Ratgeber

Zu viel, zu wenig, zu lange, zu schlecht Fehler beim Versichern

Ob Hausrat, Auto oder Haftpflicht - kaum jemand liest das Kleingedruckte bei Versicherungen und noch weniger verstehen es auch. Dabei können Kunden schon beim Abschluss in zahlreiche Fallen tappen. Hinterher allerdings auch.

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Ein Sicherheitsnetz muss nicht immer sein.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Einer der größten Fallstricke ist ganz banal: Versicherte sollten darauf achten, was sie überhaupt für eine Absicherung brauchen. Wenn ein elektronisches Gerät kaputt geht, ist das zwar ärgerlich und kann teuer werden, ist aber kein Beinbruch. "Wichtig ist, dass das wirkliche Drama abgesichert ist, das einen in den Ruin treibt", sagt Kerstin Becker-Eiselen von der Verbraucherzentrale Hamburg. In erster Linie sollten unvorhersehbare, nicht beeinflussbare und große Schäden abgesichert werden. Wer sich dabei von Versicherungsvertretern beraten lässt, sollte sich nicht unter Druck setzen zu lassen. "Angst ist eine ganz beliebte Masche", sagt Becker-Eiselen.

Vorsicht sollte man auch bei der sogenannten Umdeckung einer Versicherung walten lassen, sagt Hajo Köster vom Bund der Versicherten. Steigt ein Kunde etwa aus seiner Lebensversicherung vorzeitig aus, entstehen hohe Kosten. Schließt er dann eine neue Versicherung zu vermeintlich besseren Bedingungen ab, zahlt er erneut Gebühren.

Außerdem sollte man bei Sachversicherungen wie Hausrat oder Haftpflicht nicht auf Mehr-Jahres-Policen hereinfallen, die erst nach mehreren Jahren Laufzeit kündbar sind. Zu lange Bindungen sind aber ungültig, auch wenn sie im Vertrag vereinbart sind. Auch wenn das Versicherungsunternehmen etwas anderes erzählt: "Die Verträge sind nach Ablauf von drei Jahren kündbar", weiß Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Risiken prüfen

Was grundsätzlich für jede Versicherung gilt, müssen sich vor allem Verbraucher zu Herzen nehmen, die eine Haftpflichtversicherung abschließen wollen: Man sollte sich genau seine Risiken überlegen und anschauen, welcher Tarif dazu exakt passt. Ein Fallstrick bei Haftpflichtversicherungen kann nämlich etwa sein, dass Schäden, die beaufsichtigte Kinder anrichten, nicht mitversichert sind. Dafür gibt es teilweise extra Versicherungen, sagt Weidenbach.

Doch auch wenn eine Versicherung schon abgeschlossen ist, lauern noch Stolpersteine. Denn Unternehmen passen die Bedingungen von Zeit zu Zeit an. In solchen Fällen können Kunden prüfen, ob es sich möglicherweise lohnt, den alten Vertrag zu kündigen, weil die neuen Bedingungen besser sind. Manchmal ist es aber auch genau andersherum: Gerade bei Rechtsschutzversicherungen seien die alten Bedingungen oft besser, sagt Weidenbach. In einem solchen Fall lohnt es sich also, die Police zu behalten.

Ein weiterer allgemeiner Fallstrick bei Versicherungen kann das Ende des Versicherungsjahres sein. Früher waren zum Beispiel Autoversicherungen meist zum 31. Dezember kündbar - auch wenn man die Versicherung erst im Mai abgeschlossen hat. Mittlerweile haben viele Autoversicherer ihre Bedingungen geändert. Schließen Verbraucher am 1. März eine Autoversicherung ab, endet sie inzwischen häufig am 30. April des darauffolgenden Jahres. Um rechtzeitig kündigen zu können, sollte man das Versicherungsjahr genau kennen. "Das ist vor allem für die Verbraucher interessant, die während des Jahres eine Versicherung abschließen", sagt Weidenbach.

Manche Klauseln sind veraltet

Einen genauen Blick in die Bedingungen sollten Verbraucher werfen, die den Diebstahl ihres Fahrrads über die Hausratversicherung abgesichert haben. Einige ältere Verträge weisen noch eine sogenannte "Nachtklausel" auf. Die greift, wenn das Fahrrad zwischen 22.00 Uhr abends und 6.00 Uhr gestohlen wird und es nicht im Fahrradkeller, der Wohnung oder der Garage stand. War es über Nacht an einem anderen Ort abgestellt, springt die Versicherung nicht ein.

Die Finger sollten Kunden nach Ansicht von Verbraucherschützern von Berufsunfähigkeitsversicherungen lassen, die an eine kapitalbildende Lebensversicherung gekoppelt sind. "Das ist eine ungünstige Konstruktion", sagt Becker-Eiselen. Denn sollte sich das Leben anders entwickeln als bislang geplant und sollte man die Versicherung deswegen nicht mehr zahlen können, kürzt oder streicht man nicht nur die kapitalbildende Lebensversicherung, sondern auch die Berufsunfähigkeitsversicherung.

Vor einem Abschluss sollten sich Verbraucher daher erst mal selbst schlau machen und sich gegebenenfalls auch unabhängige Hilfe suchen. "Hören Sie nicht auf Vermittler und Freunde", rät Becker-Eiselen. Ausschlaggebend sind die Tarife und deren Bedingungen.

Quelle: ntv.de, dpa