Ratgeber

Preis ist nicht alles So punkten Krankenkassen mit Extras

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Ende des Jahres werden die Kassen ihre neuen Zusatzbeiträge verkünden.

(Foto: imago/Christian Ohde)

Wer von einer teuren Kasse zu einer günstigen wechselt, spart im besten Fall dreistellige Summen. In manchen Fällen sind aber teurere Anbieter die bessere Wahl. Wer Zusatzangebote nutzt, sollte jedenfalls nicht nur auf den Preis schauen.

Der Gesundheitsökonom Jürgen Wasen wartete jüngst mit beunruhigenden Zahlen auf: Der Zusatzbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung könnte in den nächsten vier Jahren auf weit über zwei Prozent steigen, prognostiziert der Forscher. Derzeit liegt er im Schnitt bei 1,1 Prozent und da soll er nach dem Willen des Bundesgesundheitsministers auch 2017 bleiben. Teurere Kassen verlangen schon heute Beiträge von mehr als 16 Prozent. Trotzdem könne es sich lohnen, zu einer etwas teureren Kasse zu wechseln, oder dort zu bleiben, schreibt die Stiftung Warentest im neuen "Finanztest"-Heft. Manchmal würden die höheren Kosten durch zusätzliche Kassenleistungen wieder wettgemacht.

Der Grundbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung liegt bei 14,6 Prozent, die Hälfte davon bezahlt der Arbeitgeber. Alle bundesweit geöffneten Kassen verlangen aber Zusatzbeiträge, und die sind allein Sache des Arbeitnehmers. Bei einem Einkommen oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze von 4237 Euro würde der Wechsel zu einer ein Prozent günstigeren Kasse immerhin gut 42 Euro im Monat sparen, über 500 Euro im Jahr. Am Ende bleibt davon aber nur etwa die Hälfte beim Versicherten kleben. Den Rest kassiere das Finanzamt, dämpft "Finanztest" die Erwartungen.

Dass der Preis nicht das wichtigste Kriterium für die Wahl der Kasse sein muss, zeigt eine Umfrage des wissenschaftlichen Instituts der AOK. Knapp 28 Prozent der befragten Kassenwechsler gaben an, sie hätten sich aus Kostengründen für den Weggang entschieden, für 32 Prozent stand dagegen die Leistung im Vordergrund. Wechseln kann übrigens jeder, der zuvor mindestens 18 Monate beim gleichen Anbieter versichert war. Wenn der Zusatzbeitrag erhöht wird, kann man auch vorher kündigen.

Unter 15,2 Prozent geht wenig

Für alle, denen es in erster Linie auf den Preis ankommt, eignen sich beispielsweise die hkk Krankenkasse, die IKK Gesund Plus und die BKK Firmus. Mit Beitragssätzen von 15,19, bzw. 15,20 Prozent sind sie die günstigsten Kassen, die bundesweit zugänglich sind. Ganz ohne Zusatzbeitrag kommt nur noch die Metzinger BKK aus, sie steht aber nur Kunden aus Baden-Württemberg offen.

"Finanztest" hat Preise und Leistungen von 77 Kassen untersucht und die besten Kassen für verschiedene Schwerpunktthemen herausgesucht. Dabei zeigt sich zweierlei: Keine Kasse ist in allen Bereichen gut. Und der Zusatzbeitrag hat keinen feststellbaren Einfluss auf die Leistungen. Unter den jeweils besten Anbietern fanden sich sowohl teurere als auch günstigere.

Zahnreinigung und Gesundheitskurse

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Yoga auf Kassenkosten? Geht, wenn man weiß, wo.

(Foto: imago/Medicimage)

Beispielsweise beim Thema Zahnreinigung: Die günstige Metzinger BKK bezuschusst die Behandlung beim Wunschzahnarzt mit bis zu 120 Euro im Jahr, die AOK Niedersachsen (Beitragssatz 15,40 Prozent) derzeit sogar mit 250 Euro. Wer sich Gesundheitskurse sponsern lassen will, könnte bei der BKK Wirtschaft und Finanzen (15,70 Prozent) auf seine Kosten kommen. Sie zahlt bis zu 500 für Gesundheitskurse wie Yoga, Rückentraining oder Aqua-Fitness. Die Actimonda übernimmt bis zu 600 Euro im Jahr, bzw. 300 Euro pro Kurs. Bei der mit 15,3 Prozent recht günstigen BKK Freudenberg sind es immerhin 200 Euro.  

Extras für junge Eltern

Auch für junge Eltern kann sich ein Kassenwechsel lohnen. "Finanztest" hat sechs Extraleistungen ausgewählt, angefangen von der zusätzlichen Früherkennungsuntersuchung während der Schwangerschaft über den Zuschuss zur teuren Rufbereitschaft der gewählten Hebamme bis hin zu zusätzlichen Vorsorgeuntersuchungen. Die günstigste Kasse, die alle Punkte abdeckt, ist die hkk mit 15,19 Prozent. Die bundesweit geöffnete BKK Gildemeister Seidensticker verlangt 15,80 Prozent, die Heimat KK 15,7 Prozent.

Die besten Vorsorgekassen

Vorsorgeuntemaßnahmen wie das jährliche Hautkrebsscreening, die Brust- oder Prostatauntersuchung oder Darmspiegelungen gehören bei allen Kassen zum vorgeschriebenen Standardprogramm. Einige übernehmen darüber hinaus aber weitere Maßnahmen. Etwa die Darmkrebsvorsorge per Stuhltest oder Brustkrebsuntersuchungen per Ultraschall. Bei der Früherkennung liegen laut "Finanztest" unter anderem die bundesweit geöffnete HEK und die Heimat KK vorn. Wer Wert auf alternative Therapiemethoden legt, sollte sich die BKK VBU oder die BKK Provita ansehen. Beide sind mit 15,5 Prozent noch recht günstig und gehören zu den 13 Kassen im Test, die die Beratung von ho,öopathischen Vertragsärzten unterstützen, alternative Arzneimittel bezahlen und Zuschüsse zu osteopathischen Behandlungen leisten.  

Quelle: ntv.de, ino