Ratgeber

Aktien und Internet Kursmanipulation mit Spam

Eine wahre Spam-Flut überschwemmt derzeit die Postfächer von Internetnutzern. In den E-Mails ist von "Kursraketen" die Rede, von Aktien, die man jetzt unbedingt kaufen solle, weil sie schon in wenigen Tagen angeblich dreimal soviel wert seien. Das klingt nach Betrug. Und tatsächlich stecken hinter diesen Empfehlungen professionelle Organisationen, die gezielt Börsenkurse von Penny Stocks - also Aktien mit sehr geringem Wert - manipulieren wollen, um sie selbst zum richtigen Zeitpunkt für viel Geld wieder zu verkaufen.

"Front Running" heißt die Methode, nach der das riskante Spiel mit den Aktien funktioniert, wie Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz erläutert: "Der Mechanismus ist einfach: Vorkaufen, Anpreisen, Verkaufen." Die Absender der E-Mails kaufen also die Billig-Aktien, preisen ihren Wert dann in Millionen von Mails an und hoffen, dass genug Leute auf diese Werbung reagieren und ihrerseits die Aktien kaufen. Der massenhafte Aufkauf pusht den Wert nach oben, und die Urheber dieser Investitionsblase können ihre Aktien mit hohen Gewinnen wieder verkaufen. Das Prinzip des Front Running ist nicht neu, so Kurz, aber "die Möglichkeit von Spam-E-Mails haben es aber in eine neue Dimension katapultiert".

Gepushte Aktienkurse - bis die Blase platzt

Ein extremes Beispiel hierfür ist das amerikanische Minen-Unternehmen De Beira Goldfields. Mit einem bilanzierten Barvermögen von rund 46.000 US-Dollar erreichte es plötzlich einen astronomischen Börsenwert von 600 Millionen US-Dollar. Auslöser waren Spam-E-Mails und anschließende Gerüchte in Diskussionsforen des Internets.

Ein Blick auf den Chart macht es deutlich: Noch im März vergangenen Jahres dümpelte der Kurs im Cent-Bereich. Im Mai deckten sich Spammer mit Aktien ein und verschickten dann abertausende von Mails. Der Kurs schoss um über 1000 Prozent in die Höhe und erreichte einen Spitzenwert von knapp zwölf Euro. Dann stießen die Spammer ihre Anteile wieder ab - in kürzester Zeit war die Aktie wieder so wertlos wie vorher.

Das Prinzip funktioniert. Börsenmakler Dirk Müller hat bereits öfter beobachtet, dass nach Spam-Aktionen die Kurse steigen. Denn ganz anders als bei Dax-Werten handelt es sich hier um marktenge Wertpapiere mit geringem Börsenumsatz und niedriger Marktkapitalisierung des Unternehmens. Müller rät von solchen Investitionen daher ab.

Denn ist beispielsweise ein Stop-Bereich erreicht - also das von Anlegern festgelegte Preisniveau, bei dem sie ihre Aktien wieder abstoßen wollen - oder steht das Papier nicht mehr im Fokus der Aufmerksamkeit, kann es kritisch werden. "Wenn der Anleger jetzt seine Aktien verkaufen möchte, stellt er womöglich fest, dass das gleichzeitig auch viele andere tun", beschreibt Müller das Problem. Dann aber fehlt die breite Masse, die bereit ist, im Gegenzug das Papier aufzukaufen. Die Folge: Der Kurs bricht dramatisch ein. "Dieses Risiko muss jeder vor Augen haben, der sich hier engagiert", so Müller.

Hoffnung auf das schnell verdiente Geld

Vor kurzem hatten Spammer die Popnet AG im Visier. Das Unternehmen zählte einst zu Deutschlands bedeutendsten Multimedia-Agenturen. Während des Börsen-Hypes stieg der Aktienkurs zeitweise auf über 90 Euro. Doch als die Blase platzte, schlitterte das Unternehmen in die Insolvenz. Die Aktie wird immer noch gehandelt und ist nicht einmal mehr zehn Cent wert. Gering genug also für Trittbrettfahrer, um mitzocken.

Kurz ist überzeugt: "Das Gros der Leute, die auf diese Spams einsteigen, durchschauen das Prinzip" Seiner Ansicht nach hoffen sie einfach, schnell genug zu sein, um selbst ein paar Prozent daran zu verdienen. Natürlich aber wollen sie nicht unter denjenigen sein, die Verluste machen, wenn schließlich der Kurs einbricht - und das passiert zwangsläufig.

Unbedarfte Anleger sehen in einem solchen Fall ihr Geld nie wieder. Mit dem Hinweis, dass sie selbst Anteile der empfohlenen Aktie halten, sichern sich einige Spammer inzwischen sogar rechtlich ab. Für den Anleger gibt es wenig Aussicht, dagegen juristisch vorzugehen, schätzt Kurz die Situation ein: "Zum einen müssen Sie erstmal denjenigen kriegen, der die Spams verschickt. Und dann müssen Sie nachweisen, dass er Sie mit Vorsatz geschädigt hat."

Die beste Lösung ist ein guter Spam-Filter. Und sollte es ein heißer Aktientipp doch mal auf den Bildschirm geschafft haben: Das Beste ist, ihn einfach zu löschen.

Quelle: n-tv.de