Ratgeber

Effektivzins ist nicht alles Kostentreiber bei Ratenkrediten

Banken und Sparkassen dürfen bei Ratenkrediten zwar nicht mehr mit schöngerechneten Zinsangeboten locken, doch trotzdem lauern nach wie vor Kostenfallen, die den Kredit deutlich verteuern können.

Seit Juni dieses Jahres ist die neue Verbraucherkreditrichtlinie in Kraft. Sie sollte Verbesserungen für den Kunden bringen und Kreditangebote leichter vergleichbar machen. Vor allem sollten Banken und Sparkassen Kunden nicht mehr mit Lockzinsangeboten ködern dürfen, die ohnehin fast niemand bekommen hat.

Kreditanbieter müssen eine Zwei-Drittel-Regelung beachten. Das heißt, der Kunde darf erwarten, dass mindestens zwei Dritteln der aufgrund der Werbung zustande gekommenen Verträge den angegebenen oder einen niedrigeren Effektivzinssatz beinhalten. "Dabei darf nicht mehr irgendein schön gerechnetes Beispiel verwendet werden", so Andrea Heyer von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt.

Grundsätzlich gilt damit, dass der Effektivzinssatz bei Ratenkrediten als Vergleichskriterium herangezogen werden kann. Der Effektivzinssatz setzt sich im Wesentlichen aus dem Nominalzinssatz und den Bearbeitungsgebühren zusammen. Die Bearbeitungsgebühren können es teilweise ganz schön in sich haben. So verlangt beispielsweise die Santander Bank 3,5 Prozent des Kreditbetrages als Bearbeitungsgebühr, Deutsche Bank, Postbank und Targo-Bank sind mit drei Prozent dabei.

Bearbeitungsgebühr verteuert vorzeitige Rückzahlung

Die Bearbeitungsgebühr wird in der Regel auf den Kreditbetrag mit aufgeschlagen und über die gesamte Laufzeit mit finanziert. Bei einer vorzeitigen Rückzahlung des Kredits macht dies einen Unterschied im Vergleich zu Banken aus, die auf eine zusätzliche Gebühr verzichten, denn die Bearbeitungsgebühr muss unabhängig von der verkürzten Vertragslaufzeit in voller Höhe beglichen werden.

Die neue Verbraucherkreditrichtlinie ermöglicht bei Ratenkrediten jederzeit eine Sondertilgung oder auch die vollständige Rückzahlung des Kredits. Das hört sich zunächst zwar gut an, ist aber mit Kosten verbunden. Das Kreditinstitut darf in diesem Fall eine Vorfälligkeitsentschädigung berechnen. "Diese ist aber nach oben gedeckelt", sagt Heyer. Sie darf ein Prozent des vorzeitig zurückgezahlten Betrags nicht überschreiten, sofern der Vertrag noch wenigstens ein Jahr laufen sollte. Bei kürzeren Laufzeiten darf die Entschädigung nur 0,5 Prozent betragen. Nach altem Recht konnte man nach Ablauf von sechs Monaten mit einer Frist von drei Monaten ohne Kosten kündigen. Eine wirkliche Verbesserung stellt die neue Regelung also nicht dar. Immerhin verzichten einige Banken auf eine Vorfälligkeitsentschädigung.

Kostenexplosion durch Restschuldversicherung

Eine besondere Falle bei Ratenkrediten stellt die Restschuldversicherung dar, die Banken und Sparkassen meist obligatorisch mit anbieten. Je nach Vertragsgestaltung können bei der Restschuldversicherung einzelne Elemente oder das komplette Spektrum abgesichert werden. Auf den ersten Blick mag das eine logische Kreditergänzung sein, auf den zweiten Blick ist die Restschuldversicherung aber eher für die Banken ein prima Zusatzgeschäft.

Vielen ist nicht klar, wie teuer die Restschuldversicherung ist. Auch wenn sie dem Kunden als Paket zusammen mit dem Kreditvertrag verkauft werden, handelt es sich bislang noch um zwei unabhängige Verträge, die in den Effektivzinssatz nicht mit einbezogen wird. Würde man diese in den effektiven Jahreszins mit einberechnen, würde so mancher sein blaues Wunder erleben. Das zeigt ein Modellfall der FMH-Finanzberatung für einen Ratenkredit über 10.000 Euro mit 36-monatiger Laufzeit. Die Kosten einer Versicherung liegen je nach Anbieter zwischen 500 und 950 Euro. Würde die Restschuldversicherung im Effektivzins berücksichtigt, würde dieser teilweise auf über 15 Prozent klettern – ohne Restschuldversicherung liegt er etwa halb so hoch.

Der Nutzen der Restschuldversicherung ist eher fragwürdig. So zahlt diese beispielsweise im Fall einer Arbeitslosigkeit erst nach mehrwöchiger Karenzzeit und auch nur ein bis eineinhalb Jahre lang. Verbraucherschützer raten daher bei Ratenkrediten in der Regel von einer Restschuldversicherung ab.

Vergleichsrechner - Ratenkredite

Quelle: n-tv.de

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