Ratgeber
Dienstag, 31. Januar 2012

Von Wärmecreme bis Zwiebelprinzip: Was tun, wenn die Kälte kommt?

von Isabell Noé

Man hatte sich schon damit angefreundet, dass der Herbst diesmal gleitend in den Frühling übergehen würde. Doch jetzt zeigt der Winter, dass doch noch mit ihm zu rechnen ist. Schön für alle, die seit Monaten auf den Einsatz ihrer extra erworbenen Winterjacken warten. Doch auch die Übrigen müssen nicht frieren.

Eine warme Mütze muss sein.
Eine warme Mütze muss sein.(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Lange sah es so aus, als würde sich der Winter in dieser Saison gar nicht mehr blicken lassen. Jetzt kommt er doch noch und verwandelt Deutschland in eine Kältekammer. Das Hoch "Cooper" bringt zwar wenig Schnee, aber eisigen Wind, und milder wird es auch mit dem Folge-Hoch "Dieter" nicht werden. Erst am Wochenende sollen die Temperaturen die Talsohle erreichen. Wer jetzt schon draußen friert, muss sich noch besser wappnen.

Tiere legen sich ein Winterfell zu, Vögel halten ihre Körperwärme mit dem Gefieder konstant. Doch auch Menschen können Federn nutzen: Mäntel und Jacken aus Natur- oder Kunstdaunen bilden eine hervorragende Isolationsschicht. Diese Wirkung geht bei Nässe allerdings verloren, schweißtreibende Aktivitäten sollte man in Daunenjacken also besser vermeiden.

Mehr Lagen, mehr Wärme

Outdoorsportler wie Jogger sieht man ohnehin nur selten dick verpackt durch den Winter spurten. Sie nutzen das altbewährte Zwiebelprinizip: Mehrere dünnere Lagen übereinander isolieren besser als wenige dicke Schichten. Denn zwischen zwei Kleidungsstücken liegt jeweils eine Luftschicht, die Wärme speichert. Auch im Alltag hilft das Zwiebelprinzip dabei, sich kältegerecht zu kleiden. Falls es zu warm wird, zieht man einfach ein Kleidungsstück aus.    

 Optimieren lässt sich das Zwiebelsystem durch die richtige Materialwahl. Die unterste Lage hat die Aufgabe, Schweiß vom Körper weg zu transportieren. Optimal ist ein Unterhemd aus Kunstfasern wie Polyester oder Polyamid. Wer lieber auf Natur setzt, ist mit Merinowolle gut bedient. Baumwolle saugt sich leicht mit Wasser voll und eignet sich nur, wenn man nicht viel schwitzt. Auf jeden Fall sollte die untere Schicht eng am Körper anliegen. Über die Basisschicht kommen weitere Lagen: Hemden, Pullover und dünne Jacken. Schön warm halten Fleece und Wolle bzw. Woll-Mischungen. Wer sich hier schon dick genug einpackt, braucht auch keinen Sibirien-tauglichen Wintermantel. Entscheidend ist allerdings, dass die äußerste Lage den Wind abhält. Das schaffen moderne Materialien wie Gore Tex, aber auch Leder. In abgespeckter Form hilft das Zwiebelprinzip auch den Beinen: Eine lange Unterhose schützt beispielsweise Radler auf dem Weg ins Büro.

Kalte Hände und Füße

Oberkörper und Beine sind für viele, die durch die Kälte müssen, noch das geringste Problem. Viel stärker setzt der eisige Wind oft Händen und Füßen zu. Winterschuhe sollten nicht zu eng sein, schließlich isoliert auch hier die Luftschicht zwischen Schuh und Fuß. Außerdem braucht man vielleicht auch noch Platz für wärmende Einlegesohlen und dicke Thermo- oder Wollsocken. Keine Angst vor Schweißfüßen: Wolle nimmt bis zu 30 Prozent ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit auf, ohne sich nass anzufühlen.

Wer hartnäckig friert, kann es mit beheizbaren Einlagen versuchen. Die kosten ab 15 Euro aufwärts und werden mit Batterien oder Akku betrieben. Teurere Exemplare haben einen Thermostatsensor, der die aktuelle Fußtemperatur misst und die Leistung entsprechend reguliert.

Handschuhe sollten auf jeden Fall winddicht und gut gefüttert sein. Wer selbst in dicken Skihandschuhen friert, kommt vielleicht mit Leder und dickem Lammfellfutter weiter. Am besten in Form von Fäustlingen  - so wärmen sich die Finger gegenseitig.

Der Mythos vom Wärmeverlust

Hartnäckig hält sich der Mythos, die meiste Körperwärme gehe über den Kopf verloren. Die Annahme beruht auf einer Versuchsreihe aus den 1950er Jahren, bei der die Testpersonen mit Ganzkörper-Überlebensanzügen, aber ohne Kopfbedeckung,  in der Arktis frieren mussten. Unter normalen Bedingungen ist ein Wärmeverlust von 45 Prozent unrealistisch. Trotzdem können eisige Stirn und kalte Ohren ziemlich unangenehm werden. Eine dicke Mütze ist bei Minusgraden also durchaus sinnvoll, wenn es windig ist, am besten eine gefütterte. Sportler setzen oft auch noch auf eine Sturmhaube aus Fleece, um den Rest des Gesichts zu schützen. Im Alltag tut's aber meist auch ein Schal, der weit nach oben gewickelt wird. Angenehmer Nebeneffekt: Die warme Atemluft hält die Schleimhäute feucht.

Die Haut braucht Schutz

Kalte Luft bindet weniger Feuchtigkeit, zudem kommt die Fettproduktion der eigenen Haut im Winter zum Erliegen. Deshalb hat man im Winter oft mit trockener Haut und rissigen Händen und Lippen zu kämpfen. Hier helfen nur Fettstifte und regelmäßiges Eincremen. Ob für Gesicht oder Hände: Am besten verwendet man eine fetthaltige Creme ohne Alkohol. Eine Creme auf Wasserbasis kann kontraproduktiv sein, denn das Wasser verdunstet und trocknet die Haut noch mehr aus. Zudem können vereiste Wassermoleküle zu Erfrierungen führen. Für Füße gibt es spezielle Wärmecremes, die über mehrere Stunden warmhalten sollen. Dabei sollte man aber nicht nach dem Motto "Viel hilft viel" vorgehen: Zu viel Wärmesalbe brennt. Und das muss auch bei Minusgraden nicht sein.

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Quelle: n-tv.de