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Baufinanzierung 2020 Was kommt - Zinssprung oder Zinssturz?

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Es gibt durchaus Parameter, die nachweislich auf die Bauzinsen wirken.

(Foto: imago/Ikon Images)

Die Prognosen zur Zinsentwicklung beim Baugeld fallen dieses Jahr sehr vorsichtig aus. Schuld daran sind die weltweiten politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten, populistische Politiker - und die Fehler der Vergangenheit.

Der Dezember ist die Zeit der großen Jahresrückblicke. Leider fallen die nicht immer nur positiv aus, auch dann, wenn man die Entwicklung der Bauzinsen betrachtet.

Erfreulich aus Sicht von Käufern und Bauherren war 2019, dass die erwarteten Zinserhöhungen ausgeblieben sind und Baudarlehen stattdessen noch einmal billiger wurden: Der FMH-Index für die Bauzinsen von zehn Jahre fest startete im Januar bei 1,36 Prozent, sank bis Mitte September bis auf 0,67 Prozent, aktuell liegt er bei 0,80 Prozent. Unschön hingegen war, dass längst nicht alle Interessenten von diesen Niedrigzinsen profitieren konnten. Grund: Der Markt ist in den Ballungsgebieten leergefegt und die Objektsuche zieht sich oft deutlich länger als erwartet.

Vorsichtig pessimistisch

All jene, die noch nicht fündig geworden sind oder erst mit der Planung beginnen, fragen sich nun voll Sorge, wie sich die Zinsen im kommenden Jahr entwickeln könnten - und stellen damit selbst ausgewiesene Experten vor eine Herausforderung.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Spätestens seit den vielen Fehleinschätzungen des vergangenen Jahres ist klar: Der Markt lässt sich schwer abschätzen. Das beweist auch eine aktuelle Umfrage der FMH-Finanzberatung unter namhaften Branchenkennern. Zwar gehen alle davon aus, dass das Zinsniveau 2020 eher niedrig bleibt. Schwankungen nach oben oder unten seien aber ebenfalls zu erwarten. Sicher ist nach Meinung von Sabine Münster, Bereichsleiterin Baufinanzierung & Vorsorge bei der Comdirect, nur eines: "Ein langweiliges Zinsjahr wird 2020 mit Sicherheit nicht." Eine etwas klarere Aussage kommt von Oliver Lüsch, Vorstand der BBBank: "Die Zinsen in 2020 bleiben historisch niedrig."

Weltpolitische Ereignisse beeinflussen deutsche Bauzinsen

Bei aller Unsicherheit über die anstehenden Entwicklungen: Es gibt durchaus Parameter, die nachweislich auf die Bauzinsen wirken. Vereinfacht ausgedrückt gilt Folgendes: Häufen sich die Konflikte in der Welt, investieren Anleger verstärkt in die extrem sicheren Bundesanleihen. Das drückt deren Rendite und führt am Ende auch zu sinkenden Zinsen.

Wenden wir diese Theorie auf das Jahr 2020 an, ergibt sich ein gemischtes Bild. Einige Krisenherde scheinen sich zwar zu entspannen: Italien verspricht, solider zu wirtschaften, auch keimt immer wieder die Hoffnung, dass China und die USA auf eine weitere Eskalation des Handelskrieges verzichten könnten und vielleicht sogar kurz vor einer Einigung stehen. Wie es hingegen nach den Wahlen in Großbritannien weitergeht und welchen Brexit-Kurs der britische Premier nach seinem Erdrutsch-Sieg einschlagen wird, bleibt abzuwarten. Auch im Rest der Welt bestehen noch Unsicherheiten: Unter anderem die Entwicklung im Iran oder die Neuwahlen in den USA. Es könnte daher auch im neuen Jahr wieder ein Jo-Jo bei den Zinsen geben - je nachdem, welche Situation gerade ein Übergewicht in der weltweiten Betrachtung gewinnt.

Sollten sich die Anzeichen der Entspannung verfestigen, könnten die Renditen der Bundesanleihen jedenfalls steigen. Dies würde auf die Erträge der Pfandbriefe durchschlagen und zu höheren Bauzinsen führen. Aber eben nur vielleicht.

Denn neben den Bundesanleihen und Pfandbriefen beeinflussen auch die Kundeneinlagen bei den Banken die Konditionen der Baufinanzierung: Je niedriger die Zinsen für Tagesgeld, Festgeld und Girokonten sind, desto günstiger können die Banken Teile davon für die Vergabe von Baugeld zu geringen Zinsen verwenden. Was das in Zeiten von Negativzinsen bedeutet, kann sich jeder selbst ausrechnen.

Führen von unten

Nicht unterschätzen sollten Kunden zudem ihren eigenen Einfluss auf die Baugeldzinsen. Die FMH-Finanzberatung hat festgestellt, dass die Zinsrabatte bei höherer Tilgung im Laufe der vergangenen drei Jahre konstant gewachsen sind. Ebenfalls zu ihrem Vorteil nutzen können Kunden den extremen Wettbewerb zwischen den Banken. Zwar sind deren Margen in der Baufinanzierung mit 0,5 bis 1 Prozent auf ein überschaubares Niveau gesunken. Und doch stellen Baufinanzierungen noch immer eine gesuchte Einnahmequelle gerade von Banken und Sparkassen dar, da sie ein langfristiges und sicheres Geschäft ermöglichen. Zudem können die Geldhäuser durch die steigenden Immobilienpreise und die damit einhergehenden üppigen Darlehenssummen noch immer hervorragend davon leben.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Quelle: ntv.de