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Ein perfektes Wochenende in... Tallinn - zwischen Tradition und Trend

Tallinn, die Haupstadt Estlands liegt gut 1.000 Kilometer von Berlin entfernt. Alte Giebelhäuser in der Altstadt, die UNESCO-Weltkulruterbe ist, liegen dort direkt neben gläsernen Wolkenkratzern und: die New York Times nannte die Stadt auch schon die "Partyhauptstadt Europas". Genug Gründe also dort vorbeizuschaun. Nur ein Tipp: Tun Sie das nicht im Hochsommer. Denn da wird die Stadt von Tausenden Kreuzfahrt-Touristen geflutet...

n-tv Reporterin Stephanie Wätjen in Tallinn

n-tv Reporterin Stephanie Wätjen in Tallinn

Tallinn ist die nördlichste Stadt des Baltikums. Die Hauptstadt von Estland liegt nur 80 Kilometer von Finnland entfernt und ist ein beliebter Anfahrtshafen für Kreuzfahrtschiffe. Berühmt ist Tallinn vor allem für seine mittelalterliche Innenstadt, die unter UNESCO-Weltkulturerbe steht. Die mittelalterliche Innenstadt Tallinns gehört zu den am besten erhaltenen in ganz Europa. Doch unter der historischen Fassade schlägt ein junges, ehrgeiziges Herz. Ob Mode, IT oder Design zu allem fällt den kreativen Tallinnern etwas ein. Und dieses Nebeneinander von Historie und Modernen macht auch den besonderen Charme dieser Stadt aus.

Mein erster Ausflug geht in die historische Altstadt mit ihrer komplett erhaltenen Stadtmauer. Das hat Seltenheitswert, und ist drum auch ein beliebtes Motiv für Hochzeitsfotos. Dort treffe ich mich mit Reet Alaver. Sie ist Stadtführerin in Tallinn und weiß alles über die Historie und Bedeutung der alten Gildehäuser. Viele davon erbaut im späten Mittelalter, als Tallin eine deutsche Hansestadt war.

In dieser Zeit wurde Tallinn reich durch den Seehandel mit Getreide und Salz. Heute bringen Touristen das Geld in die Stadt, wie Stadtführerin Reet Alaver erklärt: "Unser Reichtum sind jetzt die Kreuzfahrtschiffe, die sie bestimmt auch gesehen haben. Es gibt Tage, wo es bis sechs sind. Und es gibt Tage, wo bis zu 6.000 Touristen auf einmal in der Stadt sind."

Eine der Hauptattraktionen ist der Marktplatz, auf dem immer etwas los ist. Im Juli finden hier jedes Jahr die Mittelaltertage statt. Viel Platz für traditionelles estnisches Handwerk. Schnitzwerk aus Holz gehört zum Kulturgut des Landes. Besonders beliebt: hölzerne Schnapsbecher.

Rund um den Marktplatz gibt’ jede Menge Restaurants, in die die Kreuzfahrttagestouristen gelotst werden sollen. Die sind auch nicht schlecht, und man sitzt in der ersten Reihe, aber 30 Euro wird man hier für sein Mittagessen locker los. Wenn schon reines Touristenlokal, dann sollte man ins  Olde Hansa gehen. In dem alten Gemäuer wird echtes Mittelalter nachgelebt.

Tisch und Stühle aus groben Holz, und natürlich nur schummriges Kerzenlicht. Dazu gibt’s Livemusik mit Flöte und historischer Drehleier. Serviert wird nach alten Rezepten selbstgebrautes Honig- oder Zimtbier in schweren Tonkrügen. Alles wie damals. Sogar die Gäste werfen sich manchmal mittelalterlich in Schale, wenn sie im Olde Hansa essen gehen. Die Menükarte bietet viel Fleisch: zum Beispiel Elch oder wilden Eber.

Junger und moderner geht’s im Rothermann Viertel zu. Außerhalb der Altstadt wurden hier in den letzten Jahren schicke neue Designbauten errichtet auf den Fundamenten eines brachliegenden Industriegeländes. Das Rothemannviertel ist Treffpunkt der jungen Tallinner Schickeria, die es sich hier bei Pasta und Pinot Grigio gut gehen lässt.

Auf der anderen Seite der Altstadt liegt der Stadtteil Kalamaja. Lange Zeit war dies das Armenviertel Tallinns. Doch jetzt haben junge Szenefamilien den Charme der alten Fischerhäuser für sich entdeckt. Kalamaja entwickelt sich zum Trendviertel. Mit Cafés wie dem Boheem, oder dem F-Hoone, dass etwas abgelegen auf einem alten Industriegelände liegt. Nicht leicht zu finden, aber schwer angesagt. Hier kann man – anders als in der historischen Altstadt – gut und sehr günstig essen. Cappuccino für 1,50 Euro, Pasta, Suppen und Salate gibt ab 5 Euro.

Ebenfalls im Kalamajaviertel: das Estonian Design House. In diesem Geschäft verkaufen junge estnische Designer Möbel, Stoffe, Spielzeug und Schmuck. Hergestellt werden die Sachen über dem Laden, wo sich mehrere Designer eine Werkstatt teilen. Genutzt wird viel Material aus der Region, deshalb gibt’s hier vieles aus Holz und Wolle. Traditionelles Material – moderne Form. So bekommen auch Notebooktaschen ein kuscheliges Polster aus nordischem Strick.

Ein paar hundert Meter weiter wurde 2012 in einem Hangar für Wasserflugzeuge ein neues Schiffsmuseum, das Seaplane Harbour Museum eröffnet. Zu sehen gibt’s ein Wasserflugzeug, ein Minen U-Boot, das man auch besichtigen kann, und diverse Schiffe. Bemerkenswert ist das brandneue Museum vor allem wegen seines spektakulären Designs.

Sieht zwar nicht schön aus, hat aber einen lustigen Namen und ist eins der besten Hotel in Tallinn. Im Radisson Blue Olümpia gibt’s Zimmer ab 100 Euro aufwärts.

Im Preis inbegriffen: die kostenlose Nutzung von Fitnesscenter, Pool und: es gibt sogar eine Privatsauna, die man - ebenfalls kostenlos - für sich buchen kann. Das Besondere dieser Sauna: Beim Schwitzen hat man einen Panoramablick auf das Meer und Tallinns Altstadt.

Tallinn ist nur einen Katzensprung von Finnland entfernt. Und das spürt man auch an der Lebenskultur hier. Die Sauna zum Beispiel ist bei den Esten genauso beliebt wie bei den Finnen. In der Stadt gibt es viele Wellnesstempel, in denen man nicht nur in die Sauna gehen kann sondern auch günstige Kosmetikbehandlungen und Massagen bekommt. Das wiederum macht Tallinn auch im Winter zu einem interessanten Reiseziel.

In den warmen Sommermonaten bietet sich auch ein Strandausflug an. Nur ein paar Kilometer vom Stadtzentrum entfernt baden die Tallinner bis in den späten Abend. Denn in den weißen Nächten bleibt es in Tallinn sehr lange hell.

Danach geht es nahtlos über ins Nachtleben der Stadt. In der Altstadt wimmelt es nur so von Bars und Kneipen. Wie das  Clubrestaurant Clazz bieten viele davon jeden Abend Livemusik an.

Meine letzte Aktion an diesem Wochenende in Tallinn fordert mich zu höchster Konzentration heraus. Bogenschießen auf dem Mittelaltermarkt. Auch wenn ich beim Bogenschießen nicht so treffsicher bin: meine Reise hierher war auf jeden Fall ein Volltreffer. Tallinn ist eine entspannte kleine Stadt, in der es viel zu entdecken gibt und die sich wunderbar in einem Wochenende erkunden lässt.

Flüge nach Tallinn gibt’s ab 180 Euro, Vier Sterne Hotels ab 100 Euro und 100 Euro reichen ebenso aus, um in Tallinn ein Wochenende lang gut essen und trinken zu gehen. Auch preislich ist die Stadt also ein Volltreffer.

Quelle: ntv.de

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