Ratgeber

Vorsicht Bauherren Schlüsselfertig mit Extrakosten

Schlüsselfertige Immobilie, das klingt nach Rundum-Sorglos-Paket, nach einmal zahlen, alles bekommen. Ganz so einfach ist die Sache aber nicht. Denn im Bauvertrag ist in den seltensten Fällen ein Baugrundgutachten enthalten - das ist beim Bau aber ziemlich wichtig. Immobilienkäufer vertrauten oft zu leichtgläubig dem beauftragten Bauunternehmen, warnt der Verband Privater Bauherren (VPB) in Berlin. Die angehenden Bauherren hofften, das Unternehmen werde sich um Dinge wie Aushub und Bebaubarkeit des Bodens schon kümmern - und alles sei im Komplettpreis eingeschlossen. Welche Kosten wirklich entstehen, ist aber nur über das Baugrundgutachten zu ermitteln.

Das Gutachten zeigt, wie der Baugrund auf dem eigenen Grundstück beschaffen ist - etwa ob der Boden besonders feucht ist, Grundwasser nach oben drückt, Felsen vorhanden sind oder der Boden nicht tragfähig ist. Außerdem wird das Grundstück auf mögliche Altlasten untersucht.

Erst prüfen, dann bauen

Erst wenn klar ist, worauf gebaut wird, kann der Unternehmer seriös berechnen, was Aushub, eventuelle Bodensanierung und die Kellerkonstruktion tatsächlich kosten. "Trotzdem sind diese Baugrundgutachten meist nicht Bestandteil der Verträge. Stattdessen werden im Vertrag die günstigsten Bedingungen angenommen und festgeschrieben", sagt der VPB-Vorsitzende Thomas Penningh.

Drückendes Grundwasser gehöre zum Beispiel zu den häufigsten Bauproblemen. Sich aufstauendes Sickerwasser oder ein hoher Grundwasserspiegel müssen bei der Planung und Abdichtung des Kellers unbedingt berücksichtigt werden. Bei Bauplätzen in Feuchtgebieten oder an Flussauen ist häufig eine sogenannte weiße Wanne - eine Kellerkonstruktion aus wasserdichtem Beton - nötig. Solche Speziallösungen haben entsprechende Preise. Durch den Bauvertrag ist aber meist nur ein konventioneller Keller abgedeckt. Die Mehrkosten von bis zu 10.000 Euro muss dann der Bauherr tragen.

Extraaufträge für Bauunternehmen

Aufpassen sollten Bauherren übrigens beim Satz "Erdarbeiten bauseits". Für Käufer schlüsselfertiger Häuser liefe diese Vertragspassage regelmäßig auf einen Extraauftrag für das ausführende Unternehmen hinaus, so die Beobachtung des VPB. Der Ablauf sei dabei stets gleich: Kurz vor Baubeginn weist der Bauunternehmer auf den Passus im Vertrag hin und fragt, wann der Bauherr die Erdarbeiten erledigen lässt.

Der ahnungslose Bauherr hat dann in der Regel keine andere Firma beauftragt, weil er davon ausging, dass dieser Posten im Komplettpreis enthalten war. Damit es keine Verzögerungen gibt, wird meist der eigene Bauunternehmer beauftragt. Dieser kassiert damit über den vereinbarten Festpreis hinaus zusätzliches Geld. Das sei ärgerlich, aber legal. Bauherren sollten deshalb vor Vertragsabschluss beim Begriff "bauseits" misstrauisch werden und solche Kostenfallen rechtzeitig abklären.

Quelle: n-tv.de