Ratgeber

Multivitaminsäfte bei Warentest Fast alle sind enttäuschend

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Eckes brachte 1979 "Dr. Koch's Trink 10" auf den Markt. Mit dem Vorgänger kann "Hohes C" nicht mithalten.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Nach Apfel- und Orangensaft kaufen die Deutschen am liebsten Multivitaminsaft. Was vor drei Jahrzehnten als geschmackvolle Mischung verschiedener Säfte begann, ist heute bei vielen Herstellern aber nur noch ein Mix aus Konzentraten, Fruchtpüree und reichlich zugesetzten Vitaminen. Im aktuellen Test findet die Stiftung Warentest nur wenige Lichtblicke.

"Gesund kann so lecker sein", wirbt der Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie für Multivitaminsaft. Von einer "köstlichen Komposition aus frischen Früchten" ist da die Rede, die eine "Vielfalt wertvoller Vitamine" liefere. Die Stiftung Warentest kommt im neuen "Test"-Heft zu anderen Ergebnissen. Vitamine enthielten die 22 Testkandidaten zwar mehr als genug. Doch gesund seien die Säfte damit noch lange nicht. Gerade mal drei von ihnen befand die Stiftung für gut oder sehr gut. Sechsmal verteilte sie dagegen die Wertung "mangelhaft".

Was genau im Multivitaminsaft drin sein muss, ist nicht festgelegt. Wenn ein bestimmtes Vitamin auf der Packung steht, dann muss es aber in einer bestimmten Menge enthalten sein. Kein Problem für die Hersteller, schließlich werden die Vitamine ohnehin synthetisch hergestellt und zugesetzt. Die meisten setzen dabei auf einen Mix aus neun Vitaminen plus Provitamin A. Und sind dabei ziemlich großzügig: So fanden die Tester etwa in den Säften von Rewe und Bari dreimal so viel Folsäure wie auf dem Etikett angegeben – und das zum Ende der Mindesthaltbarkeit. Bei frisch abgefüllten Saft dürfte die Überdosierung noch deutlich höher liegen.

Zu viel des Guten

Doch das Motto "viel hilft viel" ist bei Vitaminanreicherungen zumindest umstritten. Zumal gar nicht klar ist, ob der Körper die konzentrierten synthetischen Vitamine genauso verwertet wie natürliche, die er erst aus der Nahrung herausfiltern muss. Einzelne Studien zeigen, dass gezielter Vitamineinsatz sogar kontraproduktiv sein kann. Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt jedenfalls vor der "unkontrollierten Aufnahme von Nährstoffen." Doch das ist gar nicht so einfach, nachdem inzwischen selbst Frühstücksflocken, Milchprodukte oder Süßigkeiten mit Extra-Vitaminen aufgehübscht werden. Nun muss niemand um seine Gesundheit fürchten, wenn er eine Flasche Multivitaminsaft trinkt. Auf lange Sicht sollte man sich aber mit einem Glas am Tag begnügen, rät die Stiftung Warentest.

Für viele Menschen sind die Vitamine aber ohnehin nur ein Nebeneffekt. Sie kaufen Multivitaminsaft, weil er ihnen schmeckt. Doch wer exotischen Gaumenkitzel erwartet, wird oft enttäuscht. Auch wenn auf den Etiketten eine Vielzahl von Früchten von Aprikose bis Papaya locken, enthalten die meisten Flaschen als Hauptzutat Apfel- und Orangensaft. Für den übrigen Fruchtmix werden bis zu 13 Obstsorten verarbeitet. Direktsaft, der gleich nach dem Pressen abgefüllt wird, ist aber eher die Ausnahme. Der Großteil der verwendeten Säfte stammt aus Konzentrat. Das muss kein Nachteil sein, schließlich werden die Säfte wieder rearomatisiert. Anders sieht es bei der Zutat "Fruchtsaftkonzentrat" aus. Das reine Konzentrat bekommt keine Aromen zurück, genausowenig wie Markkonzentrat, das aus pürierten Früchten gewonnen wird.

Direktsaft ist am besten

Im Labor haben die Tester überprüft, ob die Multivitaminsäfte alle Aromen enthalten, die sie laut Etikett enthalten müssten. Sechsmal fiel das Urteil negativ aus. So dürften sich etwa die Multis von Albi, Kaiser's Tengelmann, Bauer oder Bari eigentlich gar nicht "Fruchtsaft" nennen und schneiden deshalb "mangelhaft" ab. Selbst die Mutter aller Multivitaminsäfte kommt über ein "ausreichend" nicht hinaus:  Der Hohes C-Saft von Marktführer Eckes-Granini enthielt enttäuschend wenig Aroma. 

Wie gut Multivitaminsaft schmecken kann, zeigt dagegen der "11 plus 11" von Rabenhorst, der einzige mit dem Prädikat "sehr gut". Er ist der einzige unter den Kandidaten, der ausschließlich aus Direktsäften besteht. Einziger Mangel des Testsiegers ist sein Preis: Mit rund vier Euro pro Liter ist das Rabenhorst-Produkt auch der teuerste Saft im Test. Immerhin "gut" und deutlich günstiger ist Ameckes "intense Multivitamin" für 1,69 Euro. Viel Lob gab es für den fruchtigen Geschmack. Auch beim Discounter findet man "gute" Ware: Auf dem dritten Platz  landet der Fruchtstern Multivitaminsaft von Netto. Den Saft mit deutlicher Karottennote gibt es für nur 95 Cent pro Liter.

Quelle: ntv.de, ino