Ratgeber

Mehr Rechte für Arbeitnehmer Die Brückenteilzeit kommt

Business-Mann im Spiegel

Bisher hat der Arbeitnehmer kein Recht darauf wieder in Vollzeit zurückzukehren.

(Foto: dpa)

Immer mehr Menschen in Deutschland arbeiten in Teilzeit. Darauf haben sie zumeist einen Rechtsanspruch. In Zukunft soll es auch per Gesetz möglich werden, wieder in Vollzeit zurückzukehren. Das sollten Arbeitnehmer jetzt wissen.

Der Gesetzentwurf wurde aktualisiert. Hier geht es zu dem veränderten Artikel

Innerhalb von 20 Jahren hat sich die Zahl derer, die in Teilzeit arbeiten, fast verdoppelt. Fast 40 Prozent der Arbeitnehmer bekleiden keine Vollzeitstelle mehr. Die Gründe dafür sind vielfältig: beispielsweise Kinder, Pflege von Angehörigen oder ein entsprechendes Freizeit- und Erholungsbedürfnis. Vor allem Frauen arbeiten in Teilzeit. Und zwar mehr als die Hälfte von ihnen. Aber auch Männer wollen oder müssen kürzertreten, was aber besonders in qualifizierten Berufen nicht immer auf das Verständnis der Arbeitgeber stößt. Trotz entsprechendem Rechtsanspruch.

Aber abgesehen davon soll es in Zukunft nicht nur ein Recht auf Teilzeit geben, sondern eben auch eines auf die Rückkehr in Vollzeit. Ein Gesetzentwurf der SPD zur geplanten Brückenteilzeit soll zeitnah verabschiedet werden. Als Brückenteilzeit bezeichnet Bundesarbeitsminister Hubertus Heil die Neuregelungen übrigens deshalb, weil sie "eine Brücke von der Teilzeit in die Vollzeit bauen sollen, damit die Arbeit zum Leben passt".

Anbei die wichtigsten Fragen zum Thema:

Wer hat überhaupt Anspruch auf eine Teilzeitstelle?

Nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) jeder Arbeitnehmer, dessen Arbeitsverhältnis länger als sechs Monate besteht, vorausgesetzt, der entsprechende Arbeitgeber beschäftigt mehr als 15 Mitarbeiter. Auszubildende werden nicht mitgerechnet. Auch betriebliche Gründe, wie zum Beispiel feste Produktionsabläufe bei Schichtarbeit, können zumindest vorübergehend zu einer Ablehnung des Antrags auf Teilzeitarbeit führen.   

Was gilt für die Antragstellung?

Der Antrag muss mindestens drei Monate vor der geplanten Reduzierung schriftlich oder mündlich gestellt werden. Der Arbeitgeber kann bis einen Monat vor dem genannten Termin schriftlich widersprechen. Ansonsten gilt der Antrag als genehmigt.

Was soll sich ändern?

Bisher hat der Arbeitnehmer kein Recht darauf, wieder in Vollzeit zurückzukehren. Dies soll die neue Brückenteilzeit ermöglichen. Bisher ist dies nur in der Eltern- oder Familienpflegezeit möglich. Hier können Arbeitnehmer auch schon jetzt ihre Arbeitszeit auf 15 bis 30 Stunden reduzieren und im Anschluss daran wieder per Gesetz auf eine volle Stelle zurückkehren.

Ab wann soll es den Rechtsanspruch auf die Wiederkehr in Vollzeit geben?

Ab dem 1. Januar 2019 und nur für jene, die ab diesem Zeitpunkt in Teilzeit gehen. Wer bereits zuvor reduziert gearbeitet hat, ist weiterhin auf die Kulanz seines Arbeitgebers angewiesen. "Bestandsteilzeitbeschäftigte" haben also auch durch die Brückenteilzeit keinen Rechtsanspruch zu einer Rückkehr in eine Vollzeitbeschäftigung.

Welche Fristen gelten?

Der Antrag muss mindestens drei Monate vor Beginn der gewünschten Veränderung in Textform gestellt werden.


Gibt es weitere Beschränkungen?

Ja, die Brückenteilzeit greift nur dann, wenn der entsprechende Betrieb mehr als 45 Mitarbeiter beschäftigt. Unternehmen mit bis zu 200 Arbeitnehmern müssen nur einem von 15 Mitarbeitern den Anspruch gewähren. Zudem kann der Arbeitgeber eine befristete Teilzeit ablehnen, wenn diese ein Jahr unter- oder fünf Jahre überschreitet. Außerdem muss das Arbeitsverhältnis länger als sechs Monate bestehen.
 Analog zur bisherigen Teilzeitregelung dürfen auch in Zukunft keine betrieblichen Gründe einer Veränderung des Beschäftigungsumfangs entgegenstehen, welche die Organisation, den Arbeitsablauf oder die Sicherheit im Betrieb wesentlich beeinträchtigen.


Gibt es Kritikpunkte?

Natürlich. Da Frauen häufig in kleinen Betrieben arbeiten, erhält nur eine Minderheit ein Rückkehrrecht, bemängelt zum Beispiel der Deutsche Gewerkschaftsbund. Wer jetzt schon in Teilzeit arbeitet, hat sowieso kein Recht, auf eine Vollzeitstelle zu wechseln.

Arbeitgeberverbände beanstanden hingegen die abnehmende Souveränität bei der Arbeitszeitgestaltung und die erschwerte Personaleinsatzplanung.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen