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"Die Mehrwertsteuer gibt's zurück" Steuerfallen bei Solaranlagen

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Nach der Monatage ist die Solarstromanlage kein Selbstläufer.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Eine Solaranlage auf dem eigenen Hausdach rechnet sich. Der erzeugte Strom wird zu einem 20 Jahre lang festen Preis in das Stromnetz eingespeist. Selbst die Stiftung Warentest empfiehlt bei geeigneter Dachfläche, eine Fotovoltaikanlage installieren zu lassen und rechnet mit jährlichen Renditen von rund sieben Prozent.

 

Vorraussetzung hierfür ist die Beauftragung eines fachkundigen Betriebs, der für den Kunden die geeignete Zusammenstellung aus den einzelnen Komponenten übernimmt und die Installation bis hin zum Netzanschluss durchführt. Doch selbst bei guten Solaranlagen-Installateuren endet die Beratung in der Regel, wenn es um steuerliche Aspekte geht – obwohl hier immer fester Bestandteil des Verkaufsgesprächs ist: "Die Mehrwertsteuer kriegen Sie ja zurück", heißt es da oft lapidar.

 

Was als selbstverständlich dahingesagt wird, passiert allerdings nicht automatisch. Immerhin geht es da bei auf dem Dach des Eigenheims installierten Fotovoltaikanlagen um 3000 bis 4000 Euro Mehrwertsteuer.

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Damit die Mehrwertsteuer tatsächlich vom Finanzamt erstattet wird, muss auf die Kleinunternehmerregelung verzichtet werden.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

 

Finanzamt informieren

 

Der Betreiber einer Fotovoltaikanlage wird steuerlich als Gewerbetreibender eingestuft, da sein Energieversorger ihm den ins Netz eingespeisten Solarstrom vergütet. Ist die Solarzellenfläche kleiner als 30 Quadratmeter, ist in der Regel eine Gewerbeanmeldung nicht erforderlich. Darüber Auskunft gibt das Gewerbeamt vor Ort.

 

Ob mit oder ohne Anmeldung beim Gewerbeamt – der Betrieb der Anlage muss dem Finanzamt als gewerbliche Tätigkeit in einem formlosen Schreiben angezeigt werden. In der Folge erhält man einen Fragebogen zur "Betriebseröffnung". Für das Finanzamt macht es nämlich keinen Unterschied, ob man ein riesiges Gewerbe mit vielen Beschäftigten anmeldet oder eben nur eine Solarstromanlage auf dem Dach hat.

 

Keine Kleinunternehmerregelung wählen

 

Ganz wichtig beim Ausfüllen dieses Fragebogens ist, dass man nicht von der Möglichkeit Gebrauch macht, als Kleinunternehmer behandelt zu werden. Das wäre zwar auf Grund der Ertragsgrenzen möglich, ist aber nicht sinnvoll, denn in diesem Fall kann man weder Umsatzsteuer vereinnahmen noch erstattet bekommen. Dies wirkt sich negativ aus, denn der in der Rechnung enthaltene Mehrwertsteuerbetrag bei Installation der Fotovoltaikanlage wird dann nicht vom Finanzamt erstattet.

 

Fest steht auch, dass der Betreiber einer Fotovoltaikanlage ein Unternehmer ist, der gewerbliche Einkünfte erzielt. Mit der Installation und Inbetriebnahme endet also nicht die Arbeit, sich gegenüber dem Finanzamt zu erklären. In den ersten beiden Jahren muss monatlich eine Umsatzsteuervoranmeldung eingereicht werden. Der Energieversorger vor Ort zahlt dem Anlagenbesitzer neben der Einspeisevergütung zusätzlich die Mehrwertsteuer. Diese ist ein durchlaufender Posten und wird ans Finanzamt abgeführt, sofern nicht im gleichen Monat Rechnungen für eine Wartung oder Reparatur an der Fotovoltaikanlage angefallen sind. Ab dem dritten Jahr ist eine monatliche Umsatzsteuervoranmeldung nur noch nötig, wenn die Steuer des vorangegangenen Jahres über der Grenze von 6136 Euro lag.

 

Aufwändige Buchführung entfällt

 

Auch bei der Einkommensteuererklärung ist die Fotovoltaikanlage künftig fester Bestandteil. Eine aufwändige Buchführung ist hier allerdings nicht vorgeschrieben. Der Gewinn wird durch Gegenüberstellung der Einnahmen und Ausgaben ermittelt und in der Anlage G der Einkommensteuererklärung angegeben. Auf der Einnahmeseite stehen in der Regel nur die vom Versorger erhaltenen Vergütungen für die Stromeinspeisung. Würde ein Teil – zum Beispiel einzelne Module – der Anlage demontiert und verkauft, wäre auch dies eine Einnahme, die in die Gewinnermittlung einfließen muss.

 

Zu den Ausgaben zählen Zählermiete, Wartungs- und Versicherungskosten. Auch Schuldzinsen für ein Darlehen, mit dem die Fotovoltaikanlage finanziert wurde, können hier angerechnet werden. Die Anschaffungs- und Monatagekosten der Fotovoltaikanlage selbst können nicht auf einen Schlag als Betriebsausgabe geltend gemacht werden. Die Finanzverwaltung sieht hier eine gewöhnliche Nutzungsdauer von 20 Jahren vor. Auf diesen Zeitraum müssen die Anschaffungs- und Herstellungskosten verteilt werden.

 

Abschreibungsverlauf planen

 

Hierbei gibt es wiederum zwei Möglichkeiten: Die lineare und die degressive Abschreibung. Generell gilt die lineare Abschreibung, wo jedes Jahr fünf Prozent der Anschaffungs- und Montagekosten abgeschrieben werden. In den Jahren 2009 und 2010 kann jedoch durch das Konjunkturpaket I auch die degressive Abschreibung gewählt werden. Hierbei ist der Abschreibungssatz 2,5-fach höher als bei der linearen Abschreibung, beträgt also 12,5 Prozent und wird jeweils auf den Restbuchwert des Vorjahres angewendet. Nach den siebten Jahr ist es sinnvoll, von der degressiven in die lineare Abschreibung zu wechseln.

 

Außerdem ist eine Sonderabschreibung von bis zu 20 Prozent der Anschaffungs- und Herstellungskosten in den ersten fünf Jahren nach der Installation möglich. Dabei darf der Solaranlagenbetreiber diese 20 Prozent sowohl auf fünf Jahre verteilen oder komplett in einem Jahr zum Einsatz bringen. Dies ist besonders sinnvoll, wenn das zu versteuernde Einkommen durch eine Sondereinnahme in einem Jahr besonders hoch ausfällt.

 

Grunderwerbsteuer bei Verkauf der Immobilie

 

Grundsätzlich gilt, dass Sonderabschreibungen und die degressive Abschreibung nur bei Solarstromanlagen angewendet werden, die auf das Dach – also über der bestehenden Dacheindeckung – montiert wurden. In das Dach integrierte Anlagen gelten steuerrechtlich als unbeweglicher Gebäudebestandteil. Dies kommt auch zum Tragen, wenn das Haus später einmal verkauft werden soll. Während Aufdach-Anlagen bei der Grunderwerbssteuerermittlung herausgerechnet werden dürfen, ist Grunderwerbsteuer für in das Dach integrierte Anlagen zu entrichten.

Quelle: ntv.de