Ratgeber

"Goldener Windbeutel" Das ist die dreisteste Werbelüge 2020

Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat zum zehnten Mal zur Wahl gerufen und auch dieses Jahr haben Zehntausende Teilnehmer über die dreisteste Werbelüge abgestimmt. Und - tätärätä - der Goldene Windbeutel 2020 geht an ...

Im Supermarkt werden Verbraucher regelmäßig durch Werbelügen und Mogelpackungen von den Herstellern getäuscht. Doch das bleibt nicht ungesühnt. Via Verleihung des Negativpreises "Goldener Windbeutel" der Verbraucherorganisation Foodwatch.

Abgeräumt hat die zweifelhafte Ehrung dieses Jahr der Käserei-Konzern Hochland: Bei einer Online-Abstimmung auf der Plattform goldener-windbeutel.de wählte der Großteil der mehr als 65.000 Teilnehmer dessen "Grünländer Käse" zur dreistesten Werbelüge des Jahres. Hochland verspricht "Milch von Freilaufkühen", wirbt mit einer "grünen Seele" und einer wie eine Wiese gestalteten Verpackung. Tatsächlich stehen die "Freilaufkühe" aber im Stall. Insgesamt gingen 28.443 Stimmen (dies entspricht rund 43,5 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen) an den Käse.

"'Freilaufkühe' ist ein reiner Fantasiebegriff - Hochland gaukelt seiner Kundschaft ein Weide-Idyll vor und täuscht ausgerechnet jene Verbraucherinnen und Verbraucher, die bewusst Produkte auswählen, von denen sie sich eine bessere Tierhaltung versprechen", erklärte Manuel Wiemann von Foodwatch, Wahlleiter beim diesjährigen Windbeutel.

Auch danach wenig Schmeichelhaftes

Platz 2 der Abstimmung belegt "Volvic Bio Roiboos Tee" von Danone Waters" (11.527 Stimmen, 17,6 Prozent). Hersteller Danone Waters verspricht einen "Bio Rooibos Tee" für "Teeverehrer". Dabei besteht der Tee laut Foodwatch nur zu 0,26 Prozent aus Rooibos-Aufguss und zu 92 Prozent aus aromatisiertem Mineralwasser. Die rötliche Farbe kommt hauptsächlich durch eine entsprechend eingefärbte Verpackung, damit es auch fast ohne Rooibos nach einem echten Tee aussieht.

Platz 3 geht an "Arla Weidemilch haltbar" (9193 Stimmen, 14 Prozent). Die Groß-Molkerei bewirbt ihre haltbare Weidemilch mit einem Siegel, das 71 Prozent weniger CO2 verspricht. Dabei unterschlägt Arla allerdings den wichtigsten Punkt der Klimabilanz: die Milchproduktion. Die Werbeaussage bezieht sich lediglich auf die Verpackung. Nach Angaben des ifeu-Instituts ist die Verpackung bei einer Bio-H-Milch jedoch für gerade einmal 2,5 Prozent der Gesamtemissionen verantwortlich.

Platz 4 heimst der "Zentis 50% weniger Zucker Erdbeere" Fruchtaufstrich ein (8709, 13,3 Prozent). Zentis zockt gesundheitsbewusste Kundinnen und Kunden ab. Bei dem Erdbeer-Fruchtaufstrich "50 % weniger Zucker" ersetzte der Hersteller Zucker durch Wasser und verlangt dafür einen saftigen Preisaufschlag: Das Produkt kostet im Handel gut doppelt so viel wie das zuckrigere Original.

Platz 5 geht last but not least an den Riegel "Be-Kind Protein Riegel Crunchy Peanut Butter" von Mars (7584 Stimmen, 11,6 Prozent). Hersteller Mars vermarktet seinen Erdnussriegel wie einen gesunden Sport-Snack mit dem "pflanzlichen Protein Kick". Dabei besteht der Riegel zur Hälfte aus Fett und Zucker und ist damit alles andere als gesund. Die Lebensmittelampel Nutri-Score würde gar ein oranges "D" anzeigen - die zweitschlechteste Kategorie.

Werbelügen melden

Im letzten Jahr wählten Verbraucher die "Kinder-Tomatensauce" von Zwergenwiese zur "Werbelüge des Jahres". Wer sich durch Luftverpackungen, vermeintlich "natürliche" Lebensmittel voller Zusatzstoffe, versteckte Preiserhöhungen oder angeblich "gesunde" Zuckerbomben behumpst fühlt, hat auf schummelmelder.de, der Foodwatch-Beschwerdeplattform, die Möglichkeit derlei Ärgernisse hochzuladen.

Stellungnahme von Käserei-Konzern Hochland zum "goldenen Windbeutel":

"Der Verein Foodwatch hat heute bekannt gegeben, dass bei einer Abstimmung im Internet, bei der fünf Produkte nominiert waren, Grünländer die meisten Stimmen in der Foodwatch-Kampagne bekommen habe. Die Kritik von Foodwatch bezieht sich auf die Verwendung des Begriffs Freilaufkühe, der auf der Verpackung klar erläutert wird: Für unsere Marke verwenden wir ausschließlich Milch von Kühen, die sich jederzeit 365 Tage im Jahr frei im Stall bewegen können und nicht angebunden sind. Deshalb hält Hochland die Kritik für nicht angemessen und nimmt den "Preis" nicht an.

Grünländer ist für uns aus weiteren guten Gründen der Käse mit der grünen Seele: Bereits seit dem Jahr 2011 sind die Futtermittel für die Kühe garantiert ohne gentechnisch veränderte Bestandteile. Das gilt auch für die anderen Zutaten in unserem Käse. Wir gehören damit zu den Vorreitern in der Branche. Zudem verzichtet Grünländer auf künstliche Zusätze.

Darüber hinaus besteht die Verpackung heute schon zu 30% aus recyceltem Kunststoff, und wir arbeiten weiter an der Optimierung unserer Verpackungen. Nicht zuletzt produziert das Werk CO2-neutral. Dazu arbeiten wir mit der Initiative Plant-for-the-Planet zusammen, um die bisher nicht vermeidbaren CO2-Emissionen zu kompensieren. Die Initiative pflanzt Bäume auf der Halbinsel Yucatan in Mexiko und fördert erneuerbare Energien über Zertifikate.

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Generell ist für alle unsere Landwirte die Teilnahme am Qualitätsmanagementsystem QM Milch verpflichtend. QM Milch ist ein bundesweit einheitliches Qualitätsmanagement-Programm der deutschen Milchwirtschaft mit über 60 Kriterien. Wir gehören zu den Pilotunternehmen, die zusammen mit dem Thünen-Institut den QM-Milch-Standard mit einem Zusatzmodul "Nachhaltigkeit" weiterentwickeln. Im Nachhaltigkeitsmodul wird großer Wert auf das Tierwohl gelegt.

Das Wohl der Kühe, deren Milch wir verarbeiten, war und ist uns sehr wichtig und wir arbeiten daran, es Schritt für Schritt weiter zu verbessern."

Quelle: ntv.de, awi