Ratgeber
Montag, 07. Mai 2012

Kein Trinkwasser für die Klospülung: Wann rechnet sich Regenwasser?

Den Garten bewässert man wenn möglich mit Regenwasser. Doch auch in der Toilette oder in der Waschmaschine muss nicht unbedingt teures Trinkwasser zum Einsatz kommen. Doch nicht immer ist Regenwassernutzung sinnvoll.

Regenwasser gibt es umsonst - die Zisterne und die Installation sind allerdings nicht billig.
Regenwasser gibt es umsonst - die Zisterne und die Installation sind allerdings nicht billig.(Foto: picture alliance / dpa)

Trinkwasser ist kostbar und teuer. Der durchschnittliche Wasserverbrauch lag 2011 bei 122 Litern pro Person und Tag. Durch die Toilette rauschten 33 Liter und fürs Wäschewaschen wurden 15 Liter verbraucht. Regenwasser kommt dagegen in der Regel nur in der Gartenbewässerung zum Einsatz. Ziemlich verschwenderisch, meinen manche Hausbesitzer und denken über den Einsatz von Regenwasser nach.

"Die Voraussetzung, Regenwasser im Haus zu verwenden, ist eine fachgerecht installierte Regenwassernutzungsanlage", erläutert Dietmar Sperfeld von der Fachvereinigung Betriebs- und Regenwassernutzung (fbr). Zu der Anlage gehören ein Wasserspeicher aus Beton oder Kunststoff, ein Rohr- und Filtersystem und eine möglichst effiziente Pumpe. Der Preis liege bei etwa 3000 bis 5000 Euro. Die Anlage muss beim Wasserversorger angemeldet werden und vor Inbetriebnahme ist sie dem Gesundheitsamt anzuzeigen.

Algenbildung droht

So ein Wasserspeicher kann im Keller oder außerhalb, im Erdreich des Gartens, aufgestellt werden. Gesammelt wird das Regenwasser in Beton- oder Kunststoffspeichern. Im Einzelfall können auch stillgelegte Öltanks oder Abwassergruben nach gründlicher Reinigung durch eine Fachfirma genutzt werden. Kellertanks sollten aus lichtundurchlässigem Kunststoff bestehen, damit sich im Gefäß keine Algen bilden. Der Regenwasserspeicher muss mit einem Überlauf ausgestattet sein, wenn zu viel Nass vom Himmel kommt. Ist es aber mal über längere Zeit trocken, muss die Anlage auch mit Trinkwasser aufgefüllt werden können. Dabei darf Regenwasser aber nicht mit der Trinkwasserinstallation in Verbindung kommen.

"Ob sich mit so einer Anlage Regenwasser effektiv nutzen lässt, hängt von vielen Faktoren ab", erklärt Sebastian Schönauer, Wasserexperte beim Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND). Dazu gehören zum Beispiel die Größe des Dachs, die zu erwartende Niederschlagsmenge sowie die Anzahl der Personen im Haushalt. "Besonders interessant ist Regenwassernutzung für einen Hausbesitzer mit großem Garten, der in Trockenperioden gewässert werden muss", sagt Schönauer.

Für die Umwelt ein Gewinn

Für die Umwelt zahle sich der Einbau von Zisternen immer aus, betont Schönauer. Denn mit ausreichend großen Regenspeichern werde das Niederschlagswasser aufgefangen und damit vom schnellen Abfluss Richtung Gewässer oder Kläranlagen abgehalten. Auch zum Wäschewaschen ist Regenwasser gut geeignet. "Wer weiches Regenwasser für die Waschmaschine nutzt, spart Waschmittel und Weichspüler und belastet damit das Abwasser weniger mit Chemikalien", sagt Dirk Petersen von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Die Wasserwirtschaft sieht Regenwasseranlagen eher kritisch. In einer Zisterne fängt man häufig das vom Dach ablaufende Wasser ab. Das Problem: Es ist kein pures Regenwasser, denn es löst Schadstoffe von den Dachflächen ab: Auch Schwermetalle, Bakterien, Krankheitserreger können in die Zisterne gelangen. Zudem ersetzt die Anlage nicht die ohnehin vorhandene Hausinstallation. Zwei Anlagen bedeuteten aber doppelte Anschaffungskosten und doppelten Pflegeaufwand.

"Regenwasseranlagen nutzen immer der Umwelt, sie rechnen sich aber nach Ansicht von Experten ohne öffentliche finanzielle Förderung wirtschaftlich nicht", sagt dazu der Umweltreferent Petersen. Dies sei bedauerlich. Für Garten- und Balkonpflanzen sei das Regenwasser aber bestens geeignet. Deshalb sei es auch sinnvoll, Wasser in einer Regentonne aufzufangen.

Quelle: n-tv.de