Ratgeber

Abgabenlast gestiegen Wer als Rentner Steuern zahlen muss

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Wer eine Einkommensteuerklärung abgeben muss, muss aber nicht in jedem Fall Steuern zahlen.

(Foto: imago/Christian Ohde)

Rentner können sich zwar in letzter Zeit häufiger über Erhöhungen ihrer Bezüge freuen, werden aber auch zunehmend vom Finanzamt zur Kasse gebeten. Wen es in welcher Höhe trifft, und bei wem überhaupt eine Steuererklärung fällig ist, lesen Sie hier.

Eben noch durften sich die rund 25 Millionen Rentner in Deutschland über eine satte Erhöhung ihrer Renten freuen, da wird bekannt, dass die Steuerbelastung der Ruheständler innerhalb von zehn Jahren teilweise um rund das Fünffache gestiegen ist. Der Grund? Seit dem Jahr 2005 werden die Renten für jeden Jahrgang stärker besteuert. Für Neurentner des Jahres 2019 ist der entsprechende Freibetrag auf nur noch 22 Prozent gesunken.

Und das hat Auswirkungen. Bei Neurentnern werden derart bei einer monatlichen Bruttorente von 1500 Euro 2019 jährlich 430 Euro Einkommensteuer fällig. Vor neun Jahren waren es gerade einmal 79 Euro pro Jahr. Bei einer Bruttorente von 1700 Euro lag die Steuerbelastung bei Rentenbeginn 2010 bei 294 Euro. Nun sind es 758 Euro jährlich.

Ruheständler sind also gut beraten, das vermeintlich ausreichende Geld ihrer Bruttorenten nicht unter die Leute zu bringen, ohne eine mögliche Steuererklärung auf dem Zettel zu haben. Denn der Ruhestand schützt nicht per se vor Arbeit und auch nicht vor dem Finanzamt. So sind in diesem Jahr bereits rund fünf Millionen Rentner steuerpflichtig. Tendenz steigend. Was nicht nur an den an und für sich erfreulichen Rentenerhöhungen liegt.

Zukünftige Rentenerhöhungen müssen voll versteuert werden

War vor 13 Jahren noch die Hälfte der damals bezogenen Rente steuerfrei, unterliegen im Jahr 2019 bereits 78 Prozent der Altersbezüge der Steuerpflicht. Denn Jahr für Jahr steigt der Prozentsatz des steuerpflichtigen Teils der Rente für die jeweiligen Neurentner um zwei Prozentpunkte. Bei einem Rentenbeginn im Jahr 2020 liegt er somit bei 80 Prozent der Jahresbruttorente. Danach erhöht er sich für Neurentner jeweils nur noch um einen Prozentpunkt. Alle Renten, die im Jahr 2040 oder später beginnen, sind dann zu 100 Prozent zu versteuern. Die gute Nachricht lautet, dass der Rentenfreibetrag auch in den Folgejahren unverändert bleibt. Beim Senior, der seit 2005 Rente bezieht, bleiben also auch im Jahr 2019 50 Prozent der Rentenzahlung von 2005 immer steuerfrei. Der Freibetrag bezieht sich dabei auf den konkreten Geldbetrag und nicht auf einen Anteil der jeweiligen Rente. Zukünftige Rentenerhöhungen müssen also voll versteuert werden.  

Hintergrund für die dynamische Rentenbesteuerung ist die Umstellung der Besteuerung auf ein nachgelagertes System. Das heißt, während des Erwerbslebens können die Beiträge zur Rentenversicherung steuerlich abgezogen und in der Auszahlungsphase muss die Rente versteuert werden.

Zumindest wird dann eine Einkommenssteuererklärung fällig, wenn der Gesamtbetrag der Einkünfte eines Rentners den jeweils für das entsprechende Jahr gültigen Grundfreibetrag überschreitet. Was dann auch langjährige Bestandsrentner betreffen kann. Für 2019 liegt dieser für Alleinstehende bei 9168 Euro und für Ehepartner zusammen gilt der doppelte Wert.

Nicht nur die gesetzliche Rente zählt

Zu beachten ist, dass mit Einkünften nicht nur die gesetzliche Rente, sondern alle Einnahmen gemeint sind. Also unter anderem auch Mieteinnahmen, Bezüge aus einer Betriebs-, Riester- oder Privatrente und Kapitalerträge.

Liegt der Gesamtbetrag der Einkünfte für das kommende Jahr beispielsweise bei einem alleinstehenden Neurentner bei 16.000 Euro, übersteigen 78 Prozent hiervon (12.480 Euro) den Grundfreibetrag von 9168 Euro. Der individuelle Freibetrag beläuft sich auf 3520 Euro. Es wird also eine Steuererklärung über 12.480 Euro fällig.

In welcher Höhe dann tatsächlich Steuern anfallen, hängt nicht zuletzt davon ab, welche Ausgaben beim Finanzamt steuerlich geltend gemacht werden können. Den analog zum noch werktätigen Steuerzahler haben auch Rentner die Möglichkeit, diverse Kosten in der Steuererklärung abzusetzen. Dazu zählen etwa Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge, die Kirchensteuer, Spenden, Beiträge zu Versicherungen wie einer Unfall- oder Haftpflichtversicherung und auch Gesundheitsausgaben.

Gleiches gilt für die Kosten, die Rentnern entstehen, wenn sie sich die komplexe Materie von einem Lohnsteuerhilfeverein oder einem Steuerberater erklären lassen beziehungsweise dort prüfen lassen möchten, ob denn eine Steuerpflicht vorliegt. Was keine schlechte Idee ist, denn auch Rentner haben gegenüber dem Finanzamt eine Bringpflicht. Sie sollten also nicht erst darauf warten, dass die Behörde bei ihnen anklopft. Ansonsten kann diese Form des Ruhestandes auch zu Nachzahlungen und Sanktionen in Form von Strafzinsen führen.    

Quelle: n-tv.de, awi