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Tenhagens Tipps Sollte man jetzt sein Gold verkaufen?

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Gold ist keine Anlage, bei der man morgen sicher bekommt, was heute reingesteckt wurde.

(Foto: imago stock&people)

Der Goldpreis ist auf Rekordjagd. Da könnte der eine oder andere auf die Idee kommen, seine Bestände zu versilbern - sprich, zu verkaufen. Ob das sinnvoll ist und wo man Barren und Münzen am besten loswird, verrät Finanztip-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen.

ntv.de: Gold ist ja in letzter Zeit ziemlich im Kurs gestiegen. Sollte man sich jetzt von etwaigen Beständen trennen?

Hermann-Josef Tenhagen: Könnte man machen. Kommt aber vor allem darauf an, was man dann mit dem Geld vorhat. Ich habe letzte Woche in Berlin mal bei einigen Goldhändlern vorbeigeschaut und nachgefragt, ob derzeit verstärkt Gold von Verbrauchern verkauft wird. Und tatsächlich gab es die Rückmeldung, dass dies in letzter Zeit häufiger der Fall ist.

Und ist das eine gute Idee?

Gold in USD
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Wenn ich das Geld jetzt brauche, kann ich je nach Einstiegskurs natürlich erhebliche Kursgewinne mitnehmen. Wenn ich es nicht benötige, ist das eine Spekulation, da nicht auszuschließen ist, dass der Goldkurs weiter steigt oder aber auch nächste Woche wieder fällt. Aber ich weiß natürlich auch nicht, wie sich der Goldpreis entwickelt. Abgesehen davon ist das aber jetzt für Menschen, die sich im Herbst 2011 beim letzten Goldhoch teuer eingedeckt haben, natürlich mal eine Gelegenheit, ohne Verluste zu verkaufen.

Aber wenn Gold ein Teil einer langfristigen und strukturierten Geldanlage ist?

Dann können meiner Meinung nach bis zu 10 Prozent des Vermögens in Gold angelegt sein. Aber Achtung, die Goldanlage ist spekulativ und keine Beteiligung an der Weiterentwicklung der Marktwirtschaft oder des Kapitalismus. Abgesehen davon hat sie aus ökologischer Sicht doch auch ihre zweifelhaften Seiten. Im Schmuckbereich gibt es zwar eine Reihe von Läden, die nur noch mit recycelten Gold arbeiten, bei Barren und Münzen zwecks Geldanlage ist dies jedoch meist nicht der Fall.

Wo sollte man denn physisches Gold verkaufen?

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Ich würde erstmal im Netz bei Portalen wie Gold.de oder Gold-Ankauf.de schauen, wo ich einen guten Preis finde. Und dann würde ich versuchen, festzustellen, ob der Händler vertrauenswürdig ist. Da gibt es dann zwei Möglichkeiten. Der Ankäufer sollte Mitglied im Berufsverband des deutschen Münzenfachhandels e.V. sein. Außerdem sollte der Händler die Option bieten, die Ware abzuholen. Das kostet vielleicht etwas mehr, aber es kümmern sich in der Regel Profis um die Sendung und der gesamte Wert ist versichert

Wo ist Vorsicht geboten?

Überall dort, wo die genannten Kriterien nicht erfüllt sind. Bietet mir der etwas dubios anmutende Kramladen um die Ecke vielleicht doch 20 Euro mehr für meine Münze, als meine vorherige Recherche ergeben hat, spricht dann aber auch nichts dagegen, dort mein Gold zu versilbern.

Lohnt denn jetzt auch der Verkauf von altem Zahngold oder der geerbten Kette von Tante Erna?

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Wenn man sich ohnehin davon trennen wollte, warum nicht. Hier könnte aber die Wertermittlung schwieriger ausfallen, da zunächst einmal der Goldgehalt der Ware bestimmt sein muss. Ist der bekannt, helfen wieder die genannten Portale weiter. Parallel kann auch mal vom Händler vor Ort ein Angebot eingeholt werden.

Wann ist der Gewinn steuerfrei?

Gewinne sind bei physischem Gold steuerfrei, wenn denn das Gold länger als zwölf Monate gehalten wird. Das ist ja mit einem entsprechenden Kauf- beziehungsweise Verkaufsbeleg gegenüber dem Finanzamt leicht zu beweisen.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Axel Witte

Quelle: ntv.de