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Mut zum Widerspruch Wenn die Krankenkasse nicht zahlt

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Laut Finanztip wurde jeder fünfte Reha-Antrag abgelehnt.

(Foto: imago/blickwinkel)

Auch wenn die Beiträge immer brav bezahlt wurden - nicht immer ist die Krankenkasse im Schadensfall auch bereit, eine entsprechende Leistung zu erbringen. Wie sich Versicherte dann verhalten, erklärt Finanztip.

Die meisten Leistungen der Krankenkasse müssen Versicherte nicht extra beantragen. Sie gehen mit ihrer Chipkarte einfach zum Arzt und haben mit der Abrechnung nichts weiter zu tun. Komplizierter kann es hingegen werden, wenn die Kasse eine Leistung erst genehmigen muss, wie eine Reha, oder wenn der Versicherte etwas anderes braucht als die vorgesehene Stan­dard­versorgung, zum Beispiel ein teureres Hörgerät oder eine Behandlung in einer Spezialklinik, mit der kein Vertrag besteht.

Doch auch im Falle einer Ablehnung sind gesetzlich Krankenversicherte nicht wehrlos. So haben sie vier Wochen Zeit, gegen eine negative Entscheidung zur Kostenübernahme durch die Krankenkasse formlos schriftlich Widerspruch einzulegen. Mehr als 40 Prozent der Widersprüche im Jahr 2019 gegen Kranken- und Pflegekassen waren erfolgreich, wie der Geldratgeber Finanztip berichtet.

Mehr als 40 Prozent der Widersprüche erfolgreich

Laut Finanztip wurde jeder fünfte Reha-Antrag abgelehnt. Dagegen sollte man sich wehren, empfiehlt das Verbraucherportal. "Versicherte haben gute Karten, wenn sie Widerspruch gegen den Ablehnungsbescheid der Krankenkasse einlegen", sagt Julia Rieder, Versicherungsexpertin bei Finanztip. "Im Jahr 2019 waren mehr als 40 Prozent der Widersprüche erfolgreich und die Kasse zahlte dann doch." Das belegen Daten von 17 Krankenkassen mit mehr als 32 Millionen Versicherten, die Finanztip jetzt ausgewertet hat.

Das Widerspruchsschreiben sollte genau begründen, warum die beantragten Leistungen benötigt werden und welche Fakten die Kasse nicht berücksichtigt hat. "Wir empfehlen, die medizinischen Argumente nochmals vom behandelnden Arzt in einer Stellungnahme zusammenfassen zu lassen", erklärt Rieder. "Wichtig ist, den Brief persönlich zu unterzeichnen und dann per Einschreiben an die Kasse zu schicken." Ein Widerspruch per E-Mail oder Telefon ist nämlich nicht gültig.

Im Vorfeld zu Bewilligung beitragen

Das Portal bietet für den Widerspruch ein kostenloses Musterschreiben zum Download an, in dem die persönlichen Daten und die Begründung für den Widerspruch eingefügt werden müssen. Darüber hinaus gibt es Hilfe im Widerspruchsverfahren bei der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD), den Verbraucherzentralen und Sozialverbänden wie dem VdK oder dem Sozialverband Deutschland (SoVD).

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Auch im Vorfeld eines Antrags können Krankenkassen-Mitglieder zu einer Bewilligung beitragen. So sollten sie ihre Ärzte dazu anhalten, aussagefähige Verordnungen und Atteste zu schreiben. Dabei sollten die medizinischen Befunde und die Lebenssituation für die Krankenkasse nachvollziehbar geschildert werden.

Wenn Versicherte das Gefühl haben, dass die Kasse ihnen Rechte vorenthält oder die Bearbeitung ungebührlich lange dauert, können sie sich auch bei der zuständigen Aufsichtsbehörde, dem Bundesversicherungsamt in Bonn, beschweren. Wichtig: Meldet sich die Krankenkasse drei Wochen nach Erhalt des Antrages nicht, gilt dieser als genehmigt.

Quelle: ntv.de, awi

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