Ratgeber

Griechische Staatsanleihen Umtauschangebot gut prüfen

Auch durch den geplanten Schuldenverzicht privater Gläubiger konnte Griechenland vorerst vor der Pleite gerettet werden. Privatanleger, die in Folge dessen ein Umtauschangebot für ihre griechischen Staatsanleihen erhalten haben, sollten ihre Entscheidung unter anderem von der Laufzeit ihrer Papiere abhängig machen.

32p42549.jpg4176252273681022612.jpg

Ob sie das Angebot zum Umtausch griechischer Staatsanleihen annehmen oder nicht, sollten Privatanleger gut prüfen.

(Foto: dpa)

In den vergangenen Tagen haben Privatanleger, die griechische Staatsanleihen besitzen, Post von ihrer depotführenden Bank bekommen. Inhalt war das Umtauschangebot der Republik Griechenland. „Anleger sollen auf mindestens 53,5 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Da die neuen Anleihen aber Laufzeiten von 30 Jahren haben werden, wird der Verzicht gerade für diejenigen, deren Papiere in 2012 fällig wären, noch deutlich höher ausfallen“, sagt Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der DSW (Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz).

Denn sie würden nicht nur auf einen Teil der Forderungen verzichten, sondern müssten auch spätere Kursverluste der Anleihe einkalkulieren. Aus Sicht der Anlegerschützer sollten Privatanleger Papiere mit kurzen Restlaufzeiten daher nicht umtauschen. „Wir raten daher insbesondere Investoren, deren Papiere kurze Restlaufzeiten haben, das Angebot nicht anzunehmen“, so Tüngler weiter.

Risiko überschaubar?

Sollte die Zustimmungsquote zwischen 75 und 90 Prozent des ausstehenden Nominalkapitals liegen, wird es aller Voraussicht nach zu einem Zwangsumtausch kommen. Anleger, die sich gegen den Umtausch entschieden haben, werden also behandelt als hätten sie zugestimmt und verlieren somit nichts. „Sollte die Quote über 90 Prozent liegen, wird der Umtausch freiwillig durchgeführt. Im Ergebnis dürfte das bedeuten, dass sich an der Endfälligkeit der Anleihen derjenigen Investoren, die sich gegen das Angebot entschieden haben, nichts ändert. Bei den 2012 fälligen Anleihen besteht dann durchaus die Chance einer Rückzahlung zum Nennwert“, sagt Tüngler.

Kein „GR“ in der ISIN

Für Anleger, die griechische Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten im Depot haben, könnte ein Umtausch aber sinnvoll sein, da sie auf diese Weise das Risiko ein wenig mindern könnten. Denn zum einen seien 15 Prozent des Nennwertes der neuen Anleihen unter anderem durch den Europäischen Krisenfonds EFSF gesichert. Zum anderen würden die neuen Anleihen nach englischem Recht beurteilt. Und damit seien die Hürden für einen weiteren Schuldenschnitt weit höher als nach griechischem Recht.

Keinen Handlungsbedarf gebe es derzeit für Anleger, die griechische Anleihen im Depot haben, die bereits jetzt nach englischem Recht zu beurteilen sind. Diese Anleihen sind daran zu erkennen, dass die ISIN (die internationale Wertpapierkennnummer) nicht mit „GR“ beginnt. „Bei diesen Anleihen ist allerdings zu beachten, dass die Konditionen durch Gläubigerversammlungen, die bereits terminiert sind, geändert werden können“, so Tüngler.

Keine Gedanken über Umtauschangebote müssen sich Besitzer von breit aufgestellten Rentenfonds machen. Nach Angaben des Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) in Frankfurt sind die Anlagen von Investmentfonds in Staatsanleihen krisengeschüttelter Staaten äußerst begrenzt. Der Bestand von griechischer Staatsanleihen im Wertpapierfondsvermögen deutscher Publikumsfonds liegt demnach bei lediglich 0,02 Prozent.

Quelle: ntv.de, awi/dpa