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Schimmel und Spechte Wann sich Wärmedämmung wirklich lohnt

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Ein Arbeiter befestigt Dämm-Platten an einer Hausfassade.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Strompreise steigen - Zeit, den Energiebedarf zurückzuschrauben. Die Bundesregierung fördert energieeffiziente Gebäudedämmungen. Immobilienbesitzer können manchmal viel Geld sparen, oft geht die Rechnung aber nicht auf.

Es klingt verlockend: 50 Prozent des Energiebedarfs können Immobilienbesitzer durch energieeffiziente Sanierungen einsparen, bei Altbauwohnungen sogar bis zu 90 Prozent. Das zumindest sagt das Bundesumweltministerium und gibt reichlich Anreiz zur Ausbesserung der eigenen vier Wände.

150 Milliarden Euro an Fördergeldern und Krediten hat der Staat in den letzten acht Jahren für energieeffizientes Wohnen lockergemacht. Im Prinzip kann jeder Immobilienbesitzer eine Förderung beantragen, egal ob er ein Haus baut oder seine bereits existierende Immobilie sanieren will. Das Versprechen: Wer jetzt Geld investiert und seine Immobilie energieeffizient macht, spart letztlich durch die niedrigeren Ausgaben für Energie.

Der Mieter trägt die Kosten

Das Mietrecht schafft Anreize, auch vermietete Wohnungen energieeffizient zu sanieren - auf Kosten des Mieters. Denn der Vermieter darf nach der Modernisierung die Miete um jährlich bis zu 11 Prozent der für die Wohnung aufgewendeten Kosten erhöhen. Im besten Fall wird die höhere Miete durch die Ersparnis bei den Heizkosten kompensiert. Oft werden Mieter am Ende aber stärker belastet, weil ihre Nebenkosten nicht im gleichen Maß sinken, wie die Miete steigt.

Das neue Mietrecht räumt sanierungswilligen Vermietern weitere Hürden aus dem Weg: Während der Sanierungsphase hat der Mieter keinen Anspruch auf Mietminderung - solange der Umbau ausschließlich einer besseren Energieeffizienz der Immobilie dient. Baut der Vermieter gleichzeitig noch eine neue Badewanne ein, kann der Mieter unter Umständen auf eine Mietminderung bestehen.

Für energetische Sanierungen müssen Hausbesitzer oft fünfstellige Beträge investieren. Modernisierungen lohnen sich deshalb vor allem dann, wenn Teile einer Immobilie ohnehin ausgebessert oder ersetzt werden müssen, etwa bei Altbauwohnungen. Viele haben eine miserable Energiebilanz, allerdings lauern hier auch besonders hohe Kosten: "Im Gegensatz zu Neubauten kann man bei Bestandsimmobilien nicht unbegrenzt neue Technik einbauen. Zwar lohnt sich eine Sanierung in den meisten Fällen, aber eben nur bis zu einem gewissen Grad. Danach wird es sehr teuer", sagt Professor Sven Bienert vom Institut für Immobilienwirtschaft der Universität Regensburg.

Gesundheitsrisiko Styropor

Zum Beispiel bei Dämm-Materialien, die oft aus Polystyrol bestehen. Das Material fängt leicht an zu schimmeln, mehrere US-Bundesstaaten haben Dämm-Platten aus Polystyrol, Polyurethan und Steinwolle deshalb bereits verboten. Das Material eignet sich nur in Kombination mit einer guten Lüftungsanlage. Muss die aber aufwendig in eine bestehende Immobilie integriert werden, übersteigen die Kosten oft den Spareffekt in der Zukunft.

Außerdem führt das nicht gerade umweltfreundliche Dämm-Material den Sinn der Förderungen - die Umweltbilanz Deutschlands nachhaltig zu verbessern - ad absurdum. "Die Herstellung ist sehr energieaufwendig und recyceln kann man Polystyrol auch nicht so einfach. Das Problem ist, dass nachwachsende Dämm-Stoffe aber oft teurer sind.", sagt Sven Bienert.

Gedämmte Wände sind in manchen Regionen außerdem ein bevorzugter Nistplatz für Spechte. Die Vögel hacken ein Loch in die weiche Fassade - der energiesparende Effekt ist passé und muss teuer ausgebessert werden.

Viele Häuslebauer haben allerdings keine Wahl: Bei Neubauten und Sanierungen eines gewissen Ausmaßes sind die Eigentümer durch die Energieverordnung (EnEV) zur Energieeffizienz verpflichtet. Nur wer nachweisen kann, dass sich die Investition bei seiner Immobilie nicht rechnet, wird vom Modernisierungszwang befreit. Das Bundesumweltministerium und die Förderbank KFW bieten hilfreiche Tools zur Berechnung von Kosten und Nutzen der Ausbesserungen an.

Quelle: n-tv.de

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