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Tenhagens Tipps War es das mit Gratis-Bargeld?

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Unerfreulich, einige Sparkassen und Volksbanken verlangen von ihren Kunden mittlerweile Gebühren für das Geldabheben. Ob sich der Trend fortsetzt und vor allem was Verbraucher dagegen tun können,  verrät Finanztip-Chefredakteur Tenhagen.  

n-tv.de: Sowohl Sparkassen als auch Volks- und und Raiffeisenbanken erheben zum Teil Gebühren für die Bargeldversorgung. Wie bewerten Sie das?

Hermann-Josef Tenhagen: Vor ein, zwei Jahren waren das absolute Raritäten, inzwischen nimmt das immer mehr zu. Bei den Sparkassen tun dies ja bereits 10 Prozent der Institute und bei den VR-Häusern sind es sogar mehr als 15 Prozent. Obwohl beide bisher immer gesagt haben, dieses kostenlose Netz an Geldautomaten sei ein besonderer Vorzug und deswegen soll das auch erhalten bleiben, auch wenn Kunden an anderer Stelle Nachteile haben. Wenn nun dieser Vorteil nicht mehr gelten soll, muss man sich schon fragen, was die betreffenden Geldinstitute da geritten hat.

Sind das Ausnahmen oder war es das mit dem kostenlosen Geldabheben?

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Website Finanztip.

Eine Zunahme will ich nicht ausschließen. Wenn aber die Sparkassen und VR-Banken jetzt ordentlich Haue bekommen für ihre Maßnahmen, wenn denen jetzt ein paar hunderttausend Kunden abhandenkommen wegen dieser Gebühren, dann wird sich das jede andere Bank genau überlegen, ob sie auch Geld fürs Bargeldabheben verlangt.

Die Gebühren, die da genommen werden, sind nicht arg hoch, es wird aber auch nicht offen darüber geredet. Der Kunde wird sozusagen durch die kalte Küche angezapft und das irritiert. Da hat man ein Produkt, welches in der Öffentlichkeit mit ganz großen Sprüchen und Versprechen – wie eben dem kostenlosen Automatennetz – beworben wird und dann wird heimlich abkassiert. Wenn die Banken meinen, sie kommen überhaupt nicht mehr ohne Zusatzgebühren über die Runden, dann sollte dies auch so kommuniziert werden.

Was können Kunden dagegen tun?

Gegenüber der Bank die Erwartung formulieren, solche Gebühren nicht bezahlen zu müssen. Sprich, Sparkasse oder VR-Bank sollen aufgefordert werden, ein individuell günstigeres Kontomodell zu nennen. Wenn das Angebot dann nicht zufriedenstellend ist, kann der Kunde ja auch die Bank wechseln. Dies ist ja seit letztem Herbst einfacher denn je.

Wo gibt es denn noch Gratis-Girokonten?

Die gibt es noch zuhauf. Und es gibt auch noch Konten, die nahezu kostenlos sind. Wir empfehlen bei Finanztip Kontomodelle der Comdirect, die DKB (eine Tochter der Bayrischen Landesbank – und damit dem Sparkassenlager zugehörig) und die Consorsbank, eine Tochter einer französischen Großbank.

Und was machen jene, die kein Online-Konto möchten?

Es gibt auch Banken, die ein Filialnetz bieten, die billiger sind als manche Sparkassen oder Volksbanken. Wenn einem die Filiale wichtig ist, muss vor Ort geschaut werden, wer da noch vertreten ist. Häufig sind Sparda- oder PSD-Banken recht günstig.

Haben sich derartige Überlegungen rund ums Geldabhaben viellicht bald ohnehin erledigt, weil das Bargeld sowieso bald abgeschafft wird?

Wir Verbraucher wollen das Bargeld behalten, die Banken machen dieses jedoch immer teurer. Da können Einzelhändler, die nun beim Einreichen ihrer Münzen dafür Gebühren zahlen müssen, ein Lied davon singen.

Ich glaube aber, vorläufig bleibt uns das Bargeld noch erhalten. Mitunter kann man aber auch vermuten, dass die Geldinstitute diesen Wunsch nicht teilen und den gesamten Zahlungsverkehr nur noch elektronisch abwickeln möchten. Dann kann es allerdings nicht sein, dass künftig auch die Brötchen mit Karte gezahlt werden müssen und dafür dann eine Kartengebühr von 20 Cent berappt werden muss.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Axel Witte

Quelle: n-tv.de

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