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Vollkasko wird teuer Fahrrad versichern

Klar, ein gutes Schloss muss sein. Aber gegen professionelle Fahrraddiebe schützt das leider kaum. Welche Versicherungen helfen, wenn das Bike abhanden kommt?

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Ohne gutes Schloss zahlt auch keine Versicherung.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Rund 1000 Fahrräder werden in Deutschland im Schnitt als gestohlen gemeldet – pro Tag. Und weil bei weitem nicht jeder Fahrraddiebstahl angezeigt wird, dürfte die Dunkelziffer noch weitaus höher liegen. Bremen erweist sich im Ländervergleich als besonders gefährliches Pflaster: Auf 100.000 Einwohner  kamen im Jahr 2008 ganze 1224 Diebstahlmeldungen. Zum Vergleich: In Berlin waren es 692, in Bayern gerade mal 257.

 

Viel Ärger lässt sich schon im Vorfeld vermeiden, indem man sein Zweirad vernünftig sichert. Simple Kabel- oder Rahmenschlösser  taugen allenfalls als kurzfristige Wegfahrsperre und werden von Gelegenheitsdieben geradezu als Einladung angesehen. Wer sein Rad längere Zeit aus den Augen lässt, sollte es mit einem Bügel- oder Panzerkabelschloss an einen festen Gegenstand ketten. Ein Viertel der 2008 gestohlenen Räder war ungesichert abgestellt, so der ADFC. Doch auch ein gutes Schloss nützt wenig, wenn er ein professioneller Dieb ernsthaft auf das Rad angelegt hat. Dann hilft nur noch eins: Versicherungsschutz.

Hausratpolice hilft schon

Grundsätzlich gibt es hier zwei Möglichkeiten: Die Hausratversicherung oder eine extra Fahrradpolice. In Hausratversicherungen, die bis 1984 abgeschlossen wurden, sind Fahrräder standardmäßig mitversichert. Das ist in jüngeren Policen nicht mehr so, jetzt muss der Fahrradschutz per Zusatzklausel eingeschlossen werden. Der Schutz ist auf 1 bis 3 Prozent der gesamten Versicherungssumme begrenzt. Bei einer Versicherungssumme von 50.000 Euro zahlt sie also zwischen 500 und 1500 Euro – pro Schadensfall, nicht pro Fahrrad. Kommen mehrere teure Räder auf einmal weg, kann die Hausratversicherung an ihre Grenzen stoßen.

 

Ärger gibt es oft um die Frage, wann das Fahrrad abhanden gekommen ist. Zwischen 22 und 6 Uhr ist der Versicherungsschutz in vielen Verträgen eingeschränkt.  Laut "Nachtzeitklausel" haftet die Versicherung in dieser Zeit nur, wenn das Rad zum Diebstahlzeitpunkt noch in Gebrauch war oder sich in einem Fahrradabstellraum befand. Wird es dagegen nachts vorm eigenen Haus abgestellt, greift der Schutz nicht. Der Bundesgerichtshof hat die Nachtzeitklausel 2008 für rechtmäßig erklärt. Doch es gibt Hoffnung: In den unverbindlichen Musterbedingungen des Versicherungsverbands GDV ist der umstrittene Paragraph inzwischen nicht mehr enthalten.

Spezialpolicen fürs Bike

Meistens ist die Hausratversicherung die günstigere Lösung, insbesondere wenn mehrere Räder versichert werden sollen. Wer gar keinen oder nur wenig Hausrat versichert hat, aber ein teureres Fahrrad schützen möchte, kann eine spezielle Fahrradpolice abschließen. Der Markt ist übersichtlich, denn es gibt nur drei Anbieter: P&P, Enra und Wertgarantie. Alle drei bieten neben dem reinen Diebstahlschutz auch zusätzliche Reparaturpolicen an, die auch bei Unfall- und Vandalismusschäden zahlen. Bei Enra und Wertgarantie kann man selbst Verschleißschäden absichern. Das ist allerdings nicht ganz billig: Für ein 500 Euro-Rad liegen die Kosten bei über 100 Euro im Jahr, die Sache dürfte sich also höchstens für Vielfahrer lohnen.

 

Für die reine Diebstahlpolice muss man etwa zehn Prozent des Neuwerts ansetzen. Apropos Neuwert: Während die Hausratversicherung stets den Kaufpreis ersetzt – auch wenn das Rad erst Jahre später gestohlen wurde – zahlen die reinen Fahrradversicherungen nur den Zeitwert. Bei der P&P beispielsweise werden Jahr für Jahr fünf Prozent des Kaufpreises gekürzt, dafür sinkt aber auch der Beitrag. Die Komplettschutz-Angebote der anderen Versicherer werden dagegen stetig teurer, schließlich steigt auch die Verschleißanfälligkeit.       

 

Fazit: Vollkasko fürs Fahrrad dürfte sich kaum lohnen, der reine Diebstahlschutz dagegen schon eher. Wird das Rad stets im abgeschlossenen Keller oder gar in der Wohnung aufbewahrt, reicht übrigens auch eine ganz normale Hausratversicherung ohne zusätzlichen Fahrradschutz.  

Quelle: n-tv.de

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