Ratgeber

Versicherungen in Zugzwang Kunden sehen alle Kosten

Geahnt haben es wohl viele, aber Schwarz auf Weiß werden die Zahlen so manchen Verbraucher dann wohl doch schockieren: Von Juli an müssen Versicherungen ihren Kunden die Abschluss- und Verwaltungskosten genau vorrechnen.

Die Beträge müssen sie dann in Euro und Cent nennen. Und diese Summen sind häufig deutlich höher, als viele Verbraucher erwarten. Dennoch werden Verbraucher nach Expertenmeinung langfristig profitieren, denn die Vergleichbarkeit hat schon jetzt erste Kostendrücker unter den Anbietern hervorgebracht.

Damit Verbraucher wissen, welche Zahlen von Juli an auf sie zukommen, rechnet Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart schon einmal vor: Versicherungsunternehmen berechnen nach seinen Worten zum Beispiel bei einer Lebensversicherung im Schnitt vier Prozent der Abschlusssumme als Abschlusskosten. Bei einer Einzahlung von 100.000 Euro entstehen also Kosten von 4000 Euro, die vom eingezahlten Vermögen abgezogen werden.

"Kosten-Flatrate"

Im Vergleich dazu ist ein neues Angebot deutlich günstiger. Zumindest eine Versicherung bietet schon eine Lebensversicherung mit "Kosten-Flatrate" an, wenn ein größerer Einmalbeitrag als monatliche Rente ausgezahlt werden soll: 300 Euro Abschlusskosten pro Vertrag und Verwaltungskosten von 60 Euro pro Jahr fallen den Angaben nach an. Hintergrund sei die neue Informationspflicht.

Aus Verbrauchersicht sei das zu begrüßen, denn die Kosten sind so auf einen Blick klar zu erkennen, sagt Nauhauser. Er rechnet damit, dass weitere Versicherungen dem Beispiel folgen werden. Er weist aber zugleich darauf hin, dass Verbraucher Kosten schon durch die Wahl einer günstigeren Geldanlage sparen können. Anstatt einer monatlichen Rente aus einer zuvor abgeschlossenen Rentenversicherung mit "Kosten-Flatrate" komme auch ein Auszahlplan für ein angespartes Vermögen infrage.

Teils kostenfrei bei Banken

Verschiedene Banken bieten so etwas an, allerdings können sich Verbraucher auch selbst helfen. "Kostenfrei ist auch das Tagesgeldkonto. Von diesem Konto kann man sich zum Beispiel jährlich eine bestimmte Summe aufs Girokonto überweisen lassen", sagt Nauhauser. Eine solche Lösung erfordert allerdings Disziplin und habe im Vergleich zur Lebensversicherung einen Nachteil: Das Geld auf dem Tagesgeldkonto reicht nicht in jedem Fall bis zum Lebensende - bei einer Lebensversicherung besteht diese Sicherheit.

Auch der Bund der Versicherten in Henstedt-Ulzburg bei Hamburg rechnet damit, dass die Informationspflicht zu sinkenden Kosten für die Verbraucher führen wird. Vor allem Direktversicherer, die ohne großen Vertrieb auskommen und ihre Produkte im Internet anbieten, könnten hier vergleichsweise günstige Angebote machen. Vorstandsmitglied Thorsten Rudnik rät Versicherungskunden allerdings, nicht allein auf die Kosten zu schauen: "Die Kosten sind nur ein kleiner Baustein."

Rudnik weist darauf hin, dass sich die neuen Informationspflichten auch auf die Versicherungsleistungen beziehen. So müssten die Unternehmen ihren Kunden künftig alle wesentlichen Merkmale der Police in verständlicher Sprache auf zwei Seiten erläutern. "Das ist eine deutliche Verbesserung. Bisher waren wichtige Informationen häufig irgendwo im Vertrag versteckt."

Quelle: ntv.de

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