Ratgeber

Garantiezins bei Lebensversicherungen Es geht an die Reserven

Sichere Anleihen sind derzeit so schlecht verzinst wie nie zuvor. Lebensversicherern fällt es deshalb immer schwerer, über den Garantiezins hinaus Rücklagen an ihre Kunden auszuschütten. Einige Unternehmen greifen bereits auf die stillen Reserven zurück, um die garantierten Zinssätze zu zahlen.

Viele sparen mit einer Kapitallebensversicherung für das Alter - vor der Unterschrift unter eine Police sollten aber Alternativen geprüft werden. (Bild: Brichta/dpa/tmn)

Wer in den 90er Jahren eine Lebensversicherung abgeschlossen hat, darf sich heute noch über vier Prozent Zinsen freuen.

Lebensversicherer wollen einem Bericht zufolge wegen wachsender Geldprobleme künftig weniger Rücklagen an ihre Kunden ausschütten. Die Branche dringe derzeit bei der Bundesregierung darauf, das Versicherungsvertragsgesetz entsprechend zu ändern, berichteten die "Stuttgarter Nachrichten" in ihrer heutigen Ausgabe.

Das Gesetz sieht derzeit vor, dass die Institute die Hälfte ihrer stillen Rücklagen an die Kunden auszahlen. Erste Unternehmen nutzen Geld aus den stillen Reserven inzwischen aber auch dafür, den Kunden ihren vertraglich zugesicherten Garantiezins zu bezahlen. Nötig wird das, weil die bewährte Finanzierungspraxis aufgrund der anhaltend niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt nicht richtig funktioniert: In guten Zeiten beschaffen sich Versicherer ihr Geld am Kapitalmarkt und nutzen dieses zur Auszahlung von Garantiezins und einer zusätzlichen Überschussbeteiligung.

Teure Altlasten

Vor allem Versicherer, die in den 90er Jahren viele Verträge mit dem damals gültigen Garantiezins von vier Prozent abgeschlossen haben, bekommen dem Bericht zufolge nun Probleme. "Es gibt schon jetzt eine Reihe von Unternehmen, die mit ihren Kapitalanlagen die Garantieverzinsung einiger Verträge nicht darstellen können", sagte der Vorstandschef des Bunds der Versicherten (BdV), Axel Kleinlein, der Zeitung. Bei solchen Unternehmen sei die Gefahr größer, in Schieflage zu geraten.

Bei Vertragsabschluss garantieren die Versicherer ihren Kunden einen bestimmten Zinssatz. Diesen legt regelmäßig die Bundesregierung fest. In den 90er Jahren lag der Garantiezins noch bei vier Prozent, im Moment sind es noch 2,25 Prozent. Für Verträge, die ab 2012 abgeschlossen werden, sinkt er auf 1,75 Prozent. Zudem erhält der Kunde eine Überschussbeteiligung. Diese ist umso höher, je mehr Zinsen die Versicherer erwirtschaften. Diese legen das Geld ihrer Kunden möglichst sicher an, etwa in Bundesanleihen. Diese sind derzeit allerdings so schlecht verzinst wie noch nie zuvor. Für die Lebensversicherer ist es daher schwieriger, sich mit ausreichend Geld zu versorgen.

Quelle: ntv.de, AFP