraucherschützer. Der versteckte Preisanstieg bei den Chipsletten ist besonders krass, dreist umgesetzt und nicht der erste dieser Art, befindet die vzhh. Lorenz hatte den Inhalt der Chips im vergangenen Jahr von 170 auf 100 Gramm gesenkt, was bei gleichem Preis einer versteckten Preiserhöhung von bis zu 70 Prozent entspricht.

Weit mehr als 1000 Beschwerden zu Mogelpackungen

Die neue Pappdose der Chipsletten ist kaum kleiner als die alte und zusätzlich mit einem sogenannten Servier-Tray aus Plastik und Frischefolie bestückt. Verbraucher bekommen weniger Chips, aber bezogen auf den Inhalt mehr Müll für ihr Geld. Einige Händler, darunter Kaufland, haben den Preis für das Produkt zwar zwischenzeitlich etwas gesenkt, doch Verbraucher zahlen am Ende immer noch fast 50 Prozent mehr als zuvor.

Die Chipsletten sind kein Einzelfall. Auch bei anderen Produktmarken wie den Crunchips, Saltletts Brezeln, Naturals Chips und Erdnusslocken hat Hersteller Lorenz in den vergangenen Jahren durch geringere Füllmengen versteckt die Preise erhöht.

Die Verbraucherschützer konnten sich auch dieses Jahr wieder über eine rege Beteiligung bei der Umfrage freuen. Insgesamt beteiligten sich fast 40.000 Verbraucher. 

Jedes Jahr erhält die vzhh weit mehr als 1000 Beschwerden zu Mogelpackungen. Viele davon werden seit zwölf Jahren in einer Mogelpackungsliste dokumentiert. Rein rechtlich können die Verbraucherschützer gegen den Weniger-drin-Preis-gleich-Trick kaum etwas unternehmen. Während die Hersteller die Füllmenge reduzieren, legen die Händler laut Kartellrecht die Preise fest. Am Ende waschen beide ihre Hände in Unschuld und der Verbraucher zahlt die Zeche, wie die vzhh beklagt.

In den vergangenen Jahren bekamen das Vitalis-Früchtemüsli von Dr. Oetker (2017), das Evian-Wasser von Danone Waters (2016), die Bebe-Zartcreme von Johnson & Johnson (2015) und die Pampers-Windeln von Procter & Gamble (2014) den Negativpreis.

Quelle: n-tv.de, awi

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