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Unerwarteter Thermomix-Modellwechsel Vorwerk brüskiert Hobbyköche

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Der alte Thermomix T35. Das Gerät kann man nicht im Laden kaufen oder online bestellen, der Vertrieb läuft nach dem Tupper-Prinzip.

Wenn die nächste Generation einer Küchenmaschine herauskommt, interessiert das normalerweise allenfalls das Fachpublikum. Bei Vorwerks Thermomix ist das anders. Doch die Reaktionen auf den Modellwechsel sind nicht unbedingt im Sinne des Herstellers.

Monate bevor Apple ein neues iPhone vorstellt, kursieren Bilder im Netz, wie das Gerät vermutlich aussehen wird. Und lange bevor VW einen neuen Golf herausbringt, locken Händler mit zusätzlichen Rabatten auf das aktuelle Modell. Kurz: In der Regel wissen Kunden im Voraus Bescheid, wenn ein Nachfolger ansteht. Nun hat sich die Firma Vorwerk mächtig Ärger eingehandelt, weil sie den Modellwechsel einer Küchenmaschine bis zum Veröffentlichungstermin geheim gehalten hat.

Seit dem 5. September können Vorwerk-Kunden den neuen Thermomix TM5 bestellen. Er löst den TM31 ab, der zehn Jahre lang die Referenz in Sachen Küchenmaschinen war. Der Thermomix ist nicht irgendein Mixer, sondern die eierlegende Wollmilchsau unter den Küchengeräten. Er kann mixen, rühren und kneten, Getreide mahlen, Gemüse häckseln, Mayonnaise emulgieren, dampfgaren, kochen und wiegen. Und der neue TM5 soll das zum Teil noch etwas besser hinkriegen: Er ist leiser, hat etwas mehr Platz im Mixtopf und lässt sich per Touchscreen bedienen, über den man auch Rezepte und Kochanweisungen abrufen kann.

Das Problem: Bis zum letzten Tag wurde der TM31 zum vollen Preis von fast 1000 Euro verkauft, ohne dass die Kunden ahnen konnten, dass der Nachfolger schon in der Fertigung war. Der wiederum wird von Vorwerk als "Revolution in der Küche" beworben. Nun sind die Käufer sauer, weil ihnen niemand die kommende "Revolution" angekündigt hat. Auch nicht die Vorwerk-Berater, über die der Wundermixer exklusiv zu beziehen ist. Sie gaben fragenden Kunden bis zuletzt die Auskunft, dass ein neues Modell nicht abzusehen sei. Nicht aus böser Absicht, sondern weil sie es selbst nicht besser wussten. Denn die Verkäuferinnen wurden nur einen Tag vor der Öffentlichkeit über den Wechsel informiert.

In den einschlägigen Foren und auf der Facebook-Seite von Vorwerk machen Nutzer ihrem Ärger Luft: "Bis gestern hatten Sie einen begeisterten Neu-Kunden gewonnen, heute bin ich einfach nur maßlos enttäuscht", schreibt einer. "Bei dem Preis erwarte ich einfach Offenheit gegenüber dem Kunden", sagt ein anderer. Und ein dritter poltert "Sowas ist schlicht Verarsche" und erntet dafür Zustimmung.

Kein Umtausch möglich

Vorwerk selbst rechtfertigt das Vorgehen mit "rechtlichen, marken- und produktionstechnischen Aspekten". Die Konkurrenz sollte nicht auf das neue Produkt aufmerksam werden. Die wütenden Kunden versucht Vorwerk zu besänftigen: Immerhin gebe es auch für den TM31 noch zehn Jahre lang Ersatzteile und Kundenservice. Zudem habe sich der Käufer ja aus gutem Grund für den TM31 entschieden, eben weil er "ein tolles Multitalent" mit überzeugenden Funktionen sei, das könnten 5 Millionen zufriedene Kunden weltweit bestätigen. Und daran ändere auch der neue TM5 nichts, mit dem der Konzern nun in die "digitale Welt des Kochens" starte. Die meisten Kunden sehen das aber anders und fordern mehr Transparenz von dem Unternehmen, das von den Weiterempfehlungen zufriedener Berater lebt.

Hoffnungen, einen gerade erworbenen TM31 gegen ein neues Modell tauschen zu können, können sich die Kunden nicht machen. Einen Umtausch bietet Vorwerk nicht an. Wer seinen TM31 gerade erst geliefert bekommen hat, kann ihn innerhalb der 14-tägigen Widerrufsfrist zurückschicken, vorausgesetzt, die Maschine ist noch unbenutzt. Alle, die einen TM31 geordert haben, der noch nicht verschickt wurde, werden ihn auch nicht mehr bekommen, denn er wird nicht mehr gefertigt. Stattdessen bietet Vorwerk eine Umwandlung an: Gegen 90 Euro Aufpreis wird der TM5 geliefert, wer ihn nicht will, hat Pech gehabt. Nur über zweite Hand bekommt man noch ein altes Modell. Schnäppchenjäger werden aber enttäuscht sein: Auch gebrauchte Geräte gehen zu Preisen von mindestens 800 Euro weg.

Quelle: n-tv.de, ino

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