Ratgeber
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Dienstag, 10. Juni 2014

Sportwette bei der Bank: Rote Karte für WM-Finanzprodukte

Zur Fußball-Weltmeisterschaft werden selbst Banken zu Buchmachern. Sie versprechen: Je besser die deutsche Mannschaft im Turnier abschneidet, desto höher fällt letztlich der Zins aus. Das Problem: Viel Geld lässt sich so nicht verdienen.

Alle vier Jahre gibt es sie wieder: Den "Weltmeister-Bonus", das "WM-Anlagefieber", oder das "WeltmeisterSparen". Wie vor jeder WM locken Banken wieder Neukunden mit dubiosen Finanzprodukten, deren Zinsen vom Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft abhängig ist. Die Stiftung Warentest hat die Angebote genauer untersucht und kommt zu einem eindeutigen Urteil: Für die Geldanlage taugen die Fan-Anlagen nicht, mit wenigen Ausnahmen.

Das Versprechen klingt gut: Das angelegte Geld wird fest verzinst, ist die deutsche Mannschaft bei der WM erfolgreich, gibt es noch was obendrauf. Damit Schweinsteiger und Poldi die Banken nicht in den Ruin kicken, ist der Ausgangszins oft extrem niedrig. Nur wenn die DFB-Elf erfolgreich ist, bekommt der Anleger Zinsen, die er bei anderen Festgeldkonten auch ohne Sportwette bekommen hätte - zum Teil liegen sie selbst dann noch darunter. Im Prinzip willigt der Kunde ein, Zinskonditionen, die die Banken ohnehin anbieten, nur in Anspruch nehmen, wenn Deutschland gut Fußball spielt. Cleveres Anlegen geht anders.

Bei den WM-Angeboten handelt es sich meist um Festgeldkonten. Das bedeutet, dass Sparer ihr Geld für einen bestimmten Zeitraum nicht wiedersehen und dafür eine festgelegte Verzinsung bekommen. Während lukrative Festgeldkonten mit gut zwei Prozent verzinst werden, liegt der Basiszins bei den WM-Sparprodukten zwischen 0,3 und 1,0 Prozent. Der Zinssatz steigt abhängig vom Erfolg der deutschen Nationalmannschaft, etwa durch Siege, Tore und natürlich den WM-Titel.

Die Märkische Bank bietet zum Beispiel einen Basiszins von 0,3 Prozent an, bei einer Laufzeit von neun Monaten. 0,05 Prozent Bonus gewährt die Bank für jedes gewonnene Spiel der deutschen Mannschaft. Für den WM-Titel gibt es nochmal 0,1 Prozent oben drauf. Sollte Deutschland mit sieben Siegen in Serie zum WM-Titel stürmen, ergibt das 0,75 Prozent. Wer den Mindestbetrag von 1000 Euro anlegt, gewinnt also ganze 7,50 Euro. Verlieren die Deutschen drei Mal und scheiden in der Vorrunde aus, gibt es nur den Basiszins und einen Gewinn von 3,00 Euro.

Hohe Gebühren bei WM-Fonds

Nur ein paar Angebote können das WM-Erlebnis auch finanziell versüßen, wie zum Beispiel der VR FanBonus 2014 der Raiffeisen-Volksbank Aurich. Bei einem deutschen WM-Sieg gibt es hier 2,5 Prozent für zwei Jahre und damit mehr als bei üblichen Festgeld-Anlagen. Allerdings muss die DFB-Auswahl das Turnier dafür auch erst einmal gewinnen. Scheitert sie bereits in Vorrunde, gibt es nur einen Zins von 0,75 Prozent. Das Angebot ist außerdem nur regional erhältlich und kontingentiert. Bis zu 2,8 Prozent gibt es bei der Volksbank Strohgäu, doch hier muss der Anleger einiges an Fußball-Fachkenntnis mitbringen - und Glück. Denn nur, wer das Abschneiden des deutschen Teams richtig vorhersagt, bekommt auch den Bonuszins. Wer falsch tippt, muss sich auch hier mit dem Basiszins von 0,3 Prozent begnügen.

Anleger, die auf die deutsche Offensivstärke vertrauen, können bei der Sparkasse Neuss den WM-Sparkassenbrief abschließen. Mit jedem deutschen Tor erhöht sich der einprozentige Basiszins um 0,01 Punkte. Selbst bei respektablen 20 Toren steigt der Zins also nur auf insgesamt 1,2 Prozent.

Viele Banken versuchen, durch die WM auch Mischprodukte aus Festgeld und Fonds an den Fan zu bringen. Während der Festgeld-Anteil auch hier mit einem überschaubaren Basiszins startet und sich oft nur im Fall des Titelgewinns lohnt, unterliegt der Fondsanteil Kursschwankungen. Das Problem dabei ist, dass der Anleger sich nicht frei für einen Fonds entscheiden kann, sondern aus einer Fonds-Vorauswahl der Bank wählen muss. So gerät er schnell in eine Anlage, die er so vielleicht nie getätigt hätte. Kommt dann noch ein Ausgabeabschlag der Bank von bis zu fünf Prozent hinzu, wird es schwer, mit den Mischprodukten Geld zu verdienen.

Richtige Sportwetten sind die Finanzprodukte zur WM natürlich nicht, denn dem Anleger droht bei einem falschen Tipp oder einem schlechten Abschneiden der deutschen Mannschaft nicht der Totalverlust. Die WM-Produkte sind einfach PR-Kampagnen der Banken, die das Fußball-Fieber im Land nutzen, um Fußball-Fans in schlecht verzinste Anlageformen zu treiben.

Quelle: n-tv.de