Ratgeber

Finanzwelt spielt verrückt Pandemie kann Weg ins Eigenheim ebnen

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Für alle, die nach wie vor einen sicheren Job haben, kann es sich daher lohnen, in der Krise zu kaufen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Anders als erwartet, lässt die Corona-Pandemie die Zinsen nicht steigen, sondern sinken. Auch der Immobilienmarkt bleibt überraschend stabil. Für Kaufinteressenten sind dies gute Nachrichten.

Deutschland stemmt sich mit einem beispiellosen Hilfsprogramm gegen die Folgen der Corona-Krise. Das macht Mut. Und doch erweist sich die viel beschworene "neue Normalität" bei genauerem Hinsehen als ganz schön verrückt. Vor allem auf den Finanzmärkten.
Um das Ausmaß der Absonderlichkeiten zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die bisherigen Auswirkungen der Krise.

Kapitalmarkt

Zu Beginn der Krise stürzten die Börsen weltweit auf ein historisches Tief. Viele argwöhnten, es könne Jahre dauern, bis dieser Schock verwunden sei. Heute, gut zwei Monate später sind die Kurse fast wieder auf dem Vorkrisen-Niveau angekommen.

Festgeldzinsen

Auch bei den klassischen Geldanlagen sind die Effekte der Krise bislang überschaubar. Zwar haben sich die Zinsen bei einzelnen Banken zwischendurch leicht erhöht. Doch auch dieser Trend dreht sich schon wieder.

Bauzinsen

Sie erreichten zu Corona-Beginn (Anfang März) zunächst einen neuen Tiefststand, danach stiegen sie leicht an. Mit 0,15 Prozentpunkten ist die Erhöhung aber überschaubar, zumal sich auch hier eine Trendumkehr abzeichnet: Dank der fallenden Rendite für die zehnjährige Bundesanleihe – aktuell liegt sie nur noch knapp über minus 0,5 Prozent – dürften sich auch die Zinsen für Baukredite bald wieder etwas nach unten bewegen.

Alte Gewissheiten gelten nicht mehr

Die Entwicklungen sind deshalb so bemerkenswert, weil sie nahezu allen Erfahrungen aus vorangegangenen Krisen widersprechen. Wenn die Bundesrepublik in einem noch nie dagewesenen Ausmaß neue Schulden macht, sollte die Rendite der Bundesanleihe eigentlich steigen – und mit ihr die Zinsen für Baudarlehen. Warum wir aktuell die gegenteilige Entwicklung sehen, darüber lässt sich nur spekulieren.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Eine plausible Erklärung wäre, dass die Anleger weltweit ein enormes Bedürfnis nach Sicherheit verspüren und deshalb weiterhin dem deutschen Staat vertrauen. Dass sie dafür sogar Verluste in Kauf nehmen, lässt überdies den Schluss zu, dass es anderen Ländern – auch in der EU – noch deutlich schlechter geht als der Bundesrepublik.

Viele, aber nicht alle leiden unter der Krise

Relativ unbeeindruckt von der Krise zeigt sich auch der Immobilienmarkt. Die Nachfrage nach Häusern und Wohnungen ist unverändert hoch. Diese Entwicklung ist auch für mich überraschend – ich hätte zumindest mit einer leichten Delle und leicht sinkenden Preise gerechnet.

Doch offenbar war die Nachfrage in der Vor-Corona-Zeit so hoch, dass es nicht ins Gewicht fällt, wenn einzelne Kaufinteressenten nun einen Rückzieher machen. Das eine oder andere Objekt mag inzwischen zwar etwas länger auf dem Markt bleiben als noch 2019. Auf die Preise hat sich das bislang jedoch nicht ausgewirkt.

Für alle, die nach wie vor einen sicheren Job haben, kann es sich daher lohnen, in der Krise zu kaufen: Stabile Immobilienpreise und leicht fallende Bauzinsen, besser kann es fast nicht sein. Oder doch?

Ich halte es für möglich, dass die Zinssätze noch einmal leicht sinken, könnte mir aber auch den gegenläufigen Trend vorstellen. Solche kleinen Korrekturen sollten Interessenten bei der Kaufentscheidung aber nicht beeinflussen.

Bei einem durchschnittlichen Kaufpreis von 450.000 Euro und einem Darlehensbetrag von 300.000 Euro kosten 0,05 Prozent Zinsunterschied pro Monat gerade einmal 12,50 Euro mehr. Innerhalb von 15 Jahren macht das einen Unterschied von 1.865 Euro bei der Restschuld aus. Das ist mehr als überschaubar. Und selbst wenn sich der Zinssatz während der Zeit der Objektauswahl um 0,15 Prozent verändern würde, wäre der Unterschied mit 37,50 Euro pro Monat und 5.643 Euro nach 15 Jahren gut zu verschmerzen. In Relation zu den oben genannten Durchschnittspreisen und Darlehenshöhen aus der Statistik von 825.000 Nutzern der FMH-Baugeldvergleiche im Jahr 2020 sind dies fast vernachlässigbare Beträge.

Interessenten, die sich einen Überblick über die derzeitigen Zinsen, Kosten und die sich daraus ergebenden Restschulden am Ende der Zinsbindung verschaffen wollen, können die kostenlosen Baugeldvergleiche nutzen, die die FMH täglich aktualisiert. Die dort errechneten Zinsen und Belastungen sind so intensiv recherchiert, dass jeder Nutzer diese ausgewiesenen Zinsen auch bekommen muss – nicht soll. Einzige Voraussetzung dafür ist die Werthaltigkeit des Objektwertes und ein Einkommen, das die errechneten Raten rechtfertigt.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Quelle: ntv.de