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Kommt das Recht auf Heimarbeit? Homeoffice - das gilt bisher

In Deutschland hat der Arbeitgeber in Sachen Home-Office ein Mitspracherecht. Foto: Daniel Naupold

Homeoffice ist ja mal ganz nett ...

(Foto: dpa)

Bisher wurde das Arbeiten von daheim von der Chefetage meist eher zähneknirschend als gelegentliche Extrawurst geduldet. Das Coronavirus zwingt nun Heerscharen von Arbeitnehmern zur Heimarbeit. Weil das so gut klappt, soll es jetzt per Gesetz ein Recht darauf geben.

Was zuvor von Arbeitgeberseite kritisch beäugt wurde, klappt derzeit ziemlich gut: das Arbeiten zu Hause. Schätzungen zufolge hat sich die Homeoffice-Quote durch die Corona-Kise in Deutschland verdoppelt.

Nun nimmt Bundesarbeitsminister Hubertus Heil den von Arbeitnehmerseite in der Corona-Krise geleisteten Einsatz zum Anlass und möchte ein Recht auf Homeoffice für Beschäftigte per Gesetz festschreiben. "Wir lernen in der Pandemie gerade, wie viele Arbeiten heutzutage von zu Hause erledigt werden können. In der Corona-Krise ist die Zahl der Arbeitnehmer im Homeoffice ersten vorsichtigen Schätzungen zufolge von 12 auf 25 Prozent aller Beschäftigten gestiegen. Das wären acht Millionen Männer und Frauen, die ihren Job gerade von zu Hause aus erledigen", sagte Heil der "Bild am Sonntag". Wo es betrieblich möglich sei, solle jeder Arbeitnehmer das Arbeiten von zu Hause einfordern können. "Man darf entweder komplett auf Homeoffice umsteigen oder auch nur für ein oder zwei Tage die Woche", sagte Heil weiter.

Wie sieht die Sache bisher aus?

Klingt ganz gut. Doch wie sieht die Sache bisher aus? Das Homeoffice ist eine Betriebsstätte des Arbeitgebers. Ob er die einrichtet oder nicht, ist seine eigene unternehmerische Entscheidung. Was wiederum sein Gründe hat, denn durch die Heimarbeit seiner Mitarbeiter kommen für den Arbeitgeber auch Kosten und Risiken hinzu.

Einen Rechtsanspruch auf die Einrichtung eines Heimarbeitsplatzes gibt es hierzulande - anders als etwa in den Niederlanden - nicht. Es sei denn, es gibt einen Tarifvertrag oder eine Betriebsvereinbarung mit entsprechenden Regeln. 

Arbeitnehmer gehen in Vorleistung

Derzeit ist vor allem bei den Arbeitnehmern Flexibilität und Improvisation gefragt, um Laptop, Computer und das Zuhause in Eigenregie zum Arbeitsplatz umzufunktionieren. Da fällt dann schon mal unter den Tisch, dass der Arbeitgeber eigentlich vertraglich dazu verpflichtet ist, dem Mitarbeiter den Heimarbeitsplatz komplett auszustatten: Computer oder Notebook mit Dockingstation, Bildschirm, Tastatur und Maus. Auch Schreibtisch und Bürostuhl können vertraglich vereinbart werden.

Der Arbeitgeber muss sogar eigentlich darauf achten, dass alle Arbeitsschutzauflagen eingehalten werden - wie im Unternehmen selber. So dürfen keine Kabel quer im Zimmer liegen und es muss ein Raum mit Tageslicht vorhanden sein. Stellt der Arbeitgeber keine Arbeitsmittel zur Verfügung, besteht grundsätzlich ein Anspruch des Arbeitnehmers auf Erstattung der mit der Einrichtung des Arbeitsplatzes verbundenen Kosten - auch zum Beispiel für verbrauchten Strom.

Bisher sind die Arbeitnehmer zumeist in Vorleistung gegangen und es ist insofern nicht ganz abwegig, aus dem erbrachten Vertrauensbeweis einen Anspruch auf Homeoffice einzufordern. Arbeitgeber sind derzeit ohnedies gezwungen, ihre Vorbehalte und Sorgen wegen möglicher Produktivitätseinbußen der Mitarbeiter und mangelnder Kontrolle ruhen zu lassen. Denn egal wie: Hauptsache, der Laden läuft.

Augen auf bei der Berufswahl

Abgesehen davon gilt auch beim Arbeiten vor Ort, dass Anwesenheitszeit nicht automatisch auch Arbeitszeit bedeutet. Und so ist das Erscheinen im Büro nicht immer mit einer erbrachten Arbeitsleistung gleichzusetzen. Drückeberger gibt es sowohl im Betrieb oder auch im Homeoffice. Tendenziell dürfte die Quote bei den Heimarbeitern vermutlich sogar etwas geringer sein. Wollen sie doch oft genug beweisen, dass das ihnen gezeigte Vertrauen gerechtfertigt ist. Da wird dann schon mal das eine oder andere Stündchen rangehängt. Stichwort Selbstausbeutung. Ein gesetzlicher Anspruch auf die derzeitige Extrawurst würde vielleicht auch ein zu viel an Pflichterfüllung wieder zurück in vernünftigere und gesündere Bahnen lenken.

Das Argument, dass nicht alle Berufsgruppen von einem Recht auf Homeoffice profitieren könnten, ist nicht von der Hand zu weisen. Für Baggerfahrer, Krankenschwestern, Friseure, Ärzte oder Supermarktmitarbeiter ist das nicht umzusetzen. Aber vielleicht ließe sich dies ja durch einen kleinen Bonus vom Chef ausgleichen. Mal abgesehen davon, was der in schwierigen Zeiten neben dem regulären Lohn sonst noch alles bezahlen soll, gilt im Zweifelsfall aber für den Arbeitnehmer: Augen auf bei der Berufswahl - was zugegebenerweise für Nicht-Homeoffice-taugliche Berufe wenig tröstlich ist.

So oder so, für Arbeitgeber bietet sich gerade jetzt die Chance, auch in Zukunft der eigenen Mannschaft flächendeckend Vertrauen und Wertschätzung ihrer Arbeit zu zeigen. Was dann so was wie die Königsdisziplin von Führung wäre - auch ganz ohne Gesetz.

Quelle: ntv.de