Ratgeber

Gekaufte Garantieverlängerung Das riecht nach Wucher

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Mario Barth lässt sich vor den PR-Karren der Elektronik-Kette Media Markt spannen. (Screenshot: mediamarkt.de)

(Foto: mediamarkt.de)

Kennen Sie schon den Laden von Comedian Mario Barth? Genau, der Media Markt ist es. Wer das Olympiastadion in Berlin voll bekommt, kann auch die Käufer in die Media Märkte locken – und hier klingeln dann die Kassen. Damit wir uns das kaufen, was wir uns eigentlich nicht leisten können, gibt es rechtzeitig vor Weihnachten noch die 0-%-Finanzierung obendrauf. Beim Weihnachtsfest 2010 stottern wir dann noch die Raten ab, die wir uns 2009 im Kaufrausch eingehandelt haben.

Mehr als ein gutes Zubrot verdient sich der Elektronikmarkt mit dem Verkauf von Garantieverlängerungen. Er ist damit selbstverständlich nicht allein. Ob nun Saturn, Medimax, ProMarkt, Conrad und selbst bei kleineren Elektronik-Fachhändlern sind Garantieverlängerungen erhältlich. Die Händler haben gute Argumente. So gilt zwar nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch eine Gewährleistung von zwei Jahren, doch nach dem siebten Monat trägt der Kunde die Beweislast. Er muss nachweisen, dass der Mangel schon beim Kauf existierte, was vielfach nicht gelingt.

Grundsätzlich ist es also besser, wenn der Hersteller nicht die gesetzliche Gewährleistung, sondern eine freiwillige Garantie anbietet, da der Kunde so nicht in Beweisnot geraten kann. Und was ist nach diesen zwei Jahren? Wir Deutschen stehen auf Sicherheit und sind gerne bereit, eine Garantieverlängerung abzuschließen, die darüber hinaus für die nächsten zwei bis drei Jahre im Fall der Fälle einspringt.

Ausnahmen inklusive

Diese Garantieverlängerung ist in der Regel nicht mehr als eine Versicherung, die verhältnismäßig teuer ist. Je nach Gerät werden unterschiedliche Preise für die Garantieverlängerung aufgerufen. So kostet beispielsweise die vierjährige "Plus-Garantie" bei Media Markt und Saturn für PCs, Notebooks, Drucker, Spielekonsolen und mobile Navigationsgeräte bei einem 301 Euro teuren Gerät 70 Euro, macht das Gerät also um über 20 Prozent teurer. Ausgenommen von der Plus-Garantie sind Reparaturen aufgrund von normalem Verschleiß und generell Verschleißartikel wie Projektionslampen, Akkus und Fernbedienungen. Ausgeschlossen sind auch Leistungen aus der Garantieverlängerung bei Schäden durch Blitzschlag, Wasser, Feuer, höhere Gewalt, falsche Netzspannung und auch unzureichende Belüftung.

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Das kostet die Garantieverlängerung inkl. Diebstahlschutz bei Saturn und Media Markt.

(Foto: saturn.de)

Die Plus-Garantie dürfte sich häufig nicht rechnen. Wäre eine Reparatur teurer als der Zeitwert des Gerätes, liegt ein "Totalschaden" vor und es wird nur der Zeitwert erstattet. Der Kunde erhält also weder den Defekt repariert noch ein gleichwertiges Neugerät. Zusätzlich zur Plus-Garantie gibt es noch einen Plus-Schutz, der die Geräte auch noch gegen Diebstahl und Verschleiß absichert. Ein 301 Euro teures Gerät kostet dann allerdings effektiv 421 Euro.

Der Konkurrent Medimax hat sich noch etwas ganz anderes ausgedacht. Er versteckt die hohe Summe einfach in kleinen monatlichen Raten. So kostet beispielsweise die Maxigarantie für ein 1099 Euro teures Notebook zwölf Euro monatlich – macht bei fünf Jahren Laufzeit stolze 720 Euro.

Conrad deutlich günstiger

Dass eine Garantieverlängerung auch wesentlich günstiger zu haben ist, zeigt der Händler Conrad. Für das gleiche 301 Euro teure Gerät verlangt Conrad bei einer Laufzeit von vier Jahren 24 Euro – einmalig. Zur Erinnerung: Media Markt und Saturn verlangen fast das Dreifache und Medimax sogar noch mehr.

Der Verkauf der zusätzlichen Garantie kann sich leicht zum zweiten Standbein der Anbieter entwickeln. Wie viel im Detail umgesetzt wird, bleibt allerdings ein Geheimnis. Laut Expertenschätzungen hat der US-Elektronikhändler Best Buy, der mit Media Markt hierzulande vergleichbar ist, in den vergangenen Jahren die Hälfte des Konzerngewinns mit dem Verkauf von Garantieverlängerungen erzielt, obwohl der Umsatzanteil nur im einstelligen Prozentbereich lag.

Bis 2006 konnte man beim Computerbauer Dell noch einen vagen Einblick ins Garantiegeschäft erhaschen. Damals erzielte Dell mit dem Verkauf von Garantieverlängerungen einen Gewinn von über 320 Millionen Dollar und finanzierte so die gewöhnliche Werksgarantie sogar noch mit. Den Einnahmen von rund zwei Milliarden Dollar durch Garantieverlängerungen standen insgesamt Garantiefälle in Höhe von 1,65 Milliarden Dollar gegenüber.

Fast 20 Prozent Preisaufschlag bei Apple

Auch bei Apple lässt man sich die Verlängerung der einjährigen Herstellergarantie, die sich innerhalb des AppleCare Protection Plan um drei Jahre verlängern lässt, fürstlich bezahlen. So kostet beispielsweise der Kauf eines MacBook Pro 1799 Euro, die Garantieverlängerung schlägt mit 349 Euro zu Buche. Wenn man bedenkt, dass man für ein zehnmal teureres Auto für den gleichen Preis auch hier eine Garantieverlängerung erhalten kann, kann man sich nur wundern.

Quelle: n-tv.de