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Einkommensteuererklärung 2020 Steuertipps zum Jahresende

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Rechnen und sammeln kann sich auch noch 2020 lohnen.

(Foto: imago/McPHOTO)

Auch wenn sich das Jahr 2020 seinem Ende nähert, ist es nicht zu spät, Steuern zu sparen. Ganz im Gegenteil: Steuerpflichtige haben eine ganze Reihe an Möglichkeiten, ihre Steuerlast für das Jahr 2020 noch zu senken. Die Wichtigsten lernen Sie hier kennen.

Es gibt diverse Möglichkeiten kurz vor Jahresende noch etwas für die eigene Steuererstattung zu tun. Dafür sollte sich zunächst jeder Steuerpflichtige fragen, welche Posten bisher einen Steuerabzug für 2020 bringen. Dann ist klar, ob es lohnt, die Kosten zu bündeln, sie vorzuziehen oder zu verschieben - etwa für eine neue Brille, einen Laptop oder für die Renovierung der Wohnung.

Zu den erwähnten Posten gehören unterschiedliche Dinge, die ich im Folgenden vorstellen möchte.

Der Klassiker: Haushaltsnahe Dienstleistungen

Wenn Steuerzahler ihren Abzugsbetrag noch nicht ausgeschöpft haben, sollten sie haushaltsnahe Dienstleistungen, die sie um den Jahreswechsel ausführen lassen, noch im Dezember bezahlen und ansonsten bis Januar warten.

Daniel Schollenberger ist Steuerexperte des Portals Steuertipps.de von Wolters Kluwer.

Daniel Schollenberger ist Steuerexperte des Portals Steuertipps.de von Wolters Kluwer.

Haushaltsnahe Dienstleistungen können mit 20 Prozent, jedoch maximal 4000 Euro, von der tariflichen Einkommensteuer abgezogen werden. Zu den haushaltsnahen Dienstleistungen gehören alle Tätigkeiten, die Gegenstand eines Beschäftigungsverhältnisses sein können. Voraussetzung ist jedoch, dass dafür die Dienstleistung eines Selbstständigen in Anspruch genommen werden kann. Begünstigt sind beispielsweise die Inanspruchnahme einer haushaltsnahen Tätigkeit über eine Dienstleistungsagentur, die Tätigkeit eines selbstständigen Fensterputzers, eines Krankenpflegers, Gartenpflegearbeiten durch einen selbstständigen Gärtner oder die Kinderbetreuung. Auch Aufwendungen von Angehörigen für die Pflege- und Betreuungskosten eines Behinderten gehören zu den haushaltsnahen Dienstleistungen.

Handwerkerleistungen sind ebenfalls mit 20 Prozent, in diesem Fall jedoch nur mit maximal 1200 Euro, von der tariflichen Einkommensteuer abziehbar.

Außergewöhnliche Belastungen bündeln und die Steuerlast senken

Krankheitskosten, wie Zahnarztrechnungen und andere außergewöhnliche Belastungen, können Steuerzahler absetzen, wenn sie ihre individuelle Belastungsgrenze überschreiten. Entscheidend ist das Datum der Bezahlung, sodass es sich lohnen kann, entsprechende Ausgaben gut zu planen und beispielsweise den Zahnarzt zu bitten, eine laufende Behandlung noch im Dezember abzurechnen.

Krankenversicherungsbeiträge im Voraus bezahlen

Beiträge für die Basiskranken- und Pflegepflichtversicherung (Basisabsicherung) sind nach dem Abflussprinzip im Jahr der Zahlung unbegrenzt in voller Höhe als sonstige Vorsorgeaufwendungen absetzbar. Dabei spielt es keine Rolle, für welches Jahr die Beiträge gezahlt werden. Es gilt lediglich folgende Einschränkung: Beiträge für künftige Jahre sind im Zahlungsjahr abziehbar, soweit sie das 2,5-Fache der für das Zahlungsjahr gezahlten Beiträge nicht übersteigen.

Wer die Möglichkeit hat, die Zahlung der Krankenkassenbeiträge selbst zu bestimmen, kann bis zum 2,5-Fachen des Jahresbeitrags im Voraus für kommende Jahre Beiträge zahlen. So lassen sich gegebenenfalls erheblich Steuern sparen beziehungsweise lässt sich die Steuerbelastung optimieren. Auf diese Weise können Steuerzahler Beitragszahlungen für Jahre mit geringer Steuerbelastung in Jahre mit hoher Steuerbelastung verlagern, zum Beispiel in ein Jahr mit hoher Abfindungszahlung und, falls die Fünftelregelung zum Ansatz kommt, zusätzlich vom Multiplikatoreffekt profitieren.

Durch Vorauszahlung und damit der Zusammenballung der Beiträge zur Basisabsicherung in ein Jahr "verbrauchen" Sie nur in diesem Jahr den Höchstbetrag für sonstige Vorsorgeaufwendungen. Dadurch können Sie in einem anderen Jahr ihre weiteren Vorsorgeaufwendungen bis zum Höchstbetrag steuermindernd geltend machen. Diese bringen ohne Vorauszahlung häufig keine Steuerentlastung, weil der Höchstbetrag bereits durch die Beiträge zur Basisabsicherung ausgeschöpft ist.

Aber Achtung: Die Berechnung der abzugsfähigen Vorsorgeaufwendungen ist sehr komplex und individuell verschieden; es gibt zwei Berechnungsmethoden. Bei vielen Steuerzahlern mit eher geringen Beiträgen kommt es durch die Vorauszahlung nicht zu einer (so hohen) Steuerersparnis. Bei den meisten Rentnern und Pensionären ist die alte Berechnungsmethode günstiger. Hier spielt dann der Höchstbetrag für sonstige Vorsorgeaufwendungen keine Rolle.

Steuern sparen mit Renten

Hier ergeben sich zwei wesentliche Möglichkeiten. Das sind zum einen Einmalzahlungen in die Rürup-Rente: Steuerzahler können durch Einmalzahlungen nicht nur ihre Altersversorgung aufbessern, sondern auch Steuern sparen. Grundsätzlich sind 90 Prozent der Beitragszahlungen als Sonderausgaben absetzbar. Für Ledige liegt der jährliche Höchstbetrag bei 25.046 Euro, bei zusammen veranlagten Ehegatten verdoppelt er sich.

Zum anderen ist die Riester-Rente ein Thema. Denn die beim Aufbau einer privaten Altersvorsorge gewährten staatlichen Förderungen bestehen aus der Zulage oder aus dem Sonderausgabenabzug. In den meisten Fällen wird die Zulage interessant sein. Der Sonderausgabenabzug kann jedoch von Vorteil sein, wenn der Zulagenberechtigte ein verhältnismäßig hohes Einkommen bezieht.

Dazu ein Beispiel: Ein Single verdient im Jahr 2020 55.000 Euro Bruttogehalt und zahlt die maximale Sparrate von 1.946 Euro plus 154 Euro Zulage ein. Dann bekommt er 706 Euro zusätzlich vom Finanzamt nach der Steuererklärung für 2020 erstattet.

Abschied oder Jubiläum im Büro und das Bahnticket für 2021 absetzen

Angestellte, die in den Ruhestand gehen, ein Firmenjubiläum feiern, eine Beförderung oder einen runden Geburtstag begehen wollen, können das Finanzamt an den Kosten für die Feierlichkeiten beteiligen. Wenn sie die Party noch bis zum Jahresende feiern und bezahlen, profitieren sie steuerlich bereits mit der Jahresabrechnung 2020 vom hohen Werbungskostenabzug.

Und wer viel auf Dienstreise ist, kauft sich am besten bis Ende Dezember das Jahres-Zugticket für 2021. Den Kaufpreis können Steuerzahler dann in ihrer Steuererklärung für 2020 als vorweggenommene Werbungskosten geltend machen. Wer für 2020 eine Entfernungspauschale für Fahrten zur Arbeit absetzen kann, addiert die Kosten fürs Jahresticket. Gerade die Bündelung der Fahrtkosten bringt einen satten Steuervorteil in der Steuererklärung für 2020.

Immer einen Blick wert: Die Steuerklassen

Unterscheidet sich das Einkommen eines Ehepartners um 30 Prozent oder mehr vom Bruttogehalt des anderen (Beispiel: Mann 60.000 Euro, Frau 35.000 Euro), sollten sie einen Wechsel in die Steuerklassen III und V prüfen, statt beide in Steuerklasse IV zu bleiben. Haben beide Partner ein ähnliches Einkommen, können sie statt der Kombination IV/IV die Kombination IV-Faktor/IV-Faktor wählen. Der Faktor ist ein steuermindernder Multiplikator, der die Vorteile des Splittingtarifs auf die unterschiedlich hohen Arbeitslöhne beider Ehepartner verteilt. Der Lohnsteuerabzug ist deshalb genauer und vermeidet in der Regel Einkommensteuer-Nachzahlungen.

Lohnsteuer-Freibetrag für 2021 beantragen

Wer Kinderbetreuungs- oder Unterhaltskosten hat, regelmäßig spendet oder weit zur Arbeit fahren muss, bezahlt jeden Monat zu viel Lohnsteuer. Mit einem Antrag auf Lohnsteuerermäßigung können sich Steuerpflichtige vom Finanzamt für diese Kosten einen Lohnsteuerfreibetrag eintragen lassen. Bei der Lohn- und Gehaltsabrechnung kürzt der Arbeitgeber dann den Bruttoarbeitslohn entsprechend und berechnet die Lohnsteuer nur auf der Grundlage des gekürzten Bruttoarbeitslohns.

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Die erfreuliche Folge: Betroffene zahlen während des Jahres weniger Lohnsteuer und haben monatlich mehr Geld auf dem Konto. Einziger Wermutstropfen: Bei der Steuererklärung im nächsten Jahr erhalten sie in diesem Fall dann keine große Rückerstattung mehr, weil sie das Geld schon monatlich erhalten haben. Wer noch im Dezember den Antrag stellt, kann sich schon ab Januar über ein höheres Netto-Einkommen freuen.

Sonstige Last-Minute-Steuersparideen

Zu den weiteren Optionen gehören Geldspenden oder Sachspenden an gemeinnützige Organisationen. Diese können Steuerpflichtige in der Steuererklärung geltend machen. Bei Spenden bis 200 Euro geht das sogar ohne offizielle Spendenbescheinigung.

Etwas für ganz Spontane ist die Hochzeit vor Silvester: Wer noch bis zum 31. Dezember 2020 standesamtlich heiratet, kann in der Steuererklärung das Ehegattensplitting rückwirkend für das gesamte Jahr 2020 beantragen.

Zu guter Letzt sollten Steuerpflichtige Freistellungsaufträge prüfen, denn Zinsen aus Kapitalanlagen werden oft Ende Dezember ausgeschüttet. Viele Menschen haben unterschiedliche Konten und Anlageformen, meist verteilt auf mehrere Banken. Da kann man leicht den Überblick verlieren: Steuerzahler, die Konten bei verschiedenen Instituten unterhalten, sollten vorher prüfen, ob ihre Aufteilung noch aktuell ist.

Daniel Schollenberger ist Steuerexperte des Portals Steuertipps.de von Wolters Kluwer.

Quelle: ntv.de

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