Ratgeber

Kurs rauf, Kurs runter Wie sich Anleger informieren

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Anleger haben viele Möglichkeiten, sich über Wertpapiere und Fonds zu informieren

(Foto: imago/CHROMORANGE)

Kaufen oder verkaufen? Wer an der Börse mitmischen will, muss auf dem Laufenden bleiben. Für Privatanleger bedeutet das viel Aufwand. Wie groß sollte das Engagement sein?

Das Sparbuch wirft nichts mehr ab, Immobilieninvestments sind teuer. Wohin also mit dem Geld, das zum Beispiel fürs Alter angelegt werden soll? Wertpapiere wie Aktien und Fondsanteile sind eine Variante. Doch nicht jeder fühlt sich dafür gut genug informiert. In einer Umfrage im Auftrag des Deutschen Aktieninstituts (DAI) und der Börse Stuttgart gaben 64 Prozent der Aktien-Abstinenzler mangelndes Wissen als Grund an, nicht in Aktien zu investieren.

Dabei haben Anleger viele Möglichkeiten, sich über Wertpapiere und Fonds zu informieren. Hilft das bei der Entscheidung für Kauf und Verkauf? Ja und nein, sagen Experten. "In dem Moment, in dem der Aktionär die Info liest, ist der Kurs schon unten", erklärt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Dass die Nachricht zugleich auch Tausende andere erreicht, die daraufhin ebenfalls kaufen oder verkaufen wollen, verstärke den Kurseffekt des Rauf und Runter.

Zudem hinken Privatanleger den Börsenprofis hinterher. Deren Computersysteme reagieren in Nanosekundenschnelle auf jede Veränderung. Sobald Informationen publik geworden sind, sind sie im aktuellen Kurs der Aktie eingepreist, gibt Nauhauser eine alte Börsenweisheit wieder. Deshalb lautet sein Rat, das ständige Hin und Her eher zu ignorieren. Das gilt zumindest für Investoren mit langfristigem Anlagehorizont, die mit Wertpapieren Altersvorsorge betreiben und Vermögen aufbauen wollen.

Geschäftsbericht ist Pflichtlektüre

Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) mit Sitz in Düsseldorf erwartet von Anlegern dagegen mehr Engagement. Mindestens den Geschäftsbericht sollten sie lesen. Dieser ist bei Aktiengesellschaften neben den alle drei Monaten erscheinenden Zwischenberichten das einzige offizielle, verbindliche Informationsmedium. Besonders die Gewinn- und Verlustrechnung, die Bilanz und der Lagebericht sind zu studieren, so der DSW-Experte.

Dabei gilt das Interesse dem Vergleich mit der gesamten Branche und dem Wettbewerb sowie der Einordnung des eigenen Unternehmens in dieses Umfeld. Auch die Prognose, also der Blick auf die vom Management erwartete zukünftige Entwicklung, lohne die Lektüre. Zusätzlich zu den harten Fakten bekommen Anleger "ein Gefühl für das Management und die Strategie", sagt Kurz.

Vertrauen entscheidet mit

Weil Börse viel mit Psychologie zu tun habe, könne dieses Gefühl mitentscheiden über Ein- und Ausstieg - oder besser die Antwort auf die Frage: Traue ich dem Vorstand etwas zu oder nicht? Für institutionelle Anleger zählen Qualität des Managements und Strategie ebenfalls zu den Orientierungsgrößen. Kurz räumt ein, dass ein Geschäftsbericht im Zeitalter sozialer Medien altmodisch wirke.

Trotzdem bleibt dieser für viele Privatinvestoren eine bedeutende Informationsquelle. Das zeigt eine Umfrage des Deutschen Aktieninstituts (DAI). Es wollte von Post-Aktionären wissen, wo und wie sie sich informieren. Der Geschäftsbericht landete hinter der Presse auf Platz zwei, weit vor Internetauftritt oder der Bank.

Beim Punkt Vertrauenswürdigkeit lag der Geschäftsbericht sogar an der Spitze. Der in Papierform und zumeist auch im PDF-Format zum Download angebotene Bericht hat allerdings einen Nachteil: Er ist bereits beim Erscheinen veraltet.

Privatanleger müssen nicht kurzfristig reagieren

Ad-hoc-Mitteilungen sind deutlich aktueller. Sie sind Pflicht, sobald ein börsennotiertes Unternehmen kursrelevante Nachrichten zu verkünden hat. Lesen sollten Private diese Informationen schon. Aber "es lohnt nicht, auf kurzfristige Nachrichten kurzfristig zu reagieren", meint Franz-Josef Leven vom DAI. Nur wer versuche, den Index zu schlagen, sollte kurzfristig handeln.

Die Chancen auf den dicken Gewinn schätzt Leven als sehr gering ein, das Risiko dagegen hoch. Bei Haltefristen von fünf, zehn oder mehr Jahren hält er neue Fonds oder neu entwickelte Produkte für zuverlässigere Indikatoren, um den Wert einer Aktie auf längere Sicht abzuschätzen. Häufiges Trading schade außerdem dem Ertrag: "Hin und her macht Taschen leer."

Anleger sollten die großen Trends beobachten

Zeitungsberichte über Aktien zu lesen und Nachrichten zu hören "ist nicht verkehrt", um Wertpapiere langfristig zu betrachten und dann über raus und rein zu entscheiden. "Man muss die großen Trends mitbekommen", sagt Leven. Die Empfehlung von Jürgen Kurz lautet ähnlich: "Liegen lassen und gewinnen klappt nicht mehr, weil zum Beispiel die Digitalisierung ganze Geschäftsmodelle trifft und ins Rutschen bringt" - und in der Folge die Aktienkurse der betroffenen Branchen.

ETFs und andere Fonds erfordern in der Regel deutlich weniger Informationsaufwand: ETFs machen die Marktentwicklung automatisch mit und sind in der Zusammensetzung breit gestreut, was das Risiko reduziert. Auch die Kurse der von Profis gemanagten Fonds werden Nauhauser zufolge laufend angepasst, so dass für Anleger kaum Handlungsbedarf besteht.

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Quelle: n-tv.de, Monika Hillemacher, dpa

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