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"Goldener Windbeutel" Das ist die dreisteste Werbelüge 2021

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Der Preisträger.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat zum elften Mal zur Wahl gerufen und auch dieses Jahr haben Zehntausende Teilnehmer über die dreisteste Werbelüge abgestimmt. Und - tätärätä - der Goldene Windbeutel 2021 geht an ...

Im Supermarkt werden Verbraucher regelmäßig durch Werbelügen und Mogelpackungen von den Herstellern getäuscht. Doch das bleibt nicht ungesühnt, denn die Verbraucherorganisation Foodwatch verleiht den Negativpreis "Goldener Windbeutel" für das Jahr 2021.

Abgeräumt hat die zweifelhafte Ehrung dieses Jahr das "Wilhelm Brandenburg Hähnchen-Brustfilet" von Rewe. Bei der Online-Abstimmung auf der Plattform goldener-windbeutel.de wählten 28 Prozent der mehr als 63.000 Teilnehmer dieses Produkt zur dreistesten Werbelüge des Jahres. Begründung: Die Werbung erweckt den Eindruck, dass sich die Produktion des Hähnchens nicht schädlich auf das Klima auswirke. Tatsächlich werde das Hähnchenbrustfilet weder emissionsfrei hergestellt noch würde der bei der Produktion anfallende CO2-Ausstoß ausgeglichen. Foodwatch-Recherchen belegen: Das Wald-Projekt in Peru, durch das die Treibhausgas-Emissionen angeblich kompensiert wurden, schützt den dortigen Wald nicht. Fleisch als "klimaneutral" zu bewerben, sei zudem grundsätzlich irreführend, so Foodwatch. Drei Viertel aller Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft entfallen auf die Tierhaltung.

"Rewe rechnet Fleisch mit falschen CO2-Zertifikaten klimafreundlich und täuscht damit umweltbewusste Verbraucher:innen", kritisierte Manuel Wiemann, Wahlleiter des Goldenen Windbeutels. "Für den Klimaschutz muss Deutschland die Tierzahlen drastisch reduzieren. Rewe hingegen verkauft Fleisch als gut für das Klima, was eine dreiste Lüge ist. Mit diesem Greenwashing muss Schluss sein. Grüne Werbelügen auf unökologischen Produkten müssen gestoppt werden!"

Foodwatch hatte Rewe zuvor bereits abgemahnt und dazu diese Stellungnahme erhalten.

Auch danach wenig Schmeichelhaftes

Platz 2 der Abstimmung belegt Volvic Natürliches Mineralwasser mit 17.031 Stimmen (26,8 Prozent). Auf der Flasche des Volvic-Mineralwassers prangt ein "Klimaneutral zertifiziert"-Label. Dabei ist das Wasser alles andere als vorbildlich: Die Flaschen werden größtenteils per Lkw aus Frankreich nach Deutschland transportiert. Einweg-Plastikflaschen schaden der Umwelt stärker als Mehrwegflaschen. Und im Vergleich zu Leitungswasser emittiert das Volvic-Wasser ein Vielfaches an CO2.

In einer Stellungnahme äußert sich Hersteller Danone gegenüber ntv.de bereits bei der Präsentation der Kandidaten wie folgt: "Wir können den Vorwurf von Foodwatch nicht nachvollziehen. Wir verwenden für Volvic die ökologisch sinnvollste Verpackung, eine zu 100 Prozent recycelbare PET-Einwegpfandflasche, die zu 100 Prozent aus Altplastik besteht. Außerdem ist Volvic vom unabhängigen The Carbon Trust klimaneutral in Scope 1,2 und 3 zertifiziert."

Platz 3 geht an Mövenpick Green Cap Kaffeekapseln (9930 Stimmen, 15,6 Prozent). "Kompostierbar" und "biologisch abbaubar" sollen die Mövenpick-Kaffeekapseln von J.J. Darboven sein. Tatsächlich sind die "Green Caps" alles andere als umweltfreundlich: Abfallunternehmen können sie weder recyceln noch kompostieren, sondern müssen sie verbrennen. Dadurch sind sie in der Umweltbilanz nicht besser als normaler Kunststoff.

Platz 4 heimsen die Katjes Wunderland Fruchtgummis ein. Ausgerechnet bei einer Süßigkeit mit 60 Prozent Zuckeranteil tut Katjes so, als sei sie gesund. Die als "Wunderland" getarnte Zuckerbombe enthält zugesetzte Vitamine - für ein vermeintlich "besseres Naschen". Dadurch verleitet Katjes zum Süßigkeiten-Konsum und verschleiert den hohen Zuckergehalt, der sogar 30 Prozent höher ist als bei Haribo Goldbären.

Platz 5 geht an Clean Protein Bar von Naturally Pam by Pamela Reif (8972 Stimmen, 14,1 Prozent). Die Fitness-Influencerin Pamela Reif bewirbt die Verpackung ihres Proteinriegels als plastikfrei, biologisch abbaubar und umweltfreundlicher als konventionelles Plastik. Tatsächlich handelt es sich jedoch um eine Plastikfolie, die weder kompostiert noch recycelt wird, sondern als Plastikmüll in der Müllverbrennung landet. Auch in der Natur würde die Folie - wenn überhaupt - nur sehr langsam abgebaut.

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In diesem Jahr vergibt Foodwatch den Negativpreis zum elften Mal. Im letzten Jahr wählten Verbraucher den "Grünländer Käse" von Hochland. Dieser wurde mit dem Slogan "Milch von Freilaufkühen" beworben. Die Tiere standen aber tatsächlich im Stall. Hochland änderte daraufhin die Verpackung.

Wer sich durch Luftverpackungen, vermeintlich "natürliche" Lebensmittel voller Zusatzstoffe, versteckte Preiserhöhungen, angeblich "gesunde" Zuckerbomben oder scheinbar klima- und umweltfreundliche Produkte betrogen fühlt, hat auf schummelmelder.de, der Foodwatch-Beschwerdeplattform, die Möglichkeit, derlei Ärgernisse hochzuladen.

Quelle: ntv.de, awi

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