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"Ratgeber Bauen & Wohnen" vom 22.10.2013 (Wdh. 23.10.) Living in a box: Wohntrend Container

Lernen, leben und feiern in einem Überseecontainer! Das geht schon bald in Berlin. Denn ein pfiffiger Investor stapelt die riesigen Hochseekisten zu Studentenwohnheimen.  Die werden dringend gebraucht. Jetzt zu Semesterbeginn fehlen nach Schätzung des Deutschen Stutenwerks bundesweit noch immer 25.000 Plätze. Warum dann nicht tatsächlich in einen Container ziehen?

Baustellenbesichtigung im Südosten Berlins. Hier in der Nähe des Plänterwaldes entsteht gerade das Studentendorf "EBA51" aus Hochsee-Containern. Der erste Stahlkoloss ist fertig: Prototyp und Musterhaus zugleich. Küche, Bad mit Dusche und WC, Bett und Schreibtisch. Kein WG Putzplanstress, sondern ein eigenes kleines Studentenreich – auf gerade einmal 26 Quadratmetern.

Über 300 der Container sollen bis Frühjahr 2014 zu einem neuen Studentendorf aufgestapelt werden. Drei Gebäudekomplexe mit Balkon, Pool, Kletteranlage, Wasch-Bar für alle, große Gemeinschaftsküche und gemeinsamer Gemüsegarten. 13 Millionen Euro lässt sich Investor Jörg Duske das Projekt kosten. Die Idee hatte er nach einem Fernsehbericht über ein Container-Studentendorf in Amsterdam: "Dort sind 1.000 Container gestapelt worden, wo 1.000 Studenten wohnten. Da bin ich hingefahren und hab mir das angeschaut, habe zufriedene Menschen dort getroffen, die dort glücklich wohnten oder immer noch wohnen. Da dachte ich mir, das wäre doch mal eine coole Idee für Berlin."

Container nicht nur für Studenten

Unter den Besuchern ist heute wieder Fachpublikum, nicht ungewöhnlich, für den Investor. Immer wieder kommen Architekturbegeisterte oder Architekten. So wie Michael Küssner. Er selbst baut gerade an einem Containerprojekt für Stewardessen am Flughafen Schönefeld in Berlin, plant aber schon wieder weiter: "Gemeinsam statt einsam, nämlich dass man praktisch eine Single-Wohnanlage baut, mit kommunikativen Flächen oder auch Kommunikationsräumen und solchen Dingen und dazu wäre das eine wunderbare Lösung. Relativ schnell, unkompliziert und jeder hat sozusagen seine Einheit. Das lässt sich gut planen, lässt sich auch kostenmäßig gut überblicken, was da auf einen zukommt. Ich halte das für eine zukunftsträchtige Lösung."

Zwischen zwei- und viertausend Euro kostet den Investor so ein Container, je nachdem ob der schon einige Jahre Hochsee auf dem Buckel hat oder ganz neu aus der chinesischen Fabrik ist. Die Farbe kommt runter. Der sich dadurch schnell bildende Rost, gehört zum Farbkonzept. Angst vor schweren Rostschäden hat Jörg Duske deswegen nicht: "Also die Container sind aus Kortenstahl gebaut. Kortenstahl bildet, wenn er nicht rostschutzbehandelt ist und die Farbe haben wir extra runtergeholt, eine Patina. Und diese Patina, was nämlich eine dünne Rostschicht ist, schützt den Kortenstahl vor weiteren Durchrostungen."

Container-Preise "all inclusive"

Der Single-Container mit 26 Quadratmeter Grundfläche wird möbliert inklusive aller Nebenkosten 389 Euro kosten - mit Balkon oder Terrasse sind es 10 Euro mehr. Entsprechend teurer wird dann der Double-Container für zwei Personen mit 52 Quadratmetern oder der Triple-Container für junge Familien oder WGs. Die meisten der Container sind möbliert.

Projektmanagerin Tina Sorgenlos hat die Möbel ausgesucht. Die müssen gerade in Studentenwohnheimen stabil und lange haltbar sein – vor allem aber: möglichst vielen gefallen: "Ich glaube, je schlichter man es hält, umso einfacher ist es, umso mehr Leute sprechen wir an. Jeder Student hat dann später noch die Möglichkeit, seinen Container mit Postern, Bildern oder Deko-Elementen zu personalisieren."

Seit einigen Monaten können sich Studenten für das Containerdorf vormerken lassen. Die meisten werden sich jedoch gedulden müssen, bis die nächsten Bauabschnitte im kommenden Jahr fertig sind.

Und Investor Jörg Duske hat schon wieder neue Pläne im Kopf. Immer wieder ist er von Senioren angesprochen worden, ob es vergleichbare Anlagen auch als Seniorenresidenzen gibt. Noch nicht, aber er ist sich sicher, sein Container-Dorf wird wohl schon bald Schule machen.

Quelle: n-tv.de