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Einkommensteuererklärung 2020 Zu spät dran - schon Steuern hinterzogen?

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Für die Steuererklärung 2019 gibt es eine klare Abgabefrist: Spätestens am 31. Juli muss man die ausgefüllten Formulare beim Finanzamt abgeben.

(Foto: imago/blickwinkel)

Auch in diesem Jahr steht für viele verpflichtend die Steuererklärung an. Doch bei einer Abgabe nach Ablauf der Frist Ende Juli handelt es sich aus Sicht des Finanzamts bereits um eine Steuerhinterziehung auf Zeit. Wie die definiert ist und wie man Strafen noch abwenden kann, erfahren Sie hier.

Jährlich grüßt die Steuererklärung: Für die meisten Steuerzahler eine lästige Pflicht, die sie gern vor sich herschieben. Doch Vorsicht: Wer die Steuererklärung nach dem 31.07. und damit zu spät abgibt, begeht bereits eine Steuerhinterziehung auf Zeit. Wir erklären die Hintergründe und wie Steuerpflichtige die Frist verlängern können.

Steuerhinterziehung ist klar definiert

Auf "Steuerdeutsch" erklärt Paragraf 370 Absatz 1 Nummer 2 Abgabenordnung zusammengefasst: Wird die Finanzbehörde pflichtwidrig über steuerlich erhebliche Tatsachen in Unkenntnis gelassen und werden dadurch Steuern verkürzt oder andere nicht gerechtfertigte Steuervorteile erlangt, ist die Steuerhinterziehung durch Unterlassung erfüllt.

Daniel Schollenberger ist Steuerexperte des Portals Steuertipps.de von Wolters Kluwer.

Daniel Schollenberger ist Steuerexperte des Portals Steuertipps.de

Wer also zu spät einreicht, hat die Behörde in Unkenntnis gelassen und Steuerhinterziehung begangen. Die Anwendung der Paragrafen setzt nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH) voraus, dass der Steuerpflichtige dem Finanzamt steuerlich "erhebliche Tatsachen" vorenthält (BGH vom 20.5.1981, BGHSt 30, 122, 124) - und erheblich meint nicht eine Liga mit Uli Hoeneß.

Insgesamt gibt es drei wesentliche Grundlagen für die Steuerhinterziehung. Steuern hinterzieht, wer

  • den Finanzbehörden pflichtwidrig steuerlich erhebliche Tatsachen verschweigt und dadurch Steuern verkürzt – das betrifft die verspätete Abgabe der Steuererklärung oder Umsatzsteuervoranmeldung
  • dem Finanzamt oder anderen Behörden über steuerlich erhebliche Tatsachen falsche oder unvollständige Angaben macht – z. B. gefälschte Nachweise für Werbungskosten oder das Verschweigen von Einnahmen, beispielsweise einer Rente
  • oder für sich oder einen anderen nicht gerechtfertigte Steuervorteile erlangt. Ein solcher Vorteil ist zum Beispiel ein Scheingeschäft: Der Ehemann zahlt seiner Frau das Haushaltsgeld als Lohn aus


Auch bei Nachreichung drohen Strafen

Wenn Steuerzahler ihre Einkommensteuererklärung oder Umsatzsteuer- und/oder Gewerbesteuer für 2019 nicht bis zum 31.7.2020 bei ihrem Finanzamt eingereicht haben, begehen sie also eine versuchte oder vollendete Steuerhinterziehung durch Unterlassen. Wichtig: Auch wer zu spät dran ist, kann und muss die Steuererklärung auf jeden Fall nachreichen. Allerdings drohen neben Verspätungszuschlägen seit 2017 noch andere Unannehmlichkeiten: Das Finanzamt darf eine Geldbuße festsetzen.

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Um Ärger abzuwenden, können Steuerzahler noch schnell eine Fristverlängerung beantragen und auf die Gnade ihres Finanzbeamten hoffen. Und es gibt noch eine Möglichkeit, negative Folgen zu umgehen.

Kein Gesetz ohne Schlupfloch - Joker Steuerberater

Für steuerlich vertretene Steuerpflichtige verlängert sich die Abgabefrist auf den 28.02.2021 - und da dies ein Sonntag ist sogar auf den 01.03.2021.

Die nachträgliche Beauftragung eines Steuerberaters (also nach dem 31.7.2019) kann zu einer rückwirkenden Verlängerung der Abgabefrist führen und lässt dementsprechend zugleich rückwirkend die Strafbarkeit entfallen.

So können Steuerzahler den Vorwurf rückwirkend beseitigen

Sollte der Steuerzahler bis zum 31.07.2019 seine Steuererklärung nicht abgegeben haben (die Gründe spielen keine Rolle), sollte er zunächst versuchen, durch einen Fristverlängerungsantrag einen Aufschub zu erlangen. Gelingt dies nicht, bleibt nur, unverzüglich den "Joker" Steuerberater zu ziehen und ihn mit der Erstellung der Jahreserklärungen zu beauftragen.

Durch die Auftragserteilung lässt sich zum einen steuerrechtlich rückwirkend eine allgemeine Fristverlängerung erreichen (damit entfallen Verspätungszuschläge) und zum anderen entfällt zugleich rückwirkend die "Pflichtwidrigkeit" im Sinne des genannten Paragrafen 370 AO. Dadurch werden die durch den Fristablauf eingetretenen Wirkungen wieder beseitigt. Das Verhalten des Steuerzahlers kann schließlich nicht pflichtwidrig sein, wenn die Frist für die Einreichung der Steuererklärung noch nicht abgelaufen ist.

Fazit

So lästig sie ist: Steuerpflichtige sollten sich rechtzeitig um ihre Steuererklärung kümmern, um gar nicht erst in die Bredouille einer Hinterziehung auf Zeit zu kommen. Wer einen kleinen Anreiz braucht: Die durchschnittliche Steuererstattung beträgt 1.027 Euro und die Erklärung ist mit der richtigen Unterstützung von Software oder Berater schnell erledigt.

Daniel Schollenberger ist Steuerexperte des Portals Steuertipps.de von Wolters Kluwer.

Quelle: ntv.de