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Mit dem Dienstfahrrad unterwegs Private Nutzung versteuern

Wer ein Dienstfahrrad auch privat nutzt, sollte aufpassen: Es gilt als geldwerter Vorteil - und dieser muss versteuert werden. Foto: Tobias Hase

Wer ein Dienstfahrrad auch privat nutzt, sollte aufpassen: Das gilt als geldwerter Vorteil und dieser muss versteuert werden.

Auf dem Weg zur Arbeit nicht mit dem Auto im Stau stehen, sondern mit dem Fahrrad vorbeisausen: Das bringt Pendlern nicht nur einen Zeitvorteil, sie tun auch etwas für ihre Gesundheit. Bei einem Dienstfahrrad muss steuerlich allerdings einiges beachtet werden.

Ein gutes Fahrrad ist nicht ganz billig, erst recht, wenn es ein Rennrad oder E-Bike sein soll. Günstiger wird es, wenn der Arbeitgeber das Rad für seinen Beschäftigten besorgt. Anschaffungs- sowie laufende Kosten oder auch Leasing-Raten kann das Unternehmen in dem Fall als Betriebsausgaben absetzen. Steuerlich ist das Dienstfahrrad dem Dienstauto seit dem Jahr 2012 gleichgestellt. Das bedeutet, dass der Arbeitnehmer etwa mit einem Elektrorad zur Arbeit fahren und in seiner Freizeit ins Grüne radeln kann.

"Für die private Nutzung müssen Arbeitnehmer beim Dienstrad wie beim Dienstwagen auch ein Prozent des Listenpreises als geldwerten Vorteil versteuern", sagt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler Deutschland. Dabei wird die Bruttoneupreisempfehlung auf volle 100 Euro abgerundet. Ein Beispiel: Der Arbeitgeber stellt seinem Beschäftigten ein Pedelec mit einer Geschwindigkeit bis 25 km/h zur Verfügung. Der Neupreis liegt bei 2000 Euro. Das sind für den Arbeitnehmer monatlich 20 Euro (ein Prozent von 2000 Euro) als geldwerter Vorteil auf sein Gehalt obendrauf. Dieser Betrag muss versteuert werden, Sozialversicherung wird darauf ebenfalls fällig. Dafür darf der Beschäftigte das Rad auch privat nutzen - und es auch seinen Angehörigen überlassen.

Ergibt die Fahrtenbuch-Variante Sinn?

Statt der Ein-Prozent-Pauschale kann der Arbeitnehmer auch ein Fahrtenbuch führen. Dann müssen alle Kosten rund ums Fahrrad aufgeschrieben und die privat gefahrenen Kilometer herausgerechnet werden. "Die Fahrtenbuch-Variante ist dann sinnvoll, wenn das Dienstrad nur in geringem Umfang privat genutzt wird oder nur geringe Kosten anfallen", erklärt Cornelia Metzing von der Bundessteuerberaterkammer. Wird das Dienstrad oft privat genutzt, dann ist wegen des Aufwands ein Fahrtenbuch nicht praktikabel.

Wer täglich mit dem Dienstrad von der Wohnung zur Arbeit fährt, kann für jeden Entfernungskilometer 30 Cent als Werbungskosten beim Fiskus geltend machen. Sind es acht Kilometer bis zur Arbeit, dann kommt bei 220 Arbeitstagen im Jahr eine Summe von 528 Euro zusammen. "Steuerlich hat das Dienstrad gegenüber dem Firmenwagen sogar einen Vorteil", so Metzing. Anders als beim Dienstauto müssen Arbeitnehmer beim Dienstrad für den Weg von der Wohnung zur Arbeit keinen Aufschlag von 0,03 Prozent pro Entfernungskilometer versteuern.

Aber Achtung: E-Bikes und Pedelecs mit einer höheren Geschwindigkeit als 25 km/h sind Kraftfahrzeuge. "Daher gelten für solche Räder die steuerlichen Regeln für Kfz", so Klocke. Darüber hinaus können Unternehmen Dienstfahrräder auch leasen. Leasingnehmer sollte der Arbeitgeber sein. Die Laufzeit beträgt laut Klocke üblicherweise drei Jahre. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollten in einem Überlassungsvertrag das Fahrrad-Leasing vereinbaren - und darin auch die private Nutzung festschreiben.

Barlohnumwandlung als Alternative 

Oft stellt sich die Frage, wer die Leasing-Raten stemmt. Aus Sicht des Verkehrsclubs VCD sollte der Arbeitgeber die Kosten tragen oder sich zumindest spürbar beteiligen. "Denkbar ist auch, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer je die Hälfte der Rate zahlen", erläutert Anika Meenken, Referentin für Radverkehr beim VCD. Beide Seiten können sich auch auf eine Barlohnumwandlung verständigen. Dabei erhält der Arbeitnehmer anstelle eines Teils des Gehalts als Sachlohn ein Dienstrad, das auch privat genutzt werden darf.

Bei dieser Barlohnumwandlung zieht der Arbeitgeber die Leasingrate sowie die Versicherungsprämie vom monatlichen Bruttolohn ab. Hinzugerechnet wird ein Prozent des Listenpreises als geldwerter Vorteil für die private Nutzung des Dienstrads. Im Ergebnis muss der Arbeitnehmer etwas weniger Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge zahlen. "Arbeitnehmer sollten genau durchrechnen, ob sich die Barlohnumwandung wirklich rechnet", rät Klocke.

Nicht nur, dass durch die Barlohnumwandlung das Nettogehalt geringer ausfällt. Diese Kürzung hat eventuell auch Auswirkungen auf Lohnersatzleistungen wie Kranken- und Elterngeld. Zudem zahlen sowohl Beschäftigte als auch Arbeitgeber dadurch weniger Sozialversicherungsbeiträge. "Dies hat jedoch gleichzeitig zur Folge, dass der Arbeitnehmer weniger Ansprüche in der Arbeitslosen-, Kranken-, Pflege und Rentenversicherung erwirbt", merkt Klocke an.

Aber welches Rad eignet sich überhaupt als Dienstfahrrad? Das können im Prinzip alle Fahrradtypen sein. "Das Rad sollte individuell ausgewählt sein", betont Meenken. In jedem Fall profitiert aus ihrer Sicht auch der Arbeitgeber: "Arbeitnehmer, die mit dem Rad zur Arbeit fahren, sind im Schnitt ein bis zwei Tage im Jahr weniger krank und insgesamt fitter als Autofahrer." Und nicht zu vergessen: Arbeitgeber sparen möglicherweise die Kosten für einen Pkw-Stellplatz.

Quelle: n-tv.de, Sabine Meuter, dpa

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